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Auf einen Kaffee mit: Susanne Risch – Chefredakteurin von Brand Eins Wissen

Welche Nation bevorzugt Kaffee mit Knoblauch, wie trinken die Deutschen ihren Kaffee am liebsten und welche Trends sind rund um die geliebte Bohne wichtig? Antworten auf diese und viele weitere Fragen rund um Kaffeetrends und Kulturen gibt es im neuen Kaffeereport 2013. Rund 5000 Menschen wurden für die repräsentative Studie befragt, die Tchibo bereits im zweiten Jahr gemeinsam mit brand eins Wissen und statista.com veröffentlicht. Zeit für ein Gespräch mit Susanne Risch. Die Chefredakteurin von brand eins Wissen erforschte für den zweiten Kaffeereport die Kaffeevorlieben rund um den Globus.

Frau Risch, brand eins Wissen und Kaffee passen gut zusammen, weil?

… Journalisten gerne tratschen. Kaffee liefert einen guten Grund, mit den Kollegen ins Gespräch zu kommen. Wir nutzen die Gelegenheit gerne und oft. Das ist Teil unseres Jobs. Mal ganz davon abgesehen, dass guter Kaffee eben lecker schmeckt.

Sie haben 5000 Menschen deutschlandweit zu ihrem Kaffeekonsum befragt. Gab es etwas, das Sie besonders verblüfft hat?

Jede Menge. Man würde ja annehmen, dass die Unterschiede innerhalb eines Landes nicht besonders groß sind. Tatsächlich gehen die Vorlieben aber weit auseinander. Ost und West, Süd und Nord, Männer und Frauen, Alt und Jung – jeder schätzt etwas anderes. Meine Landsleute zum Beispiel – ich stamme aus dem Saarland – sind offenbar Fans von Kaffeepads: 52 Prozent der Saarländer besitzen eine Einzelportionsmaschine. In Sachsen dagegen sind es weniger als die Hälfte. Der Schwabe wiederum hat es nicht so sehr mit Filterkaffee: Nur 59 Prozent der Baden-Württemberger besitzen überhaupt eine Filterkaffeemaschine. Spitzenreiter hierbei sind die Brandenburger mit 84 Prozent. Immerhin in einem Punkt sind wir Deutschen uns aber einig: Den besten Kaffee gibt es immer noch zu Hause.

Bekanntlich wird im Norden (z. B. in Finnland) mehr Kaffee getrunken als im Süden. Wie erklären Sie sich das?

Keine Ahnung, vielleicht liegt es am Klima. Ich selbst greife im Urlaub, wenn es mich in den Süden zieht, auch lieber zu einem kühlen oder lauwarmen Getränk.

Wie unterschiedlich sind denn die Geschmäcker rund um den Globus? Gibt es Espresso, Instant und Milchmischgetränk-Länder?

Für die Welt kann ich das nicht beantworten, in den sieben Ländern, aus denen unsere Korrespondenten berichten, gehen die Geschmäcker jedenfalls recht weit auseinander. Sehr zum Leidwesen der Kollegen. Der Chinese zum Beispiel liebt Instantkaffee mit süßem Milchpulver versetzt oder auch Mixgetränke mit viel Milch und Sirup. In Russland ist es ähnlich, dort werden Himbeer-, Kokos- oder Vanillesirup in den Milchkaffee gemischt. Die Argentinier trinken ihren Kaffee stark geröstet und süß, viel lieber aber noch trinken sie Mate. Wieder anders die Australier: Sie genießen Bohnen in jeder denkbaren Form, machen aus der Zubereitung eine Kunst. Allerdings nur bis zum Nachmittag. Wenn wir Europäer uns zu Kaffee und Kuchen treffen, ist der Zauber in Sydney schon wieder vorbei. Die Coffeeshops schließen. Zum Plaudern geht der Australier lieber auf ein Bier ins Pub.

Wo kostet eine Tasse Kaffee am meisten und wo am wenigsten?

Mit Abstand am teuersten ist Kaffee in Großbritannien und Irland. Dort kostet eine Tasse Röstkaffee 21,10 Cent, in Deutschland ist sie für 5,66 Cent zu haben. Am günstigsten kommen (unter 27 untersuchten Ländern) die französischen Verbraucher weg – mit 4,59 Cent pro Tasse.

Ein Espresso nach dem Essen darf für viele Deutsche nicht fehlen. Wo wird am meisten Espresso getrunken und wer mag den „kleinen Schwarzen“ eher weniger?

Innerhalb Deutschlands ist Espresso im Saarland (45,5 Prozent) und in Bayern (41,3 Prozent) am beliebtesten. Am seltensten trinken ihn die Menschen in Mecklenburg-Vorpommern (21,2 Prozent) und in Thüringen (22,8 Prozent). Der Niedersachse mag ihn allerdings auch nicht besonders: Dort belegt Espresso mit 23,0 Prozent den drittletzten Platz auf der deutschen Beliebtheitsskala.

Die Deutschen trinken immer mehr nachhaltigen und fair gehandelten Kaffee, wie ist das in anderen Ländern?

Ähnlich, das Bewusstsein wächst. Zwischen 2005 und 2011 sind die Importe von Kaffee in Bioqualität zum Teil enorm gestiegen – allen voran in Mexiko, Südkorea und Neuseeland. Deutschland steigerte seine Einfuhr um immerhin 167 Prozent. Es gibt in der Statistik allerdings auch Ausreißer nach unten: Schweizer, Spanier, Niederländer oder Japaner legen offenbar weniger Wert auf derartige Produkt-Attribute.

Schnelles Kapsel-Einzelportionssystem oder mit Liebe aufgebrühter Filterkaffee? Wo liegt der Trend?

In unserer Deutschlandstudie war das Ergebnis eindeutig: Der Favorit zu Hause heißt Filterkaffee, gefolgt von Cappuccino. Unterwegs hingegen trinken wir am liebsten Cappuccino, Latte macchiato oder Milchkaffee. Abgenommen hat im Laufe der Jahre unsere Lust auf löslichen oder gekühlten Kaffee aus dem Supermarkt.

Welche Fakten fanden Sie bei der Recherche am spannendsten?

Das kann ich unmöglich sagen. Wir haben zusammen mit Statista über Wochen und Monate tausende von Tabellen recherchiert und verarbeitet. Dauernd erzählte irgendein Kollege wieder ein spannendes Detail oder berichtete begeistert von einem ungeahnten Superlativ. Ganz ehrlich? Am Ende der Produktion konnte ich das Wort Kaffee nicht mehr hören.

Und wie trinken Sie Ihren Kaffee?

Am liebsten schwarz.

 

Bereits erschienen in der Reihe „Auf einen Kaffee mit…“ sind:

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