Zurück in den Kreislauf (1)

Unser wiederverwertbares T-Shirt im Kompost-Test

Können auf einem T-Shirt Blumen wachsen? Nach einem langen T-Shirt-Leben? Wenn es getragen, geliebt, gewaschen, getragen, gewaschen, und schließlich zum Fensterputzen genutzt wurde? Könnte es dann – also Jahre später – als Kompost taugen, so es fälschlicherweise in der Umwelt landet? Dieser Frage gingen meine innovativen Kolleginnen nach, die sich mit dem geschlossenen Stoffkreislauf für Non Food Produkte intensiv beschäftigen.

Closed Loop Managerin Tina Dettmer steht das Männer T-Shirt auch ausgezeichnet

Und hier ist also unser erstes über den gesamten Lebensweg ökologisch optimiertes Männer T-Shirt! Ob es tatsächlich im Kompost zu Erde wird, testeten wir unter anderem bei unserem Kollegen Andreas im Ahrensburger Garten.

Doch beginnen wir am biologischen Anfang: Die Idee für das Projekt ist gemeinsam mit der Studentin Neele Taubhorn aus einer Masterarbeit für Tchibo entstanden, um nicht zu sagen erblüht. Wir freuen uns sehr, dass Nele dafür den Otto-Johannsen-Preis der Hochschule Reutlingen erhalten hat. Ihre Fach-Betreuer Helene Kaiser (Design) und Stephan Leukel (Einkauf) haben das Projekt dann gemeinsam mit Ricarda Czyborra-Rätsch (Produktmanagement) und Britta Opitz (Qualitätsmanagement) fort- und umgesetzt.

Was macht das T-Shirt 100% biologisch?

Oberstes Ziel ist natürlich, dass ein T-Shirt und seine Fasern möglichst häufig wiederverwertet werden. Dafür muss das Ausgangsshirt entsprechend gestaltet sein. Und das ist dieses T-Shirt! Unser wiederverwertbares Männer-T-Shirt wird ab dem 10. Oktober im Webshop und den Tchibo Filialen verkauft und ist zu 100% nach dem strengen Global Organic Textile Standard – kurz GOTS – zertifiziert. Dieser Standard für den Anbau und die Verarbeitung von Bio-Fasern fordert zusätzlich die Einhaltung von strengen Umwelt- und Sozialkriterien entlang der gesamten Lieferkette. Damit das Shirt optimal für die Wiederverwendung im Recycling geeignet ist und im „Falle des Falles“ auch in der Umwelt abgebaut werden kann, wurde statt Nylon ein Tencel-Nähfaden auf Basis von Holz genutzt. Die verwendete blaue Farbe ist ebenfalls biologisch abbaubar.

Gesucht: Lösungen für abfallfreies Wirtschaften

Das T-Shirt-Projekt ist nur eines von vielen Ansätzen in unserem Bemühen um mehr Nachhaltigkeit in der Textilproduktion. Am Anfang steht der Baumwoll-Anbau: So haben wir bereits 2015 über 51 Millionen Produkte aus Bio-Baumwolle angeboten – und sind damit drittgrößter Anbieter von Produkten aus Bio-Baumwolle.

Aus Ressourcenschutz-Gründen sollten die Bio-Baumwoll-Textilien nun aber noch lange getragen werden. Denn egal ob kaputt oder nicht mehr im Trend, Gründe warum jährlich Unmengen von Produkten – das betrifft nicht nur Textilien – entsorgt werden, gibt es genug. Mit der Folge, dass jährlich Milliarden Tonnen hochwertiger Stoffe auf Mülldeponien oder in Verbrennungsanlagen landen. In Zeiten sinkender Rohstoffressourcen sind deshalb Lösungen für möglichst abfallfreies Wirtschaften gefragt. Recycelbare Textilien gehören genauso dazu wie Rohstoffe, die immer wieder für denselben Zweck verwendet werden können. Deshalb testen unsere Fachkolleginnen um Tina Dettmer, Closed Loop Managerin, ob sich für Textilien mit synthetischen Fasern – wie etwa Fleecejacken – recycelte Materialien einsetzen lassen. Auch an Ideen wie Langlebigkeits- und Upcyclingservices wird gearbeitet.

Bevor es aber soweit ist, dass Kleidung komplett recycelt werden kann, sind wir Konsumenten gefordert: Auch Sie und ich können dazu beitragen, dass die Lebenszeit von Textilien verlängert wird. Indem Löcher gestopft (wer kann das noch?!), ungeliebte Stücke sinnvoll gespendet werden – und alten, nicht mehr tragbaren Stücken neues Leben, z.B. als Putzlappen, geschenkt wird. Auch durch den Kauf nachhaltig produzierter Produkte werden Ressourcen gespart: Bis zu 435 Liter Wasser können z.B. bei der Produktion eines T-Shirts aus Bio-Baumwolle im Vergleich zu einem herkömmlichen T-Shirt eingespart werden.

Unser neues Weltkugel-Logo GUT GEMACHT

Damit unsere Kunden auf einen Blick nachhaltige Tchibo Produkte erkennen, sind diese ab sofort gut sichtbar mit dem GUT GEMACHT- Logo, einer Weltkugel, versehen. Die Weltkugel umfasst alle Gegenden, in denen Tchibo „Gutes“ tut. Unter anderem rund um den Äquator in Kaffeefarmer-, Kinder- und Jugend-Projekten, sowie in der textilen Lieferkette in Asien und Afrika. Mit Hilfe des GUT GEMACHT–Logos kann der Kunde schnell erkennen, inwiefern die Produkte im Ganzen oder in Teilen nachhaltig sind. Weitere Infos, Geschichten, Interviews und Projektvorstellungen finden Sie auf www.tchibo.de/gut-gemacht.

Diesen Artikel weiterempfehlen

5 Kommentare zu „Unser wiederverwertbares T-Shirt im Kompost-Test

  1. Meike

    Hallo,

    handelt es sich hierbei um eine Heim- oder eine industrielle Kompostierung? Die Regel zeig, dass für ähnliche Ansaätze, u.a. das Beispiel Trigema, lediglich eine industrielle Kompostierung funktioniert, da nur hier die erforderlichen Temperaturen erreicht werden.

    Aus dem Artikel geht hervor, dass nach Textilien mit synthetischen Fasern – u.a. für Fleecejacken – gesucht wird. Können sie mir sagen, ob hierbei PET-Flaschen ausgeschlossen werden können?

    Vielen Dank im Voraus!

    Meike

  2. Sandra Coy
    Sandra Coy

    Hallo Meike,
    bei der Entwicklung des T-Shirts haben wir den gesamten Produktlebensweg bedacht. Deshalb wurde es auch so gestaltet, dass es sich nach einer langen Nutzung ideal recyceln lässt. Für den Fall, dass es doch in die Umwelt gelangen sollte, richtet es keinen Schaden an, da es bioabbaubar ist. Die Kompostierbarkeit des T-Shirts wurde uns von einem unabhängigen Prüf-Institut nach einem Eingrabungstest (Raumtemperatur) in Kompost bestätigt. Was die PET-Flaschen betrifft: Wie bei all unseren Textilien stellen wir auch beim Einsatz recycelter Fasern hohe soziale und ökologische Anforderungen. Sofern diese Kriterien erfüllt werden, schließen wir kein Ausgangsmaterial kategorisch aus.

  3. Meike

    Hallo Sandra, danke für die Beantwortung meiner Fragen.

    ist das Shirt nun biologisch abbaubar oder kompostierbar? Hier gibt es ja große Unterschiede. So gesehen ist auch eine Kunststofftüte biologisch abbaubar, leider erst nah Hunderten von Jahren.
    Es handelt sich also ausdrücklich um eine Heimkompostierung, richtig?

    Das Problem mit PET-Flaschen ist ja u.a. die Migration von Antimon, einem Schwermetall, welches nachweislich über die Haut vom menschlichen Körper aufgenommen wird. Der vorgegebene Grenzwert wird hierbei nicht überschritten, weshalb erlaubt – mit Qualität hätte dies aber nichts zu tun. Von daher meine Frage, ob auch human-toxikologische Anforderungen berücksichtigt werden – und wenn ja, welche? Darüber hinaus enden mit jedem Waschgang zwischen 5000 und 7000 Teile Mikrokunststoff im Meer. Werden diese Punkte bei dem Einsatz von Polymeren bei Tchibo mit bedacht bzw. laufen in die Entscheidungsprozesse mit ein?

  4. Sandra Coy
    Sandra Coy

    Liebe Meike,
    wir haben das T-Shirt bei einem externen Prüfinstitut auf seine Kompostierbarkeit testen lassen. Die Bedingungen des Eingrabeversuchs waren an eine Heimkompostierung angelehnt, der verwendete Kompost stammt aus einem kommunalen Kompostwerk. Nach dreimonatiger Inkubationszeit bei Raumtemperatur in der Kompostmatrix waren ein Desintegrationsgrad von 96% und ein prozentualer Abbau von 75% erreicht. Wichtig ist uns hierbei eine Einordnung dieses T-Shirt-Tests in den Gesamtkontext: Eine Kompostierung ist natürlich nicht die beste Lösung für die Verwertung eines getragenen T-Shirts. Viel besser sind Weitertragen nach Reparatur/Flicken, Upcycling oder eine andere stoffliche Verwertung. Nur falls Textilien fälschlicherweise in der Natur oder aber (in anderen Ländern) ggf. auf der Deponie entsorgt werden, sollte es sich schnell und ohne schädliche Rückstande zersetzen. Dies haben wir bei dem T-Shirt explizit getestet und hilft uns bei der Weiterentwicklung unserer generellen Produktanforderungen.

    Was den zweiten Punkt betrifft: Für alle unsere Produkte sind humantoxische Anforderungen definiert. Das gilt auch für extrahierbares Antimon, das entsprechend bei der Produktprüfung berücksichtigt wird. Bei diesem T-Shirt haben wir darüber hinaus die sehr strengen Vorschriften des GOTS-Standards angewendet. Denn Schadstofffreiheit ist eine wichtige Voraussetzung für geschlossene Stoffkreisläufe und Kompostierung. Auch die Thematik des Kunstfaserabriebs ist uns bewusst, deshalb prüfen wir momentan verschiedene Möglichkeiten zu dessen Reduzierung.

  5. Bernhard

    sehr gute Idee – allerdings würde ich alte T-Shirts eher in die Altkleidersammlung als auf den Kompost geben – auch wenn dies möglich wäre – aber man hat zumindest die Gewissheit, dass die T-Shirts am Ende vollständig verwertbar sind

Hier kommentieren

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>