25 Jahre Mauerfall

Tchibo in Ex-DDR

Hallo, ich bin Ulrike Grunewald und arbeite schon seit dem 1. September 1990 bei Tchibo, aber nicht seit je her in der Filiale am Ku’damm in Berlin. Angefangen habe ich mit einer Bürotätigkeit im Bereich Kaffee-Service. Das mag im ersten Moment nicht sehr spannend klingen, aber es war eine der spannendsten Zeiten in meinem Berufsleben.

Ulrike Grunewald denkt immer gerne an ihre Spätschicht während der Fußball Weltmeisterschaft 2006 zurück.

Es waren die Aufbruchjahre nach dem Fall der Mauer 1989 und wie viele andere Firmen wollte auch Tchibo einen neuen Kundenkreis in der noch damaligen DDR erobern. Ich weiß noch genau, wie ich zu Hause am Frühstückstisch mit der Zeitung in der Hand saß und die Stellenanzeige las. Drei Mitarbeiter für ein Büro wurden gesucht. Also ergriff auch ich meine Chance die Grenzen verschwimmen zu lassen, nur eben von Osten aus.

Ich wurde sofort genommen und noch vor meinem Arbeitsbeginn im August 1990 zu einem dreitägigen Telefonmarketing-Seminar nach Dormagen geschickt. Schon der Flug dorthin war ein Erlebnis (heute unvorstellbar). Und das Seminar hat mich so beeindruckt, was man durch die richtige Wahl der Worte und der Stimmlage am Telefon alles erreichen kann. Eine ganz neue und faszinierende Erfahrung. Heute legen wir gleich auf, wenn wir von so einer Stimme besäuselt werden.

Räumlichkeiten, ein Büro einzurichten waren rar und so mietete sich Tchibo einige Hotelzimmer im damaligen „Spreehotel“ an der Jannowitzbrücke in Berlin-Mitte. Hier waren gleich drei Bereiche untergebracht: Diese teilten sich die Bereiche Warenauslieferung, Filiale und der Kaffee-Service, bei welchem ich einstieg. Damals wie heute kümmerte der Kaffee-Service, oder wie wir ihn heute nennen „Coffee Service“, um das B2B-Geschäft, also den Geschäftsbereich der sich ausschließlich auf die Beziehungen zu anderen Unternehmen konzentriert. Das hieß für meinen konkreten Aufgabenbereich, dass ich einmal im Monat die gastronomischen Betriebe anrief, die eine Kaffeemaschine von Tchibo hatten. Dabei nahm ich ihre Kaffeebestellungen entgegen oder überzeugte die Unentschlossen mit schlagkräftigen Argumenten von einer Bestellung.

Soweit so gut, bis es dann darum ging die Bestellungen an die Zentrale in Hamburg weiterzuleiten. Diese mussten damals täglich per Fax bis 14 Uhr nach Hamburg geschickt werden. Das hört sich heute total problemlos an, außer dass man vielleicht eher eine E-Mail schicken würde, aber wie sich einige noch erinnern werden, gab es Anfang der 1990er weder Computer noch stabile Telefonleitungen. Zur Erleichterung unserer Arbeit benutzten wir Funkfaxe und -telefone. Das waren Kästen, die ungefähr so groß waren, wie ein DIN A4 Blatt und bestimmt 2 kg schwer. Für uns hieß das spätestens ab 13 Uhr am Fax zu stehen und den Finger immer auf Wahlwiederholung zu haben. Und wenn es in der einen Stunde dann doch nicht klappte, dann haben wir dieses Spiel früh morgens wiederholt und der bestellte Kaffee kam einen Tag später beim Kunden an. Die Lieferzeiten betrugen damals natürlich auch mindestens eine Woche.

Und auch wenn nicht immer alles reibungslos verlief, viel improvisiert wurde, es war doch eine so tolle Aufbruchstimmung. Auch heute bekomme ich noch Gänsehaut, wenn ich an diese ersten Monate des Neubeginns zurückdenke und freue mich und bin stolz, diese ersten Schritte der Firma Tchibo in den damals noch neuen Bundesländern begleitet zu haben.

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