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Auf einen Kaffee/Wein mit: dem „Schnutentunker“

Kaffee und Wein? Passt. Erst Kaffee, dann Wein, dann Espresso. So wäre meine Reihenfolge. Dachten sich wohl auch unsere Produktmanager, die für unsere aktuelle Wochenwelt viele Wein-Accessoires entwickelten und zusammentrugen. Zeit also für ein Gespräch mit einem bloggenden Weinexperten, wie dem Schnutentunker. Dieser tunkt seine Schnute in so manches Weinglas, zuweilen auch in Kaffeetassen. Der begeisterter Amateur-Weintrinker schreibt in seinem Weintagebuch „gnadenlos subjektiv“ und bewertet den Rebsaft ausschließlich nach seinem Geschmack. Sprechen wir also über Säure, Trauben, Temperatur und das richtige Zubehör!

 

Lieber Schnutentunker, woher die Leidenschaft für guten Wein und für Bloggen?

Die Weinleidenschaft hat mein Vater in mir geweckt, das Bloggen hat sich irgendwann ergeben und die Leidenschaft steigerte sich durch freundliche Resonanz von Lesern.

Sie bezeichnen sich scherzhaft selbst als „ahnungsloser Enthusiast, dem Erfahrung, Kenntnis und Ambition fehlen“. Sie bloggen aber schon seit 2009. Hand aufs Herz: Wie viel Ahnung haben Sie denn mittlerweile wirklich?

Ich weiß eine Menge über die Prinzipien der Weinentstehung und Lagerung – und wie man ihn trinkt, habe ich mittlerweile auch ganz gut gelernt. Ich kenne mich sehr gut mit den Weinen Deutschlands aus. Sobald es um ein anderes Land geht, wird das Eis schnell dünn.

Haben Sie einen Tipp für unsere Leser, wie man beim Händler den richtigen Wein findet, auch wenn man sich überhaupt nicht damit auskennt?

Das wichtigste ist den richtigen Händler zu finden. Gute Händler erkundigen sich erst nach Ihrem Geschmack und dann nach Ihrem Budget, schlechte Händler machen es andersrum.

Und was macht der Schnutentunker in seinem Offline-Leben so? Außer Weintrinken natürlich?

Ganz viel online. Ich war bis August Geschäftsführer eines Berliner Startups und jetzt bereite ich gerade die Gründung eines eigenen Unternehmens vor (das dann auch was mit meinem Hobby zu tun haben soll).

Karaffe, Kühlstab, Flaschenöffner, etc. Das Zubehör für Weingenießer ist vielfältig. Was sollte schon jeder Anfänger im Schrank haben?

Ganz wenig: einen guten Korkenzieher (zum Beispiel ein Kellnermesser), vernünftige Gläser, eine Kühlmanschette (gibt’s, glaube ich, zwei mal im Jahr günstig bei Tchibo), einen Sektflaschenverschluss (das mit dem Silberlöffel ist ein Märchen). Zwei Dinge, die man haben sollte aber nicht muss: eine Karaffe und einen Dropstop (das ist eine kleine Folie, die gerollt und in den Flaschenhals gesteckt wird, so dass nix tropft).

Warum soll Wein eigentlich atmen und was bedeutet das konkret?

Oje, Phenole, Tannine und der ganzen Kram – will das wirklich jemand wissen? Sagen wir mal so: der Wein war lange in dieser engen Flasche eingesperrt und jetzt füllen wir ihn in eine Karaffe, um ihn zu belüften, so wie wir im Herbst den Muff aus den Winterklamotten schütteln, die den ganzen Sommer im Schrank hingen. Längst nicht jeder Wein muss atmen. Bei jungen Rotweinen richtet eine Stunde in der Karaffe (siehe oben) selten Schaden an und macht den Wein meist runder. Bei allen anderen weiß man es nicht; also: zwei Stunden vor dem Trinken Zapfen raus und probiert, wenn’s gut ist, Zapfen wieder drauf, wenn nicht, ab in die Karaffe.

Wie steht es mit der Temperatur? Spielt sie beim Weingenuss wirklich so eine große Rolle?

Ja! 80 Prozent der Weißen werden zu kühl und 90% der Roten zu warm getrunken. Zu kalte Weine schmecken flach und zu warme brandig und breit. Insbesondere seit sich die modernen Kühlschränke mit 4 Grad Kühltemperatur durchsetzen, wird das eher schlimmer. Einfach selber ausprobieren, denn warm wird der Wein ja von alleine: Weißwein bei 4 Grad einschenken und probieren, dann mit der Hand anwärmen. Je nach Weinstil wird der Wein seinen optimalen Genuss irgendwo zwischen acht und zwölf Grad zeigen. Und beim Rotwein die Übung mit 14 Grad beginnen. Da liegt das Optimum irgendwo zwischen 16 und 18 Grad.

Wodurch wird der Säuregehalt eines Weins beeinflusst und wie wirkt er sich auf den Geschmack aus?

Durch den Reifegrad der Traube bei der Ernte. Wein enthält 27 verschiedene Säuren, deswegen ist das folgende stark vereinfacht: Zwei Hauptsäuren sind Äpfelsäure und Weinsäure. Neben der Menge zählt auch das Verhältnis, das sich mit zunehmender Reife von der Äpfel- zur Weinsäure verschiebt. Erstere schmeckt viel saurer. X Gramm Säure pro Liter sagt also erst mal gar nix, es kommt darauf an, welche dominiert.

Welche Faktoren beeinflussen eigentlich, ob ein Wein lieblich, halbtrocken oder trocken ist und wie nimmt der Gaumen das war?

Nur ein Faktor: der Mensch. Weinhefen vergären Zucker zu Alkohol. Wenn der Wein trocken werden soll, tut der Winzer sein Möglichstes, diese Gärung bis zum Ende zu unterstützen. Möchte er Zucker im Wein behalten, stoppt er die Gärung beim gewünschten Zuckergehalt. Das ist kein großer Aufwand. In kühlen Kellern reicht es manchmal die Tankheizung auszumachen. Dann streiken die Hefen. Wenn der Winzer den Wein dann filtriert und schwefelt, mithin zur Füllung fertig macht, ist der Drops gelutscht.

Der menschliche Gaumen nimmt gemeinhin Zuckergradationen in Zwei-Gramm-Schritten war – also ziemlich fein. Allerdings wird Süße von Säure geschmacklich gepuffert. Es gibt Weine, die haben 15 Gramm Restzucker und schmecken trockener als andere mit der Hälfte, weil sie mehr Säure haben.

Wieso schmeckt der Wein grüner Trauben eigentlich so anders, als der roter Trauben?

Ha! Klugscheißermodus an: Erstens gibt es kaum rote Trauben, die meisten sind blau. Aus roten Trauben kann man nur Weißwein oder hellen Rosé keltern. Berühmtestes Beispiel ist der Pinot Grigio, dessen Trauben sich zum Ende der Reife rötlich verfärben. Den gibt es als Weißwein und als Rosé – letzterer wird allerdings meist als ‚Blush’ nach England exportiert und das ist auch gut so. Zweitens kann man auch aus blauen Trauben weißen Wein keltern. Berühmtestes Beispiel ist hier der Champagner, der meist aus der grünen Chardonnaytraube sowie Pinot Noir und Pinot Meunier gekeltert wird. Diese beiden heißen bei uns Spätburgunder und Schwarzriesling und sind Rotweinsorten (blaue Trauben). Klugscheißermodus aus ;-)

Kaufen Sie sich eine blaue Traube und quetschen Sie eine Beere aus, es kommt grüner Saft und daraus können Sie Weißwein machen (der dann ‚Blanc de Noir‘ heißt). Die Farbe kommt dadurch in den Wein, dass der Rotwein mit den Schalen vergoren oder zumindest eine Zeit vor der Vergärung mit den Schalen im Kontakt bleibt. Dabei lösen sich Farbstoffe und Tannine aus der Schale und letztere sind hauptverantwortlich für den unterschiedlichen Geschmack.

Wenn man einen guten Wein geschenkt bekommt, möchte man ihn oftmals nicht sofort trinken. Was können Sie jemandem zur Lagerung raten, der sich eine Flasche Wein für einen besonderen Anlass aufspart?

Wein ist viel robuster, als man denkt. Ein Jahr der suboptimalen Lagerung macht keinen guten Wein kaputt. Bitte nicht neben dem Herd, so dass die Temperatur ständig schwankt, das regt die Reaktionen im Wein sehr an und schadet. Der kühlste Ort in modernen Mietwohnungen ist bei den meisten Menschen das Schlafzimmer. Also: ab unter’s Bett damit.

Wein, Kaffee oder Whiskey sind die reinste Wissenschaft. Warum üben diese Dinge auch jenseits des reinen Geschmacks so  eine große Faszination auf viele Menschen aus?

Meine Theorie: Genuss setzt sich aus zwei Komponenten zusammen, Schmecken und Erleben. Neben dem Faktor schmeckt mir/schmeckt mir nicht gibt es bei diesen drei Getränken (plus Tee) noch diese andere Dimension: Was erfahre ich bei dieser Begegnung mit dem Getränk, was ich noch nicht/lange nicht mehr hatte und was macht das mit mir? Es spricht die Sinne an. Cola ist auch ein sehr leckeres Getränk aber es hat halt nur die Dimensionen lecker und löscht Durst. Wenn man nach einer großen Anstrengung so richtig verschwitzt und mit allen Sinnen durstig ist, kann Cola ein genau so großes Erlebnis sein wie Wein (oje, wenn das jemand aus der Weinszene liest, werde ich gesteinigt).

Was raten Sie jemandem, der unter Kennern nicht als Laie hervortreten möchte? Gibt es Benimm-Regeln beim Weintrinken?

Gibt es irgendein Gebiet, wo man als Laie unter Kennern ausdauernd Wissen heucheln kann? Ich glaube nicht. Also: offensiv die eigene Unkenntnis ansprechen. Dann werden die anderen sich freuen, dass sie jemandem etwas beibringen können. Und wenn einem die kostenlose Vorlesung auf den Senkel geht, dann stelle er die Frage: Kann man Wein auch einfach trinken oder muss man den immer verkosten? Sensible Weinfreunde geben danach Ruhe und die unsensiblen können uns eh den Buckel runterrutschen, oder?

Wenn jemand mit dem Gedanken spielt sich einen Weinkeller zuzulegen. Was raten Sie wie fängt man das am besten an?

Ha! Ich habe mir einen Weinkeller angelegt und so ziemlich alles falsch gemacht, was man falsch machen kann. Das habe ich dann später in einer vierteiligen Serie auf meinem Blog gebeichtet. Mein Tipp also: auf schnutentunker.de nach ‚Wie legt man einen Weinkeller an‘ suchen und alles anders machen als da geschildert.

Wein als Geldanlage – Geheimtipp oder Spinnerei von Menschen, die zu viel Geld haben?

Kein Geheimtipp mehr, die Preise sind schon sehr hoch. Es war vermutlich mal eine gute Geldanlage, vor allem aber für wohlhabende Menschen, die sich sagen konnten: ‚Wenn’s schief geht, habe ich wenigstens was leckeres zu trinken‘.

Trinken Sie eigentlich auch Kaffee?

Aber hallo! Morgens zwei Milchkaffee, starker Kaffee mit der Bodum zubereitet und Milch mit dem Induktionsaufschäumer geschäumt. Letzteres erwähne ich nur, weil ich mich mal in aller Öffentlichkeit bei dem Erfinder dieses Gerätes bedanken wollte (Du bist ein HELD!). Nachmittags dann noch einen Latte Macchiato.

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1 Kommentare zu „Auf einen Kaffee/Wein mit: dem „Schnutentunker“

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