Kambodscha: Gewerkschaftsrechte müssen internationalen Standards entsprechen

Am Montag wird das Parlament in Phnom Penh über ein neues Gesetz befinden, dass die Rechte und Pflichten von Gewerkschaften und Arbeitgebern in Kambodscha regelt. Im Laufe der Erarbeitung des Gesetzes haben sowohl die Internationale Arbeitsorganisation ILO, der Dachgewerkschaftsverband IndustriALL, als auch eine Gruppe von Unternehmen (wie Tchibo) die Regierung dringend gebeten, dafür Sorge zu tragen, dass die Gesetzesvorlage internationalen Standards entspricht. Insoweit hat es eine positive Entwicklung gegeben. Der Gesetzesentwurf enthält aber immer noch Abweichungen von den ILO-Konventionen (wie man auf der Website von IndustriALL nachlesen kann).

Gemeinsam mit großen Marken- und Handelsunternehmen haben wir uns daher heute an den Premierminister von Kambodscha gewandt, um zu verdeutlichen, dass es uns als Geschäftspartner des Landes wichtig ist, dass die Arbeits- und Sozialgesetzgebung internationalen Standards entspricht. Auch bereits im Rahmen früherer Interventionen haben wir verdeutlicht, dass die Attraktivität des Wirtschaftsstandortes Kambodscha mit einer positiven Entwicklung auf diesem Thema verknüpft ist.

Zum Hintergrund:

Im vergangenen Jahr haben wir auf dem Corporate Blog immer wieder Beiträge rund um die Themen Gewerkschaftsfreiheit und Existenz sichernde Löhne gepostet. Für eine flächendeckende Durchsetzung in Produktionsländern baut Tchibo mit anderen Unternehmen und dem internationalen Gewerkschaftsverband IndustrialALL eine globale Initiative auf – ACT on Living Wages. Die Initiative zielt darauf ab, faire Tarifverhandlungen in allen Produktionsmärkten durchzusetzen. Damit streben wir an, dass Löhne flächendeckend angehoben werden, und zwar auf ein von den Tarifparteien verhandeltes, existenzsicherndes Niveau. Der Vorteil: Egal ob eine Fabrik für den Binnenmarkt oder den Export produziert, egal ob ein Marken- oder Handelsunternehmen mit seinen Lieferanten Mitglied von ACT ist oder nicht, diese höhere Löhne gelten verbindlich für alle.

Ein wichtiger Schritt auf dem Weg dahin sind funktionsfähige Gewerkschaften in den Produktionsmärkten, die die Freiheit haben, Beschäftigte in den Fabriken zu organisieren, und gleichberechtigt mit Arbeitgebern Tarifverhandlungen durchzuführen. Die rechtlichen Grundlagen über das Recht der Beschäftigten auf Organisationsfreiheit und damit verbundene Rechte und Pflichten von Gewerkschaften und Arbeitgebern sind in den Konventionen der internationalen Arbeitsorganisation (ILO) geregelt. Diese Konventionen sind verbindliches Völkerrecht und gelten ausnahmslos für alle Staaten weltweit.

Leider besteht in vielen Ländern immer noch die unbegründete Sorge, dass die Interessensvertretung von Beschäftigten, insbesondere durch Gewerkschaften, schädlich für die wirtschaftliche Entwicklung eines Landes sei. So werden Gewerkschaften und Beschäftigte, die sich organisieren wollen, häufig diskriminiert und blockiert.

Tatsächlich stellen wir in unseren Programmen aber fest, dass Fabriken, in denen es funktionierende Vertretungsstrukturen gibt – optimalerweise mit Gewerkschaften – deutlich im Vergleich gewinnen: Sie sind stabiler, wirtschaftlich erfolgreicher und die Mitarbeiterzufriedenheit ist viel höher. Damit werden nicht nur Menschenrechte besser umgesetzt, sondern auch die Wettbewerbsfähigkeit steigt.

Klar ist auch, dass es nicht nur in Kambodscha diesbezüglich Veränderungen geben muss. In fast allen Produktionsmärkten von Konsumgütern weltweit bedarf es einer Transformation in Bezug auf die Durchsetzung von Gewerkschaftsfreiheit.

Mit ACT arbeiten wir an dem nötigen Paradigmenwechsel, gemeinsam mit IndustriALL und anderen Marken- und Handelsunternehmen.

 

 

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