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Dr. Bytof auf Reisen

Bericht aus dem Kaffeeland Kolumbien (Teil 1)

Alle zwei Jahre trifft sich die Welt der Kaffeeforschung zu einem internationalen Kongress, um sich über die neuesten Entwicklungen in Fragen Kaffeeinhaltsstoffe und deren Analyse, Kaffee und Gesundheit, Kaffeeanbau und Verarbeitung auszutauschen.

Im September 2014 fand die unter der Kurzbezeichnung ASIC bekannte Konferenz in Armenia, Kolumbien, statt. Mit 560 Teilnehmern aus über 40 Ländern gehörte sie rein zahlenmäßig zu den erfolgreichsten ASIC-Konferenzen. Bereits zum zweiten Mal durfte ich für Tchibo mit dabei sein: Dr. Gerhard Bytof, meines Zeichens Biologe und Kaffeeforscher; außerdem dabei war mein Chef, Dr. Ingo Lantz, Leiter der Forschung und Entwicklung Kaffee bei Tchibo.

Wie stets bot auch diese ASIC vielfältige Gelegenheiten zum Austausch sowohl mit bereits bekannten als auch mit noch unbekannten Vertretern aus Industrie und Forschung. Darüber hinaus ergaben sich bei Exkursionen Möglichkeiten, Neues über Kaffeeanbau und Nachernteprozesse zu erfahren.

Schon von weitem kündigen große Plakate die international bedeutsame Tagung an. Ein weiterer Eye-Catcher vor dem Kongresszentrum ist ein extra für uns Besucher ausgestellter Willi: das ist ein amerikanischer Jeep, der aus dem kolumbianischen Landleben kaum wegzudenken ist. Obwohl seit 50 Jahren nicht mehr hergestellt, ist er im ländlichen Straßenbild praktisch überall präsent: neu lackierte und akribisch gepflegte Modelle mit individuellen Kühlerfiguren, typischerweise vollgestopft mit Mitfahrern – notfalls hinten auf der Stoßstange stehend – und/oder meterhoch beladen mit ganzem Hausrat, Bananenstauden, Kaffeesäcken.

Im Kongresszentrum dreht sich fünf Tage lang alles nur um Kaffee, in Vorträgen, auf Postern und bei Tischgesprächen. Tagungssprachen waren Englisch und Spanisch – Letzteres war kein Problem für meinen Chef, der sogar die Eröffnung der von ihm geleiteten Conference-Session auf Spanisch bewerkstelligte. Ich hingegen war immer ein wenig vor das Problem gestellt, aus meinem passablen Portugiesisch ein einigermaßen verständliches Spanisch zu formen (klappt mit der Zeit immer besser).

Wir möchten an dieser Stelle nicht zu wissenschaftlich werden; wer sich für diesen Part interessiert, mag sich direkt über die ASIC informieren. Lediglich ein Bilder von der Abschlussgala der Tagung im Parque del Café, einer Art Kaffee-Erlebnispark, sollen einen Eindruck vermitteln, wie sehr hier Kaffeekultur stets auch kolumbianische Landeskultur ist: Es gab traditionelle Tanzvorführungen und sogar die Möglichkeit, sich mit Juan Valdez „persönlich“ fotografieren zu lassen. Juan Valdez® ist die kolumbianische Kaffee-Ikone, das Symbol für Café de Colombia schlechthin! Sein stilisiertes Konterfei steht außerdem für eine exquisite Café-Kette mit demselben Namen und Filialen in zwölf Ländern.

Jetzt möchten wir aber lieber ein paar Bilder aus dem Kaffeeland Kolumbien zeigen, die wir auf unseren Field-Trips gemacht haben. Tatsächlich haben wir dabei den gesamten Weg vom Kaffeebaum bis zur Tasse verfolgen können – einen ersten Teil hier und dann noch mehr in einem zweiten Blogbeitrag.

In Quimbaya treffen wir Don Alvaro der uns voller Stolz über seine Kaffeeplantage führt. Die geographische Lage Kolumbiens am Äquator und das entsprechende Klima sind dafür verantwortlich, dass eigentlich immer irgendwo Kaffeeernte ist; außerdem kann man hier an ein und demselben Kaffeebaum gleichzeitig Blüten und Früchte finden. Das wäre in Brasilien oder Mexiko anders; denn dort sind Blüte- und Erntezeit deutlich voneinander getrennt, dort gibt nur eine Ernte pro Jahr und man sieht nur selten Blüten und Früchte gleichzeitig.

Don Alvaros Plantage geht in einen herrlichen Garten über, voll von verschiedensten  Sorten an Hibiskus, Bananen und Ananasgewächsen; insbesondere die Helikonie (zu Deutsch: Hummerschere) in allen möglichen Variationen hat es ihm angetan. Sehr wichtig ist ihm sein ganzheitlicher, philosophischer Ansatz, in dem gesunder Boden, gesunde Pflanzen, der gesunde Mensch und ein Schuss Esoterik eine wichtige Rolle spielen. Erst mit seiner neu gewonnenen Einstellung sei er in seinen Unternehmungen zufrieden und erfolgreich geworden, wie er uns später erläutert. Alvaro röstet übrigens seinen Kaffee selbst und betreibt zusammen mit seinem Neffen in Quimbaya eine trendige Kaffeebar, in der er natürlich auch seinen eigenen Kaffee serviert.

 

 

 

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