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Miniserie Kind und Job: working mom in Ungarn

Job und Kind – wie regeln das Mütter in andern Ländern? Zum Beispiel in unseren Tchibo Ländern? Arbeiten die Frauen dort eher Voll- oder Teilzeit? Wann starten sie nach der Babypause wieder durch? Wer betreut eigentlich die Kleinen, wenn Mama im Meeting sitzt? Und wie verstehen Männer in – zum Beispiel – Hongkong ihre Vaterpflichten?

Sie sehen schon, Fragen über Fragen, die sicher nicht nur uns Tchibo Mitarbeiter interessieren. Grund für mich, eine kleine Miniserie zu starten und fünf Kolleginnen aus dem Ausland – genauer gesagt aus Ungarn, der Türkei, Hongkong, der Schweiz und Polen – zu befragen. Alle haben mir persönliche Einblicke in ihr Leben gewährt, über den ganz normalen täglichen Spagat zwischen Kind und Job. Trotz der bekanntermaßen artistischen Leistung lieben aber alle ihr „Doppelleben“. Im ersten von fünf Teilen erzählt mir nun meine ungarische Kollegin Mónika Gruber-Mikula, wie ihr Alltag zwischen Schreibtisch und Tochter Hanna aussieht.

Hallo, mein Name ist Mónika Gruber-Mikula, ich bin 31 Jahre alt und arbeite seit 2006 für Tchibo in Ungarn. Genauso lange bin ich jetzt verheiratet – und mittlerweile habe ich eine zweieinhalbjährige Tochter. Seit Hanna zwei Jahre alt ist, bin ich wieder Vollzeit im Job, ich arbeite im logistischen Bereich. Damit bin ich in meinem Freundeskreis nicht allein: Die meisten gehen nach zwei Jahren wieder arbeiten. In Ungarn ist es aber, wie in Deutschland, möglich, drei Jahre zuhause beim Kind zu bleiben. In den ersten zwei Jahren erhält man ein Betreuungsgeld von maximal 360 Euro pro Monat, das vom vorherigen Gehalt abhängt. Danach gibt es für ein weiteres Jahr ein Kindergeld von etwa 85 Euro pro Monat.

Übrigens: Der Arbeitgeber muss Mütter, die zurückkommen, wieder im gleichen Job anstellen, ansonsten muss er eine Entschädigung von einem Monatsgehalt zahlen. Teilzeitjobs sind in ungarischen Büros leider noch sehr rar gesät, nur im Verkauf und in Restaurants sind vier oder sechs Stunden tägliche Arbeitszeit möglich. Ich hätte gerne, zumindest für ein halbes Jahr, Teilzeit gearbeitet, denn die Umstellung war schon hart: Ich stehe jetzt um 6.30 Uhr auf, damit ich Hanna bis um 8 Uhr in der Krippe abliefern kann. Gegen 16/17 Uhr hole entweder ich oder mein Mann sie dort wieder ab. Um 20 Uhr geht sie ins Bett, die Zeit bis dahin nutzen wir zum Spielen. Mein Mann kümmert sich sehr um Hanna, aber der Haushalt ist dann doch meine Sache – vom Kochen mal abgesehen, das macht er gerne. Da wir keine Haushaltshilfe haben ist das dann mein Wochenendprogramm.

Mein Fazit: Ich bin dankbar, dass ich wieder arbeiten kann, aber ich bin oft in Hetze! Und ich fühle mich schlecht, wenn meine Tochter das letzte Kind in der Krippe ist, das abgeholt wird.

Lesen sie in den kommenden Wochen, wie berufstätige Mütter in Polen, der Türkei, Hongkong und der Schweiz den Spagat zwischen Kinderkrippe und Konferenz regeln.

 

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2 Kommentare zu „Miniserie Kind und Job: working mom in Ungarn

  1. Katharina Stegemann

    Hallo,
    diese Serie finde ich ehrlich gesagt nicht so toll. Viel mehr würde mich mal eine „Working Dad“-Reihe interessieren. Besonders kritisch sehe ich als junge Berufseinsteigerin die (gesellschaftliche) Diskussion zur Vereinbarkeit von Familie und Karriere, die grundsätzlich über die Frauen „ausgetragen“ wird. Für mich bedeutet Familie bzw. Kinder, dass zwei gleichberechtigte Partner (Mama und Papa) gemeinsam für ein oder mehrere Kinder sorgen und beide gleichermaßen einen Beitrag zur Familien-Arbeits-Organisation leisten. Dass der Vater ebenso in Teilzeit-Modellen arbeiten, 1-2 Jahre in Elternzeit geht oder gar Haus-Papa wird, ist in den aktuellen Debatten viel zu unterrepräsentiert. Für mich besteht Emanzipation nicht darin, dass frau alles unter einen Hut kriegt, sondern dass in einer gleichberechtigten Beziehung alle Freuden und Pflichten aufgeteilt werden und beide Partner idealerweise beruflich wie auch privat Erfüllung finden.

  2. Sandra Coy
    Coy, Sandra

    Liebe Frau Stegemann,
    vielen Dank für Ihren konstruktiven Beitrag. Im Prinzip sehe ich das ähnlich wie sie – die Praxis zeigt aber, dass die Doppelbelastung meist eben doch an den Müttern hängenbleibt. Allerdings habe ich den Eindruck, dass sich das Gesellschaftsbild langsam ändert und immer mehr junge Männer ihr Recht auf Elternzeit einfordern. Prima! Väter die Teilzeit arbeiten und sich die Erziehungsarbeit paritätisch teilen, sind mir bislang – hier zumindest – allerdings kaum bekannt. Vielleicht melden sich nun ja einige, bei denen es schon klappt? Viele Grüße

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