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Dr. Bytof auf Reisen

Bericht aus dem Kaffeeland Kolumbien (Teil 2)

Hallo, mein Name ist Dr. Gerhard Bytof und ich arbeite als Biologe und Kaffeeforscher in der Abteilung Forschung und Entwicklung, Tchibo GmbH, Hamburg.

Ich hatte bereits gestern von unserer Reise zur Internationalen Kaffeekonferenz nach Armenia, Kolumbien berichtet. Geführt von einem Exil-Schweizer, Paul Hofmann, der sich bestens in der Gegend und auch mit Kaffee auskennt, sowie von einem Mitarbeiter der kolumbianischen Kaffeeorganisation FNC („Fondo Nacional del Café“), Camilo Gómez, hatten wir am Rande der Konferenz an zwei Tagen Gelegenheit, uns den Kaffeeanbau und  die Verarbeitung vor Ort anzusehen. Nun ist es zwar nicht das erste Mal, dass mein Chef oder ich in einem Kaffee-Ursprungsland waren, doch ist es für uns beide das erste Mal in Kolumbien – und das ist natürlich etwas Besonderes. So bestand Camilo schon einmal darauf, dass wir bei seiner Führung ganz traditionell kolumbianisch Poncho-Schal und Strohhut tragen.

Eine ganze Menge über den Anbau und die Verarbeitung von Kaffee erfährt man bei Don Alirio: Als Hobby und aus Passion hat er sich auf seinem Grundstück bei Chinchiná einen kleinen Kaffeegarten samt Mikro-Aufbereitungsanlage eingerichtet. Gerne führt er uns herum und erklärt uns beispielsweise noch einmal, warum man vermeiden solle, die unreifen, grünen Früchte zu pflücken, weil sie für einen adstringierenden (=zusammenziehenden) Geschmack sorgen würden (das liegt übrigens an den Dicaffeoylchinasäuren, die während der Reifung noch zurückgehen).

Nächste Verarbeitungsphase: Von den frisch geernteten Früchten muss das Fruchtfleisch entfernt werden (Fachwort: pulping). Wir sollen gleich einmal selbst den Prozess starten und die Kirschen von oben einfüllen. Eine Etage tiefer werden die Kirschen verarbeitet. Das besondere: Die Maschine entfernt das Fruchtfleisch der Kaffeekirschen (pulpa) komplett mitsamt der Schleimschicht (mucilage) – und arbeitet dabei unter extrem sparsamen Wasserverbrauch. Die noch nassen Bohnen sind jetzt nur noch von einer dünnen Schale, der sogenannten Pergamentschicht umgeben; sie werden über ein Lochblech nach Größe sortiert. Es folgt die Trocknung dieser sogenannten Pergaminhos auf Trockentischen. Der schwarze Untergrund des sinnig konstruierten Tisches, kombiniert mit Folienüberspannung, sorgt für eine optimale Nutzung der Sonnenkraft und für eine optimierte Durchströmung mit frischer Luft – gleichzeitig sind die Bohnen vor Regen geschützt. Anderswo werden noch Brennstoff-getriebene künstliche Trockner genutzt; Don Alirios Trockner hingegen ist 100% emmissionsfrei. Selbst der Rechen zum Wenden der Bohnen ist innovativ und wurde – wie manches Gerät auf Don Alirios kleiner Farm – im namhaften kolumbianischen Kaffee-Forschungszentrum Cenicafé entwickelt.

Wir fahren weiter ins nahe gelegene Cartago, um eine dry mill oder trilladora zu besichtigen. Bis kurz vor der Verschiffung bleibt der trockene Rohkaffee in seiner schützenden Pergamenthülle, erst dann wird er hier geschält, gereinigt und sortiert. Windsichter und Magneten entfernen Fremdkörper – Rütteltische, angeordnet in schiefer Ebene, klassifizieren die Bohnen nach Größe und Dichte – Formbleche sortieren nach Größe und Form (Flachbohne oder runde Perlbohne) – High-Tech-Apparate erkennen und eliminieren mit Hilfe von Detektoren und wohldosierten Pressluftstößen Bohnen, die womöglich von Schädlingen oder Schimmel befallen sind. Die klassifizierte Ware wird wieder neu abgesackt und für den Überseetransport fertig gemacht.

Begleitet wird das Ganze von ständigen Kontrollen im angeschlossenen Qualitätslabor, wo begutachtet, geröstet und verkostet wird.

In Filandia, einem pittoresken Städtchen im Hochland entdecken wir am zentralen Platz (der übrigens von originellen Willy-Jeeps wimmelte) „Jahn’s“, ein sehr stil- und stimmungsvolles Café mit ausgezeichnetem Espresso und leckeren Kuchenspezialitäten. Die Einrichtung ist sehr speziell und im Design ganz auf Kaffee ausgerichtet: Kaffeemosaike aus Röst- und Pergaminho-Bohnen und eine Theke aus sieben verschiedenen einheimischen Hölzern, alle in ihrer Naturfärbung!

Damit endet mein Café do Colombia-Bericht: An zwei Tagen die ganze Spannbreite des Kaffees in einem Kaffeeland zu erfahren, ist schon etwas Besonderes: Die Freundlichkeit der Menschen, ihre Lebensfreude, ihr Stolz auf ihren Kaffee, der fraglos unter den verschiedenen Kaffees der Welt einen Spitzenplatz einnimmt.

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6 Kommentare zu „Bericht aus dem Kaffeeland Kolumbien (Teil 2)

  1. Maria

    Kolumbien sit echt ein bemerkenswertes Land. So viel Kultur und Leben steckt fast nur dort. Toller Artikel!

  2. Paul Hofmann

    Gute, interessante Artikel, die du hier geschrieben hast. Es freut mich ganz besonders, dass es euch beiden hier in Colombia gut gefallen hat. siempre bienvenidos!

  3. Gastredakteur
    Gastredakteur

    Lieber Paul,
    vielen Dank für die lieben Grüße, die wir auf diesem Wege herzlichst zurücksenden! Und noch einmal Danke für die kompetente Führung! Lass es Dir weiterhin gut gehen! Saludos und Hopp Schwiiz!

    Dr. Gerhard Bytof

  4. Gastredakteur
    Gastredakteur

    Hallo Maria,

    es freut mich sehr, dass Ihnen der Artikel gefallen hat. Die Eindrücke stammen ja von uns. Wir hatten nur wenig Zeit, uns das Land anzuschauen, weil natürlich die Konferenz im Fokus stand – und doch ist ein zweiteiliger Beitrag entstanden. Wir waren auch sehr begeistert und fanden, dass Kolumbien – bei all den Problemen, die noch bestehen mögen – die positive Berichterstattung hier wirklich ehrlich verdient hat, einfach weil sich in den letzten Jahren offensichtlich so vieles so positiv entwickelt hat. Die tolle Kaffee-Konferenz ist nur ein Zeichen dafür. Wir drücken die Daumen dafür, dass es dort weiter vorangeht!

    Freundliche Grüße,

    Dr. Gerhard Bytof

  5. Gastredakteur
    Gastredakteur

    Hallo Maria,

    es freut mich sehr, dass Ihnen der Artikel gefallen hat. Wir hatten nur wenig Zeit, uns das Land anzuschauen, weil natürlich die Konferenz im Fokus stand – und doch ist ein zweiteiliger Beitrag entstanden. Wir waren auch sehr begeistert und fanden, dass Kolumbien – bei all den Problemen, die noch bestehen mögen – die positive Berichterstattung hier wirklich ehrlich verdient hat, einfach weil sich in den letzten Jahren offensichtlich so vieles so positiv entwickelt hat. Die tolle Kaffee-Konferenz ist nur ein Zeichen dafür. Wir drücken die Daumen dafür, dass es dort weiter vorangeht!

    Freundliche Grüße,

    Dr. Gerhard Bytof

  6. Gina Montoya

    Lieber Herr Bytof,
    Danke für den freundlichen Hinweis zu diesem interessanten Blog. Als Kolumbianerin freue ich mich natürlich sehr, dass mein Heimatland Sie so beeidruckt und Ihnen so gefallen hat. Dass der Kaffee aus Kolumbien der beste der Welt ist, wussten wir ja schon lange… ;-) Que viva Colombia!!!!
    Muchos Saludos
    Gina

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