Kaschmir: Qualitätscheck und Pflegetipps

Was fällt Ihnen zu Kaschmir ein? Es ist weich, leicht, warm, edel, teuer – und nicht immer echt. Experten gehen mittlerweile davon aus, dass jedes dritte oder vierte Produkt das Label „100 % Kaschmir” zu Unrecht trägt. Mit Vertrauen ist es also nicht getan. All unsere Produkte durchlaufen intensive Qualitäts-Checks – wir haben schon oft hier im Blog darüber berichtet. Bei Kaschmir schauen wir ganz genau hin und das gleich dreimal.

Meine Kollegin Manuela Pilgram ist als „Head of Quality“ die oberste Instanz, wenn es um die Qualität der Damenmode und -wäsche, des Schmucks und der Accessoires bei Tchibo geht. Grund genug also, ihr mal zum Thema Kaschmir ein Loch in den Pulli zu fragen. 

Manuela Pilgram beim Qualitätscheck

Manuela, warum ist Kaschmir eigentlich so teuer und begehrt?

Manuela Pilgram: Begehrt ist es, weil es kaum ein vergleichbares Material mit so tollen Eigenschaften gibt: Kaschmir ist unglaublich weich und warm, dabei aber sehr leicht und extrem atmungsaktiv. Das Tragegefühl ist einzigartig! Vielen ist dabei aber gar nicht klar, wie aufwendig der Weg vom Tier zum Produkt bei Kaschmir ist – und wie wenig Wolle eine Ziege liefert.

Dann klär uns auf: Wie kommt die kostbarste Wollart der Welt zu uns?

Aus dem Hochland Zentralasiens, von der Kaschmirziege, die dort frei lebt oder von Hirten und Nomaden gehalten wird. Kaschmir gewinnt man zum Fellwechsel zwischen März und Mai aus dem Winter-Bauchflaum der Tiere – und das durch Auskämmen, nicht durch Scheren. Der Wollflaum wird dann gewaschen, von Unreinheiten befreit und vom gröberen Deckhaar getrennt. Von einer Ziege erhält man etwa 200 bis 300 Gramm Unterhaar, nach dem Sortieren bleibt davon etwa die Hälfte für Kaschmirgarn über.

Und wie wird mit Kaschmir getäuscht? Und noch wichtiger: Wie erkennt man das?

Wir als Verbraucher können das mit bloßem Auge und durch Anfassen leider nicht zweifelsfrei erkennen. Dafür muss man Kaschmirprofi sein. Das ist in Deutschland zum Beispiel Dr. Phan vom Deutschen Wollforschungsinstitut in Aachen – mit ihm arbeiten wir deshalb auch für unsere Qualitätskontrollen zusammen. Er kann die Echtheit unter dem Elektronenrastermikroskop erkennen, denn Kaschmir hat eine sehr einzigartige Haarstruktur. Dieser Struktur optisch sehr ähnlich ist aber auch die Wolle vom Yak, das ist eine Rinderart, die ebenfalls im Hochgebirge lebt. Doch mittlerweile gibt es auch künstlich hergestellte Kaschmirfasern! Wir treffen deshalb intensive Schutzvorkehrungen, damit auch wir nicht getäuscht werden. Auch wir wollen nicht den Preis für Kaschmir bezahlen und dann etwas anderes bekommen.

Wie stellen wir sicher, dass wir bekommen und verkaufen, was auf dem Label steht?

Erstmal ist es schon sehr gut, dass wir in Deutschland überhaupt eine Textilkennzeichnungspflicht haben. Das heißt, wir dürfen keine Bekleidungstextilien verkaufen ohne Materialbenennung bzw. die Zusammensetzung des Materials. Tchibo überprüft die Materialzusammensetzung für jedes Produkt, dass in den Verkauf gelangt. Bei Kaschmir haben wir Schutzvorkehrungen in drei Stufen eingebaut: Erstens verpflichten wir unseren Produzenten bei Vertragsabschluss, dass er sich mit dem Garnhersteller zusammensetzt. Dieser muss ihm „echtes“ Garn liefern. Zweitens muss uns der Produzent nachweisen, dass die für Tchibo produzierten Pullover auch aus diesem Garn bestehen. Dafür muss er den Pullover beim Deutschen Wollforschungsinstitut DWI auf die korrekte Materialzusammensetzung zertifizieren lassen. Und drittens lassen wir jedes Kaschmirprodukt vor der Auslieferung in unsere Vertriebskanäle, noch einmal im DWI überprüfen. Erst wenn wir da das ok bekommen, können wir sicher sein, dass so viel Kaschmir drin ist wie draufsteht.

Wenn wir dann einen Kaschmirpullover unser eigen nennen, wie pflegen wir ihn, damit er so edel bleibt? Stichwort Pilling?

Man sollte dem edlen Stück schon im Trageverhalten Rechnung zollen: Wer jeden Tag 100 Kilometer mit angelegtem Sicherheitsgurt zur Arbeit fährt, riskiert schnell Knötchen am Pullover. Übermäßige Reibung mag Kaschmir nicht – das ist wie bei unseren Haaren: Wer lange Haar hat, kennt das Phänomen von zerstrubbelten Haaren und Knötchen am Morgen. Nichts anderes passiert bei Kaschmir, bedingt durch seine schuppenartige Haarstruktur und den zarten, abstehenden Flaum. Mein Tipp: das gute Stück besser erst am Ende der Fahrt anziehen.

Kaschmir: Vorsicht beim Waschen!

Und wie pflegt man Kaschmir am besten?

Möglichst wenig waschen ­– ich würde es immer erst einmal mit intensivem Auslüften versuchen. Wenn schon Wäsche, dann per Hand oder besser noch bei neuen Maschinen im Wollprogramm, mit Wollwaschmittel, auf links gedreht und mit nur wenigen anderen Teilen. Nach dem Waschen sollte man das gute Stück sofort liegend auf einem Handtuch trocknen. Das dauert auch nicht lange: Kaschmir trocknet schnell.

  • Wer das unvergleichliche Tragegefühl von Kaschmir testen möchte, gucken Sie doch in unseren Shop!
  • Mehr zum Kaschmir-Detektiv Dr. Phan vom Deutschen Wollforschungsinstitut finden Sie im Deutschlandfunk.

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2 Kommentare zu „Kaschmir: Qualitätscheck und Pflegetipps

  1. Kaschmich

    Danke für den interessanten Link zum Deutschland-Funk Interview mit Dr. Phan!

    Wird es denn demnächst wieder Kaschmir-Produkte im Tchibo Shop geben?

  2. Sandra Coy
    Sandra Coy

    Hallo Kaschmich,
    das kann noch etwas dauern. Gerne zu Weihnachten wieder nachschauern, denn im Augenblick warten wir ja alle auf den Frühling…

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