Herstellerländer & Lieferketten

Wo kommen die Tchibo Produkte eigentlich her?

Wo produziert Tchibo all die Jogginghosen, Salatschüsseln und Bettlaken? Eine zurecht oft gestellte Frage. Frage zwei ist vielleicht noch wichtiger: Unter welchen Umständen wird in den “Tchibo Fabriken” produziert? Wir antworten gerne: Ein Großteil unserer Artikel kommt aus Asien, mehr als 60 % aus China. Kleidungsstücke lassen wir aber auch von Lieferanten in Bangladesch fertigen (4% vom Gesamtsortiment). In Vietnam wiederum produzieren wir vor allem Holzmöbel (2,6% ).

Tchibo Lieferant in Fernost

Und viele unserer Produkte kommen aus Europa! Tatsächlich werden Möbel, Medien, Reinigungsmittel sowie Gesundheits- und Beautyprodukte oftmals in Deutschland gefertigt (das entspricht einem Anteil von fast 8%). Auch die Türkei (6%) ist wichtig für uns: Dort stellen wir zum Beispiel Heimtextilien und Sportbekleidung her.

Dennoch: Ein Großteil unserer Non Food Produkte stammt aus Asien. Warum? Fragen wir Uwe Hilker, Leiter Einkauf, und Nanda Bergstein, Leiterin Lieferantenbeziehungen & Nachhaltigkeit, Non Food.

Warum produziert Tchibo vor allem außerhalb von Deutschland bzw. Europa?

Uwe Hilker: Kurz gesagt, viele Konsumgüter werden in großen Stückzahlen hierzulande nicht mehr produziert. Arbeitsintensive Industrien haben sich im Zuge der Globalisierung in Schwellen- und Entwicklungsländer aufgebaut. Trotz der längeren Transportwege ist die Fertigung dort deutlich preisgünstiger. Die Hersteller haben sich gutes Fachwissen angeeignet, so dass die Produkte unsere Qualitätsanforderungen erfüllen.

Nanda Bergstein: Gleichzeitig eröffnet die Schaffung von Arbeitsplätzen vor Ort Chancen für die Menschen. Gerade für die junge Bevölkerung bietet dies neue Perspektiven. Häufig können sie nicht allein von der Landwirtschaft oder lokalem Handwerk leben. Gleichzeitig darf die Produktion nicht zu Lasten von Mensch oder Umwelt gehen. Um dies sicherzustellen, wählen wir unsere Fabriken gezielt aus und arbeiten kontinuierlich mit ihnen an Verbesserungen.

Arbeiterin in Fabrik

Wie sieht denn die typische Tchibo Fabrik aus?

Uwe Hilker: Die typische Fabrik gibt es in dem Sinne nicht. Aufgrund unserer Produktvielfalt sind auch die Produktionsstätten sehr unterschiedlich: In manchen Firmen sind einige hundert, in anderen einige tausend Menschen beschäftigt. Es wird am Fließband gearbeitet; einige Fabriken arbeiten maschinell wie im Falle der Sockenherstellung in der Türkei; in anderen Produkten steckt noch viel Handarbeit drin, zum Beispiel in Flechtkörben aus Vietnam oder auch einem Männer-Oberhemd aus Bangladesch. Wir arbeiten sowohl mit lokalen Familienunternehmen, als auch mit global agierenden Lieferanten zusammen. Wichtig ist uns Transparenz: Wir wollen immer wissen, woher die Produkte stammen. Das ist die Voraussetzung für die Sicherstellung unserer Qualitäts- und Nachhaltigkeitsstandards.

Wie vergibt Tchibo denn einen Auftrag?

Uwe Hilker: Für die Auftragsvergabe sind verschiedene Kriterien entscheidend: Kann der Produzent den Artikel nach unseren Qualitätsanforderungen zu einem guten Preis herstellen; erhalten wir die Ware rechtzeitig und wird das Produkt unter vernünftigen Bedingungen gefertigt? Voraussetzung ist deshalb, dass die Produktionsstätte ein Audit besteht, bei dem wir technische Ausstattung, sowie grundlegende Qualität, Sozial- und Umweltstandards abprüfen. Wenn unsere Anforderungen nicht erfüllt werden, arbeiten wir mit der Fabrik nicht zusammen.

Nanda Bergstein: Bei den Mindestanforderungen im Bereich Sozialstandards geht es beispielsweise darum, dass keine Kinder in der Fabrik arbeiten, dass ausreichend auf Arbeitsschutz und Sicherheit geachtet wird und dass die gesetzlichen Vorgaben zu Löhnen und Arbeitszeiten eingehalten werden. Im Umweltbereich prüfen wir unter anderem, ob Kläranlagen vorhanden sind, um Wasserressourcen zu schützen.

Uwe Hilker: Gerade den Brandschutz nehmen wir ernst. Regelmäßig kommt es vor, dass wir Aufträge nicht platzieren, weil es beispielsweise nicht ausreichend Notausgänge oder Feueralarme gibt. Insgesamt ist es wichtig, dass es sich hierbei um Eingangsvoraussetzungen handelt. Wenn ein Produzent ins Portfolio aufgenommen wurde, dann arbeiten wir gemeinsam an der gesamten Bandbreite an Sozialstandards.

Wie engagiert sich Tchibo für die Verbesserung der Arbeitsbedingungen?

Nanda Bergstein: Die Erfahrung hat deutlich gezeigt, dass Audits eine Momentaufnahme darstellen, aber wenig dauerhafte Veränderungen in den Fabriken bewirken. Um selbsttragende Veränderungsprozesse zu initiieren, haben wir daher ein umfassendes Trainingsprogramm aufgesetzt: WE – Worldwide Enhancement of Social Quality. In einem zweijährigen Prozess erarbeiten Manager und Beschäftigte gemeinsam Lösungen zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen. Tchibo Mitarbeiter und lokale WE Trainer begleiten die Fabriken bei dieser Entwicklung. Mittlerweile haben wir 320 Fabriken in 9 Ländern in das WE Programm integriert und decken damit 75% unserer Produkte ab.

Uwe Hilker: Auch mit unserer Einkaufsstrategie unterstützen wir die Verankerung von Menschenrechten und Umweltstandards in der Produktion. Seit 2010 setzen wir verstärkt auf dauerhafte Lieferantenbeziehungen, um unseren Einfluss besser geltend zu machen. Dabei haben wir die Anzahl der Hersteller, mit denen wir zusammenarbeiten, sozialverträglich reduziert. Um die Transparenz zu erhöhen, arbeiten wir außerdem vermehrt direkt mit Produzenten zusammen anstelle von Zwischenhändlern. Mit einem Pool an Kernlieferanten haben wir außerdem Rahmenverträge abgeschlossen, in denen verbindliche Verbesserungsziele vereinbart sind; gleichzeitig erhalten die Geschäftspartner Abnahmegarantien, was ihnen mehr Planungssicherheit verschafft und ein langfristiges Commitment für faire Arbeitsbedingungen unterstützt.

In welchen Bereichen zeigt sich Wirkung?

Nanda Bergstein: Auf Fabrikebene erreichen wir viel: Die Kooperation und Mitarbeiterbeteiligung verbessert sich; daraus resultieren unter anderem höherer Arbeitsschutz, verbesserte Sozialleistungen wie Unterkünfte, Kantinenessen und Möglichkeiten zur Freizeitgestaltung sowie steigende Löhne. Gleichzeitig mussten wir aber feststellen, dass das WE Programm nicht ausreicht, wenn es um Themen geht, die nicht direkt im Einfluss der Fabrik stehen. Das Thema Existenzsichernde Löhne und Gewerkschaftsfreiheit hängt stark von politischen und sozialen Rahmenbedingungen ab. Hierfür arbeiten wir im Verbund mit anderen Handelsunternehmen, den internationalen Gewerkschaftsverbänden, unseren Lieferanten und der Politik an systemischen Lösungen.

 

 

 

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