Kaffee Namen (2)

Kleiner Brauner, Schwarzer, Melange, Mokka – Kaffee und seine vielen Namen

Im ersten Teil zu verschiedenen Bezeichnungen des Kaffees und deren Ursprünge, habe ich ein paar geschichtliche Fakten zusammengestellt. Im aktuellen Teil geht um heutige Begriffe zum Kaffee und deren Hintergründe. Neben den wissenschaftlichen und mundartlichen Variationen des Wortes Kaffee gibt es noch eine ganze Menge Bezeichnungen für das Getränk – das fängt schon im deutschen Sprachraum an und setzt sich international fort. Die mit Alkohol versetzten Kaffeespezialitäten lasse ich im Folgenden einmal weg, es wären einfach zu viele.

Der Café Crème ist besonders beliebt

Wir beginnen in Österreich: Versuchen Sie einmal in einem Wiener Kaffeehaus einen „Kaffee“ zu bestellen – das ist gar nicht so einfach: Da gibt es den Kleinen Braunen, den Schwarzen, den Einspänner oder die Melange, um nur einige zu nennen – und die Kaffeemilch dazu heißt „Kaffeeobers“. In der Schweiz ist es vor allem der Schümli oder Café Crème, d.h. hier ist, ebenso wie in Frankreich, die Grundnatur des Kaffees in der Bezeichnung meist noch ablesbar.

In Italien enthalten die Bezeichnungen Espresso (= ausgedrückter) und Cappuccino zwar keinen Hinweis auf Kaffee, doch sind sie ebenso wie der Latte Macchiato (=gefleckte Milch) inzwischen international bekannte Kaffeespezialitäten, die kaum noch hinterfragt werden. Selbst Varianten wie ristretto (=beschränkt), lungo (= verlängert), americano oder doppio (= verdoppelt) geben heute den Liebhabern italienischer Kaffeehauskultur keine Rätsel mehr auf. Die Wiener bestehen übrigens darauf, dass der Cappuccino vom Wiener Kapuziner (Name!) abgeleitet ist. Der Name soll angeblich an die braune Farbe der Kutte der Kapuziner erinnern.

Die Italiener lieben ihren Espresso

Der aus Australien stammende und inzwischen auch in Europa angekommene White Flat (=weißer flacher) ist vom Cappuccino deutlich abzugrenzen, enthält der White Flat doch viel mehr Espresso als der Cappuccino und somit ein komplett anderes Kaffee-Milch-Verhältnis.

Der Mokka kann in unterschiedlichen Ländern in unterschiedlichen Erscheinungen auftreten. Doch allen gemein ist die Reminiszenz an die alte arabische Hafenstadt Mokka am Roten Meer, dem ersten echten Kaffeeverschiffungshafen überhaupt.

In Portugal würde man statt eines starken Espressos eher einen bica (bicar = aufpicken) bestellen oder in der vermilchten Variante einen garoto (wörtlich: der Junge). Oft hört man in Portugal zum bica eine Erklärung, es stehe für Beba Isto Com Açúcar (= Trinke dies mit Zucker), doch steht selbstverständlich jedem frei, Zucker hinzuzufügen oder nicht. In Brasilien hingegen, wo ebenfalls portugiesisch gesprochen wird, liebt man traditionell die Verniedlichung von Wörtern und bestellt deshalb einen cafézinho (=Käffchen), eine Art Mokka der oft aus der Kanne und schon vorgesüßt ausgeschenkt wird. Während in Brasilien die Bewohner der Stadt Rio de Janeiro als cariocha bezeichnet werden, ist dies in Portugal ein abgeschwächter Espresso, der übrigens aus demselben Kaffeepulver gewonnen wird, das vorher schon für den bica verwendet wurde – also eher eine coffeinarme, dünne Brühe. Als Verweis auf den italienischen Espressomaschinenhersteller Cimbali (es gibt auch andere gute Hersteller) und als Erfolg einer Werbekampagne aus den 1950er Jahren kann man bewerten, dass in der Region Porto in Portugal der Espresso oft auch cimbalino genannt wird.

Kaffee aus Kolumbien

In Spanien wird gerne der café cortado bestellt (=[ab]geschnittener Kaffee). Als Zutat zum Kaffee erhält man oft gezuckerte Kondensmilch (älteren Generationen noch als „Milchmädchen“ bekannt). In Mexiko ist café de olla („Eintopfkaffee“) eine ungewöhnliche Kaffeespezialität, bei der Kaffeepulver mit Zimt, Orangen und Eierschalen aufgekocht wird. Wer in Südamerika weilt und es lieber mit weniger Zutaten hält, ordert einen romano (Römer) und wird einen Espresso mit Zitronenscheibe erhalten. Und wer in Kolumbien einen tinto („gefärbter“) bestellt, bekommt nicht etwa, wie man es vom Mallorca-Urlaub her kennt, einen Rotwein, sondern ebenfalls einen Kaffee und zwar ohne Milch (café solo). Wer in Kolumbien einen Michkaffee haben möchte, greift ebenfalls zum verbalen Farbkasten und bestellt einen pintado („angemalten“).

An diesem kolumbianischen Kaffeeverkaufswagen wird auch der tinto verkauft. ©Foto: Gerhard Bytof

Weiter in Nordamerika: Kaum eine Überraschung – der caffè americano (ein mit heißem Wasser gestreckter Espresso) ist nicht nur in Italien, sondern auch in den USA erhältlich. Daneben gibt es weitere US-Kaffee-Spezialitäten, wie etwa den black eye oder bull’s eye (=schwarzes Auge oder Bullenauge), wobei einem Filterkaffee zwei Espressi hinzugefügt werden. Spricht der US-Amerikaner allgemein von Kaffee (Bohne oder Getränk), dann verwendet er gerne den Ausdruck Java, nach der indonesischen Insel, von der auch Rohkaffee exportiert wird. Unvergessen ist mir die Szene in „Tote tragen keine Karos /Dead men don’t wear plaid“, die von Steve Martin mit der Ansage an Burt Lancaster eingeläutet wird: „You need a cup of my Java“! – Kaum zu glauben, wieviel Kaffeepulver aus so einer kleinen Kaffeetüte herauskommt!

Wenn es um die Tasse Kaffee geht, wird in den USA fast genauso oft der Ausdruck: cup of joe verwendet, dabei gibt es ein paar Varianten wie cup o’ joe, cuppa joe oder einfach cuppa. Welcher Joe? Über den Ursprung des Ausdrucks streiten sich die Meister. Die einen meinen, es habe sich bei US-Soldaten im Ersten Weltkrieg entwickelt, die an der Front mit dem ersten industriell gefertigten Instantkaffee versorgt wurden – Hersteller: die George Washington Coffee Refining Company. Aus George wurde Joe. Eine andere Erklärung sieht den Ursprung im Kunstwort jamoke, zusammengesetzt aus bereits erwähntem java und mocha (Mokka), das in einem Handbuch für US-Offiziere von 1931 Erwähnung findet.

Wer weitere Erklärungen zu cuppa joe oder anderen Kaffeewörtern aus (un)erwähnten Ländern kennt, ist hiermit aufgefordert, diese gerne in den Kommentaren beizutragen. Ich bin für jede vernünftige Erklärung oder Ergänzung überaus dankbar und freue mich schon darauf! Insbesondere zur östlichen Hemisphäre fehlen mir Insider-Infos.

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1 Kommentare zu „Kleiner Brauner, Schwarzer, Melange, Mokka – Kaffee und seine vielen Namen

  1. Carola Brockmeyer

    Eine super Zusammenstellung von verschiedenen Kaffee Spezialitäten und deren Bezeichnungen. Und die mit Alkohol hast Du ja bewusst weggelassen. Da merkt man doch wieder, wie wichtig das schwarze Getränk ist und nicht nur bei uns in Deutschland.

    Liebe Grüße
    Carola

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