Kind & Job

Ist nicht jeder Tag ein Muttertag?

Der Muttertag ist wieder ein schöner Anlass, über die Vereinbarkeit von Kind und Job zu berichten. Kleiner Einschub: Glücklicherweise kommen wir langsam davon weg, hier nur von Müttern zu sprechen. Bei Tchibo sehen wir einen starken Trend zum “working dad”, der (so vorhanden) trotz Führungsrolle Elternzeit nimmt und abends rechtzeitig zu Hause sein möchte. Dank Muttertag am Sonntag soll es aber hier um arbeitende Mütter gehen. Meine Kolleginnen Johanna von Stechow (fast Dreifach-Mutter) sowie Frauke Greiwe (hat bereits drei Kinder) erzählen von ihrer persönlichen Work-Family-Balance. Cornelia Meier und Svenja Schlüter haben jeweils eine Tochter, sie arbeiten in unserer Hamburger Filiale im Elbe-Einkaufszentrum und haben dort nicht immer einfache Arbeitszeiten.

Svenja Schlüter (links) und Cornelia Meier (rechts) arbeiten in der Tchibo Filiale im Hamburger Elbe-Einkaufszentrum

Svenja Schlüter, Filialdame Elbe-Einkaufszentrum Hamburg

Ich arbeite seit 2012 in der Tchibo-Filiale im Elbe-Einkaufszentrum als Verkäuferin in Teilzeit. Seit September 2011 dreht sich mein Leben um einen weiteren kleinen Menschen – um meine Tochter Pia-Marie. Viele fragen mich, wie ich mit einem Kleinkind nebenbei noch arbeiten gehen kann. Die Antwort darauf: Meine Mutter unterstützt mich, wo sie nur kann. Sie nimmt mir die Kleine ab, wenn ich arbeiten gehe. Und das ist bedingt durch die Schichtarbeit immer unterschiedlich. Ich habe das Glück, wenig Früh- und Spätschichten machen zu müssen. Dadurch kann ich meine Tochter häufig in den Kindergarten bringen und an 2-3 Tagen in der Woche sogar vom Kindergarten abholen.

Doch so rosig und leicht es nun auch klingen mag, muss ich sagen, dass Kind und Arbeit immer bedeutet, dass eines von beiden ein wenig Zurückstehen muss: Entweder die Kollegen, weil ich weniger flexibel sein kann oder mein Kind, weil ich es an einigen Tagen nicht in den Kindergarten bringen oder abholen kann. Der größte Stressfaktor einer Working Mum ist also, dass man auf der Arbeit weiter ein gutes Mitglied im Team sein möchte und gleichzeitig zu Hause alles gewuppt bekommen muss – Einkauf, Haushalt, Erziehung, all das wartet auf mich, wenn ich Feierabend habe.

Trotz der Anstrengung, die Arbeit und Kind mit sich bringen glaube ich, dass es unheimlich wichtig ist, sich selbst durch die neue Rolle als Mutter nicht aus dem Blick zu verlieren. Arbeiten gehen bedeutet auch, dass man etwas tut, was nur einem selbst gehört. Und für mein Kind ist der tägliche Kindergartenbesuch ebenfalls wichtig; so lernt sie andere Kinder kennen und wird anders gefordert.

Was Tchibo noch besser machen kann, wenn es um Working Mums geht: Eine offizielle Regelung, dass Mütter mehr Mittel- statt Früh- und Spätschichten bekommen, wäre klasse! So gern ich auch mal früh oder spät arbeite, so ungern geht meine kleine Tochter ohne mich schlafen. Ganz nach dem Motto „Die Mama muss da sein“, bleibt Pia-Marie solange wach, bis ich von der Arbeit wieder zurück bin. Zum Schluss noch mein Tipp für alle Working Mums: Improvisation, Flexibilität und Absprache sind die Stichworte für ein erfolgreiches Arbeiten mit Kind.

Johanna von Stechow mit Oskar und Jacob

Johanna von Stechow, Head of Programme Management Office Non Food

Im August bekomme ich meinen dritten Sohn. Mein „großer“ Oskar ist drei Jahre alt,  mein zweiter Sohn Jacob ist eins. Ich habe das große Glück trotz der Elternzeiten meinen Führungsjob behalten zu haben. Ich arbeite 80% und habe in den Elternzeiten immer den Kontakt zur Firma gehalten. Bis zur Geburt von Jacob habe ich die Stabsstelle Corporate Development geleitet. Seit meinem zweiten Wiedereinstieg bin ich dafür zuständig, die strategische Neuausrichtung im Non Food Bereich aufzusetzen und prozessual umzusetzen.

Der Job macht mir großen Spaß. Mit Kindern zu Hause arbeitet man aber doch manchmal etwas gehetzter. Bei zu viel Gerede in Meetings werde ich ungeduldig, weil ich ständig die Zeit im Blick habe. Bei mir funktioniert der tägliche Stretch mit 2 Kleinkindern, Schwangerschaft und meiner Aufgabe bei Tchibo hauptsächlich durch die gute Betreuungssituation zu Hause.

Seit drei Jahren habe ich Gemma, eine Nanny, zu Hause, die sich um die Kinder kümmert und wäscht, bügelt, einkauft und putzt. Ich gehe aus dem Haus wenn die Kinder noch im Schlafanzug beim Frühstück sitzen und kann ihnen ihren morgendlichen Rhythmus lassen, weil Gemma Oskar in die Kita bringt und wieder abholt. Wenn ich nach Hause komme kann ich dann bis zum Schlafen mit den Kindern spielen ohne noch etwas im Haushalt zu machen. Wenn die Kinder krank sind kann ich ins Büro gehen, weil Gemma sowieso da ist und auch auf beide Kinder aufpassen kann.

All das ist natürlich eine Kostenfrage, aber ich kann allen Müttern, die wieder in ihre alten Karrierestufen zurückwollen, solch eine Lösung ans Herz legen.

Der Haken an dem Modell ist, dass ich von anderen Müttern oder Betreuern in der Kita wenig mitbekomme. Einmal in der Woche bringe ich Oskar selbst in die Kita und spreche mit den Erziehern. Das minimiert mein Dauer-schlechtes-Gewissen ein bisschen. Mit den etwas vorwurfsvollen Blicken der Erzieher und mit einigen Vorurteilen anderer Mütter, die nicht arbeiten, muss ich leben. Bei steigender Kinderanzahl bleibt eine fast Vollzeit arbeitende Mutter doch teilweise die Ausnahme im Freundeskreis. Auch im Büro nehmen viele an, dass man nach zwei oder erst recht nach drei Schwangerschaften sowieso nicht wieder kommt. Eigentlich müsste statt dessen der erste Gedanke sein „komm wieder, wir brauchen dich!“.

Insgesamt hilft mir eine strikte Trennung von Arbeit und Privatleben. Sobald das Diensthandy klingelt oder ich am Computer tippe bekommen meine Kinder einen Tobsuchtsanfall. Deswegen ist das Homeoffice, das für viele eine große Erleichterung ist, für mich persönlich keine Alternative.

Frauke Greiwe Linn, Lorenz und Lennard

Frauke Greiwe, Projektmanagerin Franchise

Meine Kinder Linn, Lorenz und Lennard sind jetzt zwei, sechs und acht Jahre alt. Nach der Geburt jedes Kindes habe ich ein Jahr Elternzeit genommen – und bin glücklicherweise immer wieder gut in den Job gerutscht. Optimal lief es vor einem Jahr mit Linn, meiner Jüngsten. Hier bekam ich schon vor der Geburt einen Vertrag für meinen Wiedereinstieg. Als Interimslösung hatten wir eine Kollegin (auch Mutter) gefunden, die meinen Job während meiner Abwesenheit übernommen hat.

Bei Tchibo bin ich nun fast 13 Jahre, seit fünf Jahren arbeite ich im Filial- Franchise Bereich. 10% der Tchibo Filialen sind nämlich Franchise betrieben, hier ist es besonders wichtig, dass wir die Franchise-Nehmer sehr gut auswählen und schulen. Ich bin sowohl für die Rekrutierung als auch für die Weiterentwicklung zuständig. Das heißt Bewerbermarketing, Gespräche, Infoveranstaltungen, Schulungen und Co..

Im Moment arbeite ich 60%, das heißt von Montag bis Donnerstag von 08.30 Uhr bis 15.00 Uhr. Meist komme ich auch pünktlich aus dem Büro, da ich primär in Projekten arbeite und nicht so sehr im Tagesgeschäft verhaftet bin. Wir sind aber auch ein „besonderes“ Team: drei Mütter in Teilzeit und zwei Vollzeitkräfte. Das verlangt eine Menge Abstimmungsbedarf. Aber nach einer holprigen Anlaufphase sind wir inzwischen ein gut eingespieltes Team.

Seit ich Mutter bin lege ich im Job noch mehr Wert auf Effizienz, Verlässlichkeit und vor allem Kollegialität. Meetings sollten zu einem Ziel führen und Arbeitsaufträge klar formuliert sein. Zum Lunch in unser Mitarbeiterrestaurant gehe ich allerdings immer – nicht nur, um Networking zu betreiben, sondern weil mir der Austausch mit Kollegen Freude bereitet und oftmals gute Impulse gibt.

Zu Hause bin ich so organisiert, dass die Kinder Kita und Ganztagsschule besuchen, für Notfälle haben wir noch eine Babysitterin zur Unterstützung. Und bei Kinderkrankheiten arbeite ich, wenn möglich, im Home Office. Als Teilzeitkollegin ziehe ich den Hut vor Vollzeit arbeitenden Müttern. Ich habe ja immer noch gewisse Freiräume, um Termine mit den Kindern wahrzunehmen oder mich bei Schule/Kita einzubringen.

Aktuell genieße ich den Luxus, in Teilzeit zu arbeiten und nachmittags Zeit mit den Kindern zu verbringen. Dennoch würde ich mich über eine berufliche Weiterentwicklung im Rahmen meiner Möglichkeiten freuen. Man darf ja nicht vergessen, dass die Freiräume mit heranwachsenden Kindern größer werden. Ich finde jedoch, dass der Fokus bei dieser ganzen Thematik zu sehr auf den Müttern liegt. Ich bin mir sicher, dass auch viele Väter sich – trotz Vollzeit – mehr Flexibilität und Zeit mit den Kindern wünschen.

Cornelia Meier, Filialleiterin Hamburg Elbe-Einkaufszentrum

Ich arbeite seit mittlerweile 23 Jahren bei Tchibo und bin stellvertretende Filialleitung auf 85-Stunden-Basis in der Filiale im Elbe-Einkaufszentrum. Auch ich bin eine Working Mum. Mein größter Vorteil zurzeit: Meine Tochter Lea-Sophie, 11 Jahre, ist bereits recht selbstständig. Sie hat 2x die Woche Langzeitschule und wird auch an allen restlichen Tagen in der Schule mit Essen versorgt – das ist wirklich erleichternd. Einmal in der Woche, wenn ich Spätdienst habe, springen die Großeltern ein. Sowieso ist ein soziales Netzwerk unheimlich wichtig, wenn man trotz Kind arbeiten geht. Gerade in meiner Position sind ungeplante Überstunden nicht selten.

Als Lea-Sophie noch kleiner war, war die Betreuung ein deutlich größeres Problem: Tagesmütter werden häufig pro Stunde bezahlt und das ist nicht immer zu schaffen. Somit habe ich für Kolleginnen, die wegen des Kindes plötzlich ausfallen, sehr viel Verständnis, wie auch alle anderen Kollegen.

Ich habe aber auch festgestellt, dass die Betreuung des Kindes mit zunehmenden Alter zwar weniger wird, das wiederum aber nicht bedeutet, dass ich entspannt arbeiten gehen kann. Häufig wartet meine Tochter auf mich. Manches Mal kann ich versprochene Ausflüge oder einfach nur das Abholen vom Schwimmen einfach nicht einhalten – als arbeitende Mutter muss ich einen ständigen Spagat zwischen den Bedürfnissen meines Kindes und den Anforderungen in meinem Job schaffen. Ich liebe meinen Job wirklich über alles, aber manchmal tut es mir in der Seele weh, wenn meine Tochter erneut auf mich warten muss oder ich bei einem Wettbewerb nicht dabei sein kann. Das ist der Kompromiss den wir als arbeitende Mütter alle eingehen müssen.

Was Tchibo noch besser machen kann, wenn es um Working Mums geht: Ganz klar steht die Filiale immer im Vordergrund. Wir arbeiten im Einzelhandel, da ist der Kunde König. Dadurch kann auf Mütter häufig weniger Rücksicht genommen werden. Dennoch halte ich es für richtig und auch wichtig, Mütter aktiv in Filialteams einzubinden und sie nicht auszugrenzen. Gerade Mütter sind gute Vermittler, besitzen eine besondere Sozialkompetenz, sind Organisationstalente und behalten einen kühlen Kopf, wenn er gebraucht wird. Ein guter Mix von allen Persönlichkeiten und Lebensgeschichten ist in einem Team wichtig und da dürfen Mütter nicht fehlen!

Mein Tipp für Working Mums: Kompromisse finden und ein gutes soziales Netzwerk ermöglichen den Spagat zwischen Kind und Arbeit.

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