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Volltreffer: 2 :1 – oder wie man sich einen Job teilt

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Wie vereint man Familie und Beruf? Die Thematik ist nicht neu, aber klar ist leider auch: Es gibt keine Patentlösung, um die Wünsche von Arbeitnehmern und Arbeitgebern in dem Bereich unter einen Hut zu bekommen. Um so mehr zeigt sich, dass manchmal einfach Mut erforderlich ist, neue Wege zu beschreiten – und eine gute Portion Kreativität und Flexibilität.

All das hat die Leiterin unseres Bereichs Coffee Marketing Deutschland, Katrin Jenner, bewiesen, als sie in ihrem Bereich eine Stelle neu zu besetzen hatte. Katrin ist selbst Mutter, arbeitet Vollzeit und erwartet im Juni ihr zweites Kind – sie weiß also aus eigener Erfahrung, wie schwierig es ist, Job und Kinder gleichermaßen gerecht zu werden und wo die Stolperfallen liegen.

Die Stelle, die im letzten Sommer in ihrem Bereich zu besetzen war, hat mit dem Vermarkten von Food-Produkten (wie Honig und Schokolade)  zur Unterstützung von Non Food-Phasen zu tun. Und unterliegt damit einer typischen Tchibo-Besonderheit: Die Aufteilung der Aufgabeninhalte erfolgt in Kalenderwochen und Projekten – analog zu unseren wöchentlichen Themenwelten. Das waren für Katrin Jenner optimale Bedingungen für ihre Idee: Nämlich die Stelle statt mit einer, gleich mit zwei hoch qualifizierten Müttern zu besetzen.

Klarer Vorteil für sie bei der Besetzung der Stelle: Sie konnte aus einem großen Pool von Tchibo Müttern fischen, die alle optimal qualifiziert sind, aber nicht in jedem Fall in Vollzeit aus der Elternzeit zurückkehren wollten. Als sich die Idee konkretisierte, ging es natürlich ans Eingemachte: Schließlich mussten alle Voraussetzungen geschaffen werden, damit die Prozesse auch in der Zweierkonstellation reibungslos laufen konnten.

Um das neue Arbeitsmodell in Übereinstimmung mit dem Team und dessen Arbeitsfluss zu bringen, hieß es konkret, klare Vorgaben im Hinblick auf die Arbeitszeiten, die Flexibilität und die Erreichbarkeit zu vereinbaren. Von diesen „bürokratischen“ Besonderheiten abgesehen, sollten die Kandidatinnen aber auch noch andere Bedingungen erfüllen: Sie mussten vor allem von ihrem Erfahrungshintergrund und ihrer Persönlichkeit zueinander passen und sich inhaltlich gut ergänzen können.

Auch wenn die Suche und die Organisation im Vorfeld etwas aufwändiger waren, hat sich der Einsatz doch gelohnt. Seit dem 1. November 2010 ist das Duo am Start. Ilaria Rinaldi und Sophie Breckwoldt, beide Mütter von zwei kleinen Kindern, teilen sich nun einen Job, der ihren Qualifikationen entspricht und genießen ihr besonderes Arbeitszeitmodell, das ihnen die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ermöglicht.

Und was sagt die Chefin? Für sie gibt es bei dem Modell nur Gewinner, auch wenn die Terminorganisation ab und an etwas komplizierter verläuft als sonst. Damit konnte sie auch die anfänglichen Bedenken ihres Vorgesetzten in Sachen Praxistauglichkeit und Nachteile des Modells für’s Geschäft widerlegen. Denn innerhalb kürzester Zeit belegen die Ergebnisse: es läuft gut. Übrigens: Seit August 2010 ist Tchibo als familienbewusstes Unternehmen vom Audit berufundfamilie zertifiziert. Das Audit hat deutlich gemacht: Wir haben in Punkto Vereinbarkeit von Beruf und Familie schon viel erreicht, müssen uns aber auch in Zukunft weiter entwickeln, damit es nicht von der Einstellung einzelner Führungskräfte abhängt, wie familienfreundlich wir als Arbeitgeber sind und wie gut uns langfristig die notwendige Bindung von Mitarbeitern mit Bedarf an Familienzeit gelingt.

Wir haben deshalb z. B. ein Anbindungskonzept für Kollegen in Elternzeit entwickelt: Ziel aller darin enthaltenen Maßnahmen ist es, den Infofluss zwischen diesen Mitarbeitern und dem Unternehmen auszuweiten, individuelle Weiterqualifizierung zu unterstützen und den späteren Wiedereinstieg für alle Beteiligten so optimal wie möglich zu gestalten. Mehr zum Audit unter www.beruf-und-familie.de.

Übrigens: Fast drei von vier Müttern sind in Deutschland berufstätig, so eine aktuelle Studie des Statistischen Bundesamtes. Gezählt wurden dabei Teil- und Vollzeitbeschäftigte, sowie Frauen in Mutterschutz und Elternzeit. EU-weit liegen wir mit dieser Quote im Mittelfeld.

Auch interessant:

http://genderblog.de

www.familiengruender.de

www.worklifecompetence.com

 

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3 Kommentare zu „Volltreffer: 2 :1 – oder wie man sich einen Job teilt

  1. katjuscha

    Wunderbar! Ein sehr interessanter Beitrag über ein sehr progressives Arbeitsmodel. Wir brauchen mehr solche Modelle und mehr Publicity darüber.
    Habe den Blog-Link allen meinen Freundinnen geschickt.
    Seit einiger Zeit gibt es in Deutschland die Diskussion um die Frauenquote in den Chef-Etagen. Ich wäre für eine andere Quote – für die Quote für solche familienfreundliche und flexible Arbeitsplatz-Konzepte, zumindest in größeren Unternehmen, die sich das wirklich ohne Probleme leisten können und davon auch nur profitieren.

    Vielen Dank für diesen Beitrag!

  2. Zwillinge

    Hallo! Ich bin momentan noch in Elternzeit und mache mir Gedanken wie der Wiedereinstieg im Berufsleben sein wird. Von einem Anbindungskonzept bei Tchibo habe ich nichts gehört. Es ist auch sehr schade, dass in Punkto Vereinbarkeit von Beruf und Familie in Filialen nicht möglich ist. Ich bin Mutter von Zwiilingen und würde gern weniger arbeiten (120 Std.) im Monat, aber leider ist dies nicht möglich. Wer kann mir da weiterhelfen? Mit dem Betriebsrat habe ich mich auch in Verbindung gesetzt., war nicht erfolgreich. Ich würde ja gern noch Filialleiterin bleiben.

  3. Sybill Buitrón
    Sybill Buitrón

    Liebe Kollegin, wir bemühen uns, die Vereinbarkeit von Beruf und Familie auch für unsere Mitarbeiter in den Filialen kontinuierlich zu verbessern. Genauso individuell wie die Bedürfnisse unserer Mitarbeiter in diesem Zusammenhang häufig sind, genauso wenig pauschal können wir mit allgemeinen Lösungen reagieren. Um in Ihrem Fall weiterhelfen zu können und zu sehen, ob wirklich alle Möglichkeiten ausgeschöpft wurden, möchte ich Sie bitten, sich direkt mit mir in Verbindung zu setzen (meine E-Mail Adresse finden Sie, wenn Sie auf „Autoren“ in diesem Blog klicken).

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