Vorzeigeprojekt Brasilien: Tchibo, Fairtrade und die Kooperative COOPFAM

Was: Tchibo Fairtrade Projekt: Kooperative COOPFAM und Ipanema Coffees

Wann: Projekt August 2015 bis Juli 2018

Wo: Poço Fundo, Minas Gerais, Brasilien

Wer: 320 Kleinfarmer

Poço Fundo und Umgebung liegt in Sul de Minas, im südlichen Teil des Bundesstaates Minas Gerais. Die hügelige Landschaft, die fruchtbaren Böden, ein mildes Klima tragen zu einer hohen Qualität des Kaffees bei, der zu den besten Brasiliens zählt.

 

Heute berichte ich von einem ganz besonderen Tchibo Joint Forces!® Projekt, das wir gemeinsam mit der Organisation Fairtrade und unserer brasilianischen Farm Ipanema Coffees betreiben. Es geht um COOPFAM, eine Fairtrade-Kooperative von Kleinbauern in Poço Fundo (und Umgebung), im Süden des Bundesstaates Minas Gerais im südöstlichen Brasilien gelegen. Die rund 320 Kleinfarmer betreiben dort eine biologische und solidarische Landwirtschaft. Unser Projekt startete im August 2015 und wird im Juli 2018 abgeschlossen sein. Was passiert dort also?

Markus Meusburger, Tchibo-Mitarbeiter in Brasilien, organisiert die Schulungen für die Kaffeebauern vor Ort.

Status Quo der Community vor dem Projekt

In den vergangenen Jahren hatten die Farmer in Brasilien sehr mit den Folgen des Klimawandels zu kämpfen. Während der Regenzeit war es sehr trocken und während der Erntezeit kam es zu starken Regenfällen. Natürlich wirkten sich diese Wetterkapriolen negativ auf Produktivität und Qualität des Kaffeeanbaus aus. Viele Kleinbauern konnten sich den geänderten Bedingungen nicht anpassen, denn ihnen fehlte der Zugang zu Wissen und Mitteln, um effektivere und nachhaltige Anbaumethoden anzuwenden.

Auch fand Markus Meusburger (unser Tchibo Projekt Koordinator in Brasilien) bei Feldforschungen heraus, dass „den Kaffee-Farmern die Praxis für einfache Arbeitssicherheitsmaßnahmen fehlte, was wiederum zu schweren gesundheitlichen Folgen für Farmer und ihren Familien führen kann.“

Markus Meusburger: 'Durch die Präsenz von Tchibo vor Ort und die dadurch bedingte enge Zusammenarbeit mit COOPFAM und den Bauern konnte vieles bewegt werden.'

 

Zusätzlich hatten die Community-Mitglieder mit steigenden Produktionskosten zu kämpfen und  – auch hier – keinen Zugang zu Buchhaltungs-Wissen. „Die Farmer hatten keine Kontrolle über ihre Finanzen, konnten also den gestiegenen Kosten nichts entgegensetzen“, schildert Meusburger die Situation vieler brasilianischer Kaffeebauern. Auch litten die Bauern unter erheblichen Umweltproblemen. Es gab keine Möglichkeit, Müll und Abwasser auf nachhaltige Weise zu entsorgen. Alles landete im nahegelegenen Fluss. Da dieser an den Feldern weiterer Bauern entlangfließt, entstanden für sie gesundheitliche Probleme.

Im Rahmen der Schulungen wird Wissen rund um Boden- und Blattanalysen zur Schädlingsbekämpfung anschaulich vermittelt.

Unsere fünf Projekt-Ziele

Was wollen wir bis Ende des Jahres in Zusammenarbeit mit den Farmern erreicht haben?

1. Nachhaltige Verbesserung der Kaffee-Ernte-, Aufbereitung- und Lagermethoden (bedingt durch     gute landwirtschaftliche Praxis und Anpassung an den Klimawandel)

2. Vermittlung von Grundkenntnissen in Buchhaltung und Management

3. Konstant gute Kaffeequalität, damit die Farmer langfristig marktgerechte Preise für ihre Kaffees erzielen

4. Verbesserung des Wissens über die Fairtrade-Zertifizierungsstandards und deren Umsetzung

5. Stärkung des Engagements in der lokalen Community

Wie gehen wir diese Ziele nun an?

Die über 50 Schulungen bestehen aus theoretischen Präsentationen sowie praktischen Feldexkursionen.

1. Landwirtschaftliche Praxis

Wir wollen die Arbeitsplatzsicherheit und die Sicherheitsstandards für die Kaffeebauern und ihre Familien erhöhen – gemeinsam mit den Farmern. „Das passiert durch verschiedene Trainings- und Infoveranstaltungen über den richtigen Umgang mit Erntemaschinen und Schutzausrüstung“, sagt Meusburger, der die Schulungen vor Ort organisiert.

Darüber hinaus lernen die Farmer in weiteren Schulungen, wie sie Boden- und Blattanalysen durchführen können und dementsprechend Schädlingsbekämpfung einsetzen – und richtig düngen. Zusätzlich finden gezielt Schulungen statt, welche den richtigen Einsatz von Düngemitteln erklären und Praktiken zur Schädlingsbekämpfung erläutern.

Und: Die Farmer lernen viel über neue Klimamodelle und wie sie sich bestmöglich auf die geänderten klimatischen Bedingungen einstellen können. Bei den Trainings werden den Bauern Klima-Messgeräte geschenkt, damit sie Regen- und Temperaturdaten täglich verfolgen und daraus Rückschlüsse auf Kaffeeanbau-Methoden ziehen können.

Für die Kaffeefarmer wird derzeit eine Abwassergrube gebaut, wo sie Abwasser entsorgen können, ohne sich und die Umwelt zu gefährden.

2. Kostenkontrolle

Alle Kaffeebauern der Kooperative lernen in Schulungen die Grundlagen der Rechnungsführung – um langfristige Kosten- und Sparstrategien zu entwickeln.

Außerdem werden 10 Kaffeebauern 12 Monate von einem Buchhaltungsexperten begleitet. Gemeinsam erheben sie Kosten- und Ertragssituation und dokumentieren die monatlichen Einnahmen und Ausgaben schriftlich. Anschließend geben diese 10 Kaffeebauern ihr Wissen an andere Kooperativen-Mitglieder weiter und schulen weitere Kaffeebauern in der Formalisierung der Kosten- und Ertragsstruktur.

3. Konstante Kaffeequalität

Wichtig für hochwertigen Kaffee ist nicht nur eine gute Ernte, sondern auch die Behandlung der Kaffeebohne nach dem Pflücken. Deshalb haben wir 20 Kaffeebauern innerhalb der Gruppe ausgesucht. Diese erhalten spezielle Trainingseinheiten, die auch Best-Practice-Beispiele des Trocknens, des Verpackens und der Lagerung enthalten. Dieses Wissen wird später an die anderen Community-Mitglieder weitergegeben.

4. Fairtrade-Zertifizierung

Wir schulen Normen und Rechte von Fairtrade. Wichtig ist, dass diese in eine verständliche Sprache übersetzt werden und das Infomaterial für alle zugänglich ist.

5. Gemeinsames Engagement in der Community

Alle COOPFAM Community-Mitglieder sollen sich wohlfühlen. Derzeit haben die meisten Bauern in der COOPFAM allerdings keine nachhaltige Abwassergrube auf ihrem Grundstück. Deshalb wird für 194 Kaffeefarmer nun eine Abwassergrube gebaut. Weitere Projekte sollen folgen.

Die gemeinsamen Maßnahmen von Tchibo und Fairtrade sowie COOPFAM tragen bereits Früchte: „Es geht nicht von heute auf morgen, aber dank der Sensibiliserung der Bauern für nachhaltigen Kaffeeanbau und der regelmäßigen Schulungen konnte bisher schon viel bewegt werden. Die Bauern sind motiviert, ihre Produktionsabläufe zukünftig weiter zu optimieren“, sagt COOPFAM Manager Daniel Penha da Silva.

Auch unser Kollege vor Ort, Markus Meusburger, zieht eine positive Bilanz: „Das Projekt zeigt uns, dass vor allem durch die Präsenz von Tchibo und die dadurch bedingte enge Zusammenarbeit vieles bewegt werden kann. Wir sind gerade mitten in der Erntezeit. Besonders erfreulich ist, dass auch die Qualität der geernteten Kaffees unseren Erwartungen entspricht.”

 

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