Michael Klotzbier: Vom 160 Kilo-Mann zum (bald) Marathonläufer

Zuweilen wird uns der Vorwurf gemacht, unsere Laufkleidung nur in gängigen Größen anzubieten. Hier die einfache Antwort: Das hat logistische Gründe. Ist aber bedauerlich, sieht man sich die Vita von Michael Klotzbier an. Im Januar 2015 wog er rund 160 Kilo – und träumte vom Marathon. Er entschloss sich, sein Vorhaben “Micha halbiert sich” zu einem öffentlichen Projekt zu machen. Achim Achilles, Deutschlands wohl bekanntester Freizeitläufer, Spiegel Online und Spiegel TV begleiteten ihn bei seiner Mission. Ein Jahr später hat Michael die 100 Kilogramm zwar immer noch nicht geknackt, aber immerhin rund 50 Kilo abgespeckt. Er ist dünner, fitter, zufriedener – und träumt immer noch vom Marathon.

Der Vorher-Nachher-Vergleich aus dem Jahr 2015 zeigt die Veränderungen bei Michael Klotzbier deutlich. Quelle: Achim Achilles

Michael, dass jemand mit deiner Statur Marathonläufer werden will ist ungewöhnlich, wie kam es dazu? 

Ich war während der WM 2014 mit Freunden Fußball schauen. Wir haben dänische Fans kennengelernt und aus irgendeinem Grund mit ihnen gewettet, dass ich  – als 160-Kilo-Koloss – den Berlin-Marathon laufen werde.

Wie genau gingst du dein Marathon-Ziel an?

Erst mal musste ich von meinen 160 Kilo runter. Ich habe meine Ernährung umgestellt und Bewegung in meinen Alltag eingebaut wie z.B. Nordic Walking, Fahrrad fahren und Aqua Jogging. In einem Jahr habe ich knapp 50 Kilo verloren. Nun geht es darum, weitere 20 Kilo loszuwerden und langsam mit dem wirklichen Lauftraining zu beginnen.

Damit die Kilos purzeln konnten, stellte Michael Klotzbier seine Ernährung um und baute Sport in den Alltag mit ein. Quelle: Schumacher Picture art Um sich auf den Marathon vorzubereiten, hat Michael nun auch mit leichtem Lauftraining begonnen.  Quelle: Schumacher Picture art


Was treibt dich an und motiviert dich?

Ich möchte einmal die 42,195 km am Stück laufen – und gesund überstehen. Familie, Freunde und Kollegen motivieren mich auf unterschiedlichste Art und Weise, indem sie Sport mit mir treiben und mich mental immer wieder auf den richtigen Weg zurückbringen. Durch meinen Gewichtsverlust bin ich jetzt auch zum Vorbild für andere geworden, die durch mich auch was in ihrem Leben verändert haben und nun abnehmen. Das motiviert zusätzlich.

Wie motivierst du dich nach Rückschlägen?

Wenn ich mir alte Fotos und Videos anschaue, als ich noch so schwer war, erkenne ich, was ich alles schon erreicht habe. Daraus schöpfe ich neue Motivation dranzubleiben und nicht wieder in alte Gewohnheiten zurückzufallen. Man muss sich klarmachen: Rückschläge sind menschlich. Wichtig ist, dass man dazu steht. Ich dokumentiere das auch möglichst offen und ehrlich auf meinem Blog. Das hilft, denn die Community baut einen mit ermunternden Kommentaren und guten Tipps wieder auf.

Wie belohnst du dich?

Indem ich mir auch mal was gönne. An meinem Belohnungssystem muss ich, ehrlich gesagt, noch arbeiten, da das Belohnen in Form von „Essen“ nicht gut ist.

Nach Rückschlägen lässt Michael nicht lange den Kopf hängen. Er kann zurecht stolz auf das bisher Erreichte sein. Quelle: Schumacher Picture art


Wie unterstützt dich das Team von Achim Achilles auf deinem Weg?

Es steht mir mit Tipps und Tricks zur Seite, motiviert und bremst mich, wenn ich den zweiten Schritt vor dem ersten machen will. Wir gehen gemeinsam walken/ laufen oder auf eine Radtour.

Bist du zufrieden mit deinem Ergebnis bis jetzt?

Na ja. Alles in allem schon. Obwohl ich Ende letzten Jahres schon unter 100 Kilo kommen wollte – und es nicht geschafft habe. Zehn, fünfzehn Kilo haben gefehlt. Aber generell bin ich stolz und froh darüber, dass ich 50 Kilo abgenommen habe.

Wirst du am Marathon in diesem Jahr teilnehmen?

Mein Ziel war der Marathon im September 2016 in Berlin. Leider wird die Zeit etwas knapp, so dass es sein könnte, dass ich auf den Rat von meinem Trainer und den betreuenden Ärzten höre, und meine Teilnahme auf 2017 verschiebe.

Mann mit Ambitionen: Michael Klotzbier hat den Berlin Marathon 2016 vor Augen und trainiert dafür mehrmals die Woche. Quelle: Schumacher Picture art


Wie reagiert dein Umfeld auf dein Vorhaben, den Marathon zu laufen?

Anfänglich waren viele mehr als skeptisch, dass ich überhaupt Gewicht verlieren könnte, geschweige denn wirklich jogge. Aber nach dem Erfolg im vergangenen Jahr freuen sich Freunde und Familie mit mir und glauben daran, dass mein Traum irgendwann Realität wird.

Guter Rat ist teuer. Nimmst du die Bedenken aus deinem Umfeld in Bezug auf den Marathon ernst oder hörst du nur auf dein eigenes Körper- und Bauchgefühl?

Es ist nicht so leicht, auf sein eigenes Körper- und Bauchgefühl zu hören, wenn man 160 Kilo wiegt. Das musste ich mir langsam zurück erobern. Deswegen war es anfangs notwendig, dass ich Hilfe von außen bekomme. Dass Ärzte und Trainer mich beraten. Aber natürlich bist nur du selbst Herr über deinen eigenen Körper und musst immer abgleichen, was andere dir raten. Manchmal ist es auch wichtig, dass man sein Ding durchzieht, wenn man es für richtig hält – egal was andere sagen. Aber so oder so: Gesundheit und der Spaß am Sport stehen im Vordergrund.

Kleine Schritte und den Einbau von Bewegung in den Alltag sind Michaels Tipps im Kampf gegen den inneren Schweinehund. Quelle: Schumacher Picture art


Welche Tipps hast du für Sportmuffel den inneren Schweinehund zu überwinden?

Kleine Schritte machen und nicht gleich die riesige Veränderung anstreben wollen. Einfach anfangen und Bewegung in den Alltag integrieren. Auto gegen Fahrrad tauschen. Treppen statt Aufzug nehmen. Durch die ersten Erfolge Motivation schöpfen und weiter dranbleiben.

Was sagst du zu der öffentlichen Unterstützung, die dich im Netz bei deinem Projekt begleitet?

Ich bin begeistert davon, dass es so viele Menschen interessiert, inspiriert und gleichzeitig motiviert, was ich tue. Gerade wenn man ehrlich ist und auch über Rückschläge berichtet, gibt es sehr viel Zuspruch. Dass sich jemand meine 15 Ratschläge zum Abnehmen aus meinem E-Book ausdruckt und an den Kühlschrank hängt, finde ich schon krass.

Bratwurst vs. Bauchmuskeln: Gibt es Lebensmittel, auf die du trotz gesünderer Ernährung einfach nicht verzichten kannst?

Ja, leider zu viele. Aber ich versuche gerade mich nicht so darauf zu versteifen, was ich nicht essen sollte oder worauf ich verzichten muss. Ich probiere lieber neue Dinge aus. Gerade mache ich eine vegane Fastenzeit.

Als junger Mann warst du vor deinen zwei Kreuzbandrissen ja ein begabter Fußballer. Tauscht du jetzt ab und an noch die Laufschuhe gegen den guten alten Stollenschuh?

Nur noch, wenn ich mit meinem Sohn oder Freunden einen bisschen im Park kicke. Alles andere ist mir mittlerweile zu gefährlich. Ich würde mich zu 100 Prozent verletzen… Ich gehe lieber ins Stadion oder zum Sportplatz und schaue anderen beim Fußballspielen zu.

Die Unterschreitung der 100-Kilo-Marke hast du dir als Ziel gesetzt. Was passiert danach mit Michael Klotzbier?

Wenn ich die 100-Kilo-Marke unterschritten habe, werde ich ins Lauftraining einsteigen und irgendwann einen Marathon finishen. Dann werde ich trotz Höhenangst einen Fallschirmsprung machen und hoffentlich nie wieder in den dreistelligen Kilobereich kommen.

Welche sportliche Persönlichkeit beeindruckt dich und warum?

Ich war ja Fußballtorwart. Daher war Oliver Kahn aufgrund seines unbändigen Siegeswillen und seines Ehrgeizes, ständig besser werden zu wollen, ein großes Vorbild für mich!

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>> Achim-Achilles.de

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2 Kommentare zu „Michael Klotzbier: Vom 160 Kilo-Mann zum (bald) Marathonläufer

  1. Robert Dadanski

    Beneidenswert. Wobei eigentlich möchte ich Michael beglückwünschen. Ich weiß genau wie schwer es ist abzunehmen. Ich selbst habe für mich das Kalorienzählen entdeckt.

    Also weiter so Micheal

  2. Julian

    Die Verwandlung von Michael Klotzbier habe ich auf Facebook beobachtet. Außergewöhnlich und inspirierend.

    Schön, auch hier von ihm zu lesen!

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