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Bienen über den Dächern Hamburgs

Bienenalarm: Kollege Robert wird Imker

Auf dem Dach der Tchibo Zentrale in Hamburg haben rund 14 Bienenvölker ihr zu Hause. Zwei Imker sorgen für die Tchibo Honigbienen. Bei diesen beiden Imkern ging unser Kollege Robert Korn in die Lehre. Er ist seit drei Jahren bei Tchibo Produktdesigner für Hartwaren und verantwortlicher Gestalter für Produktgruppen wie z.B. Sportequipment, Spielzeug und Reiseartikel. Nun ist er in seinem Privatleben auch ausgebildeter Imker und stolzer Behüter von zwei Bienenvölkern auf seinem Dach mitten in Hamburg-Eimsbüttel.

Robert, was hat dich zu den Bienen gebracht?
Tchibo hat die Imkerausbildung bei unseren „Hausimkern“ vermittelt. Ich war sehr neugierig, hatte den Wunsch, mich neben meinem Beruf als Produktdesigner mit einem völlig anderen Thema intensiv zu beschäftigen – dabei naturnah zu sein und etwas Sinnvolles zu tun.

Wie kamen die Bienen auf dein Dach?
Bienen müssen nachts umziehen, also war es dunkel beim Bienenumzug auf mein Dach. Tagsüber fliegen sie, und wenn es dunkel wird, kommen sie in den Bienenstock zurück. Dann kann man das Flugloch schließen und das Bienenvolk transportieren. Die Kästen mit den Bienen auf das Dach zu bekommen, war wirklich halsbrecherisch, über die Feuerleiter. Inzwischen habe ich Freunden und Bekannten meine Bienen gezeigt, Gespräche geführt und zum Nachdenken über Bienen und Natur angeregt. Außerdem habe ich wunderschöne Sommerabende auf dem Dach genossen, das Summen und Schwirren, wenn die Bienen abends einfliegen – das ist einfach ein schönes Gefühl. Und gestochen worden bin ich auch noch nicht!

Wie ist denn in der Stadt das Nahrungsangebot für die Bienen?
In der Stadt geht es den Bienen tatsächlich oft besser als auf dem Land. Das ist erstmal überraschend, aber dann doch einleuchtend: Bienen haben einen Flugradius von ca. 3 Kilometern, das ist gar nicht so viel. In ländlichen Gegenden werden meistens großflächig Monokulturen angebaut, wie z.B. Raps, Getreide und Mais. Da finden die Bienen nach der Blüte kaum noch Nahrung. In der Stadt hingegen haben die Bienen mehr Auswahl an Pflanzen und Blüten

über das ganze Jahr hinweg. Eine Hilfe für die Bienen ist wirklich, wenn Menschen – wie es jetzt immer mehr geschieht – Blühwiesen säen. In ländlichen Gegenden werden auch an Feldrändern oder auf brach liegenden Feldern bienenfreundliche Streuwiesen gesät.

Was hast du bei der Imkerausbildung gelernt?
Ich habe so viel gelernt! Erstmal bin ich noch immer ein Imker-Neuling. Es gibt ganz unterschiedliche Arten, zu imkern. Es ist eine Balance zwischen naturnah und restriktiv. Ich mache nun meine eigenen Erfahrungen und tausche mich mit anderen Imkern aus. Das Lernen über die Bienen ist ein Lernen über die Natur, ihre Zyklen, ihre Abhängigkeiten, die Pflanzenwelt. Und was so unglaublich interessant ist: der Schwarm, die Intelligenz, der ganze Organismus. Die Bienensprache – der Bienentanz. Meine wichtigste Erkenntnis: Ich trage die Verantwortung für so viele Lebewesen und das ist nicht immer einfach.

Welche Verantwortung meinst du?
Ich muss auch Entscheidungen über Leben und Tod treffen, das ist leider so. An der Behandlung der Varroa-Milbe, aus Asien eingeschleppt, kommt kein Imker vorbei. In jedem Bienenvolk ist die Milbe vorhanden und befällt schon die Brut. Ich habe in diesem Jahr zwei Mal mit Ameisensäure behandelt und dabei sterben leider auch immer einige Bienen. Andere Imker behandeln auch drei Mal im Jahr, es ist Ermessenssache und keine leichte Entscheidung, wie viel und wie oft es sein muss und auf welche Art man versucht, den Bienen diesen Parasiten vom Leib zu halten.

Hast du denn schon deinen ersten eigenen Honig geerntet?
Leider noch nicht. Meine beiden Bienenvölker sind kleine Völker mit jeweils einer jungen Bienenkönigin und etwa 10.000 Tieren. Das erste Jahr ist dafür da, dass sich das Bienenvolk etabliert. Im nächsten Jahr wird es dann auf eine Größe von etwa 40.000 Bienen pro Volk anwachsen.

Und was ist aktuell im Herbst los bei deinen Bienen?
Jetzt ist die Zeit der Lindenblüte vorbei – essenziell für die Nahrungsbeschaffung, um den Winter zu überstehen. Efeu blüht jetzt auch noch. An einzelnen Blumen werden die Bienen noch fündig. Aber nur, wenn es über 13 Grad warm und trocken ist, fliegen sie überhaupt noch raus. Zusätzlich füttere ich die Bienen ordentlich mit Zuckersirup, um ihre Überlebenschancen zu steigern. Trotzdem überlebt leider ca. jedes fünfte Bienenvolk den Winter nicht. Ich hoffe sehr, dass meine Bienen den Winter gut überstehen und ich im nächsten Jahr meinen ersten eigenen Honig ernten kann.

 

Na, das hoffen wir auch, alles Gute für dich und die Bienen!

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