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Cornel Kuhrt – Porträt einer Nachhaltigkeitsmanagerin

Darf ich Ihnen heute meine Kollegin Cornel Kuhrt vorstellen? Vielleicht haben Sie sie schon in einem unserer Filme aus Kenia gesehen und sich gefragt, wer die große blonde Frau inmitten der Kenianerinnen ist. Ich verrate es Ihnen: Das ist Cornel Kuhrt, die bei Tchibo als Senior Managerin Unternehmensverantwortung für Nachhaltigkeit beim Thema Kaffee verantwortlich ist.

Ein paar Stichworte zu ihrem beruflichen Hintergrund: Die studierte Juristin begann ihr Berufsleben 1989 beim Deutschen Kaffeeverband, da sie vom Produkt Kaffee „von Anfang an“ fasziniert war. Hier war Cornel Kuhrt in verschiedenen Positionen bis 2005 tätig. Die dafür notwendigen Kaffeekenntnisse erwarb sie während einer achtjährigen Unterbrechung, die sie beim Hamburger Kaffeeröster J.J. Darboven verbrachte.

Im deutschen Kaffeeverband verantwortete sie als Mitglied des Sekretariats der Initiative Common Code for the Coffee Community (4C) die Entwicklung des 4C Konzeptes. Wichtigstes Ziel ihrer Arbeit: Die Grundlagen für einen nachhaltigen Kaffeeanbau zu schaffen. Denn seit Auslaufen des Internationalen Kaffeeabkommens mit dem einhergehenden Wegfall der Quotenregelung herrschte aufgrund der damals niedrigen Kaffeepreise Krise in den Kaffee-Ursprungsländern. Die Folge: Die Kaffeebauern verdienten zu wenig am Kaffee. Um eine langfristige Perspektive für alle Akteure im Kaffeesektor zu schaffen, bedurfte es einer Neuausrichtung: Die schrittweise Umstellung vom konventionellen hin zum nachhaltigen Kaffeeanbau.

Das Anliegen ist heute aktueller denn je und wird bei Tchibo durch Cornel Kuhrt seit 2004 vorangetrieben. Warum aber liegt im nachhaltigen Kaffeeanbau auch für Tchibo die Zukunft? Cornel Kuhrt gibt Antwort.

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Cornel, die Entwicklung eines nachhaltigen Kaffeesektors und damit nachhaltiger Rohkaffees ist eine Deiner Kernaufgaben. Was treibt Dich an?

Cornel Kuhrt: Es geht um die Frage: Kaffee und Nachhaltigkeit, wie geht das? Wie kann Rohkaffee hergestellt werden, ohne dass es zu Lasten der Umwelt und der Menschen geht. Für Farmerfamilien ist ganz wichtig, dass auch ihre Kinder in der kommenden Generation vom Kaffeeanbau leben können.  Seit Beginn des 20. Jahrhundert hat sich viel verändert. Alle Akteure, also die Kaffeefarmer ebenso wie die Händler und Röster haben erkannt, dass nur alle gemeinsam etwas ändern können – und müssen.  Mich persönlich motiviert zum einen meine Überzeugung, dass wir uns langfristig darum kümmern müssen unsere Rohstoffe in den erforderlichen Mengen und Qualitäten zu erhalten. Zum anderen das Bewusstsein, etwas sehr sinnvolles zu tun und die Menschen in den Ursprungsländern darin zu unterstützen, sich selbst zu helfen.

Was sind die größten Herausforderungen in Deinem Job?

Cornel Kuhrt: Die drängenden Themen sind vielfältig: In vielen Ländern ist beispielsweise der Ertrag pro Kaffeestrauch viel zu gering.  Es fehlt der Zugang zu Finanzierungsmitteln für Investitionen. Zum Beispiel in eine effizientere Produktion und in Know-how über moderne und nachhaltige Produktionsmethoden. Auch die klimatischen Veränderungen in den kaffeeanbauenden Ländern müssen berücksichtigt werden. Die Ressourcen wie Land, fruchtbare Böden und Wasser sind begrenzt.  In Ostafrika etwa beträgt der Ertrag pro Baum oft – wenn überhaupt – nur 1 oder 2 Kilo Kaffeekirschen. Mit guten und nachhaltigen Agrarpraktiken können aber 20 kg und von guten Kaffeebauern sogar 30 oder 40 kg pro Kaffeebaum geerntet werden. Ganz zu schweigen von den Mengen in Brasilien oder Vietnam, die noch deutlich höher liegen.

Afrika liegt Dir besonders am Herzen?

Cornel Kuhrt: Jedes Land hat seine Faszination. Ich liebe aber in der Tat Ostafrika ganz besonders. Kenia, Tansania und Äthiopien – die Kultur, die Menschen, die Landschaft. Und es ist schön, dass unsere Arbeit bereits Erfolge zeigt. Wenn die Farmer 20 kg pro Kaffeestrauch statt 2 kg erzielen, macht das nicht nur die Farmer glücklich. Vor zehn Jahren war ich das erste Mal beruflich in Afrika. Jetzt sehe ich, dass die Trainings für nachhaltige Landwirtschaftspraktiken fruchten, und z.B. Farmerfrauen  wie Esther in unserem Mount Kenya Projekt  ihre Ernte von 700 kg auf weit über 2000 kg steigern konnten. Trotzdem ist immer noch sehr viel zu tun und wir erreichen viele der Kaffeefarmer – insbesondere Frauen, die in Afrika einen großen Teil der Arbeit im Kaffeeanbau leisten – noch nicht.

Tchibo engagiert sich zusätzlich zu den Agrartrainings und der Trainings zum Klimawandel für die Frauen am Mount Kenya. Warum?

Cornel Kuhrt: In Afrika sind Frauen der Motor der Entwicklung, aber leider erreichen wir sie mit den üblichen Maßnahmen oftmals nicht, da sie sich in der patriarchalischen Gesellschaft nicht angesprochen fühlen oder sich nicht trauen an den Trainingsmaßnahmen teilzunehmen. Wir halten es für wichtig, die Frauen stärker zu integrieren, denn sie sorgen dafür, dass die Kinder zur Schule gehen. Sie leisten einen großen Teil der Arbeit auch im Kaffeeanbau. Frauen haben zudem besonders in Afrika die großartige Eigenschaft ihr Wissen miteinander zu teilen und sich gerne in Selbsthilfegruppen zu organisieren. Wir erhoffen uns von unserem Engagement, die Gemeinschaften von denen wir Rohkaffees beziehen zu stärken, damit wir langfristig verlässliche Partnerschaften aufbauen können.

Darüber hinaus liebe ich die Herzlichkeit, Offenheit, den Lebensmut und den Willen der Frauen die Situation für ihre Familie und die Gemeinschaft zu verbessern. Ich bin fasziniert, wie schnell die Frauen das neu erlernte Wissen umsetzen.  Glücklicherweise finden immer mehr Frauen ihren Platz in kenianischen Organisationen und in der Wirtschaft. Auch in unserer Baragwi Kooperative gibt es jetzt eine Frau, die für Gender Issues, also Geschlechter Fragen, zuständig ist. Vor zehn Jahren hätte es das nicht gegeben.

Zu guter letzt: Wieviel Kaffee trinkt eine Kaffee-Managerin?

Cornel Kuhrt: Eine Menge Kaffee! Gerne mit etwas Milch, Cappuccino etwa. Nach dem Essen immer Espresso.

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