Ipanema Coffee Farm: Wie bekämpft man umweltfreundlich Kaffeeschädlinge?

Es ist schön warm hier in Brasilien: Rund 30 Grad jeden Tag. Die Sonne lässt sich kaum blicken, dafür regnet es und das zum Teil wirklich sehr heftig. Für diesen Blogbeitrag möchte ich Sie mit auf die nassen Kaffeefelder von Alfenas nehmen.

Ich heiße Markus Meusburger, lebe seit über einem Jahr in Brasilien und arbeite auf der Farmgruppe Ipanema Coffees, an der Tchibo beteiligt ist. Ich repräsentiere die Interessen von Tchibo innerhalb der Farmgruppe.

Damit sich die Kaffeekirsche in voller Blüte entfalten kann, müssen verschiedene Schutzmaßnahmen getroffen werden.

 

Hier in Brasilien ist jetzt gerade Sommer und die Temperaturen sind dementsprechend hoch. Durch das subtropische Klima regnet es zwischen Januar und März über das Jahr gesehen jedoch auch in dieser Zeit am häufigsten. Aufgrund der Regenmassen halte ich mich in meiner Freizeit gerade eher drinnen auf. Gleichwohl sind das natürlich fantastische klimatische Bedingungen für die Kaffeebäume. Die Kaffeekirschen wachsen von Tag zu Tag. Es ist ungemein wichtig, dass die Kaffeekirschen mit ausreichend Wasser versorgt werden, um die Entwicklung und das Wachstum der Pflanzen zu fördern.

Zu diesem Thema gibt es bei Ipanema  keinen besseren Gesprächspartner als Antonio Michelotto. Antonio arbeitet schon mehr als 20 Jahre für Ipanema und hat reichlich Erfahrung auf dem Gebiet. Daher lasse ich mir von ihm einen genauen Einblick in seine Arbeit geben.

Antonio Michelotto ist bei Ipanema als technischer Direktor für den Schutz der Kaffeepflanzen verantwortlich. Dazu zählt beispielsweise auch die Bekämpfung von Schädlingen.


Antonio, was genau machst du auf der Farm Ipanema?

Ich arbeite hier als technischer Direktor. Eigentlich bin ich agrarwissenschaftlicher Ingenieur und auf Arbeitssicherheit spezialisiert. Im August 1994 habe ich meine Ausbildung  im Agrarsektor von Ipanema Coffees begonnen. Das war direkt nach meinem Bachelorstudium als Agrarwissenschaftler an der Universität von Lavras. Somit bin ich schon fast 22 Jahre hier!

Wie sieht dein typischer Tag hier auf der Kaffeefarm aus?

Die technische Abteilung ist für die Laborsicherheit, Medizin und die Einhaltung der Umweltstandards der Farm verantwortlich. Zudem kümmern wir uns um die Zertifizierungen im Agrarsektor und die Einhaltung von Gesetzen und Regularien. Die technische Abteilung gibt darüber hinaus auch agrarwissenschaftliche Meinungen zur Produktion, Versorgung, Gesundheit sowie Schädlingsbekämpfung der Pflanzen mit innovativen und fairen agrarwissenschaftlichen Verfahren ab. Das alles mit dem Ziel, die Produktivität, die Kaffeequalität, Wirtschaftlichkeit sowie den Umweltschutz zu fördern und dabei die Umweltgesetze und Bestimmungen einzuhalten.

 

Grün und gesund. Schädlinge können zwar das Wachstum der Kaffeepflanzen beeinträchtigen, lassen sich aber gezielt und umweltverträglich bekämpfen.

 

Was gefällt dir an deinem Job am meisten?

Es ist schön mit neuen Techniken zu arbeiten, die in diesem Gebiet noch eher unbekannt sind, um später festzustellen, dass die getroffenen Maßnahmen zu einem beachtlichen Zuwachs an Produktivität und Qualität führen, aber auch gleichzeitig noch Produktionskosten senken können. Es freut mich, wenn ich damit einen Beitrag zur Entwicklung und zum Wachstum des Unternehmens beitragen kann.

Seinem Auge entgeht kein Schädling: Antonio überwacht das Wachstum der Kaffeepflanzen.

 

Die Pflege der Kaffeepflanzen ist enorm wichtig. Welche Schädlinge können der Kaffeepflanze gefährlich werden – und dadurch auch wirtschaftlichen Schaden verursachen?  

Da wäre zunächst der Kaffeebaum-Käfer: Ein kleiner Käfer, der Löcher in die Kaffeefrucht bohrt und damit den Kaffee unbrauchbar macht. Die Bohne verliert durch die Löcher an Qualität und Gewicht, bis sie dann am Ende durch Pilze anfängt zu verfaulen.

Dann der Kaffeewurm: Dieser Wurm frisst sich durch die Kaffeeblätter, wodurch kleine Tunnel entstehen. Dadurch verliert der Kaffeebaum seine Blätter und wird für die Produktion unbrauchbar.

Der Kaffeewurm frisst sich durch die Kaffeeblätter, wodurch kleine Tunnel entstehen


Wie werden die Schädlinge bekämpft?

In der Firma haben wir geschultes Personal, das in den jeweiligen Produktionseinheiten die Pflanzen überwacht, um Schädlinge und Krankheiten zu verhindern. Im Fall des Kaffeebaum-Käfers beginnt die Überwachung der Pflanzen ungefähr 90 Tage nach der Blütezeit der Frucht und kann bis zu dreimal pro Flächeneinheit wiederholt werden.

Für die Bekämpfung des Kaffeewurms ist auch die zielgerichtete Überwachung pro Flächeneinheit vorgesehen. Die Menge des Pflanzenbefalls mit Würmern, Motten und Alttieren hängt stark von den klimatischen Bedingungen ab.  An dieser Stelle möchte ich mich für die Arbeit unserer Agrar-Abteilung bedanken, die es mit umweltschonenden Verfahren geschafft hat den Einsatz von Chemikalien von ehemals 30 Prozent auf 10 Prozent pro Flächeneinheit zu verringern.

Die Löcher in den Kaffeebohnen zeigen den Befall mit Käfern

 

Wie wichtig ist ein ganzheitliches Schädlings-Management unter Berücksichtigung von aktuellen sozialen, wirtschaftlichen und umweltpolitische Anforderungen?

Ein ganzheitliches Schädlings-Management ist mit das wichtigste Feld der agrarwissenschaftlichen Techniken in der Kaffeeproduktionsbranche. So kann man gleichzeitig auch andere schädliche Umweltauswirkungen abmildern (sinnvoller Einsatz von Produkten, die Böden nicht zu stark belasten sowie Wasser und Luft nicht kontaminieren).

 

Danke Antonio für dieses ausführliche Gespräch!

 

 

 

 

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1 Kommentare zu „Ipanema Coffee Farm: Wie bekämpft man umweltfreundlich Kaffeeschädlinge?

  1. Ben

    Schön zu lesen, das auch hier über alternative umweltfreundliche Schädlingsbekämpfung nachgedacht wird.
    Hoffentlich nehmen sich andere dabei ein Besipiel.

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