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Indien: 48 Stunden, 4 Plantagen, 2 Exporteure

Eigentlich bin ich auf dem Weg nach Hause. Aber wenn ich schon mal in dieser Ecke der Welt bin … dann schaue ich auch super gerne in Indien vorbei. Von Vietnam kommend, landen wir auf dem nagelneuen Flughafen der sieben Millionen Einwohner starken IT-Stadt Bangalore – und sind dann auch ganz schnell wieder weg aus dem Bundesstaat Karnataka. Vier Stunden geht es mit 130 Sachen durchs Land, das ist nichts für schwache Nerven, denn gerne kreuzt eine Kuh und die ist ja nun deutlich langsamer. Vor allem nachts kein Spaß: wenn unbeleuchtete LKW aus dem Nichts auftauchen … Davon abgesehen: Die Straßen sind überraschend gut, es wird viel gebaut, Infrastruktur geschaffen für den Anschluss der ländlichen Gebiete.

Und genau dahin bin ich unterwegs, in den südlichsten Zipfel Indiens – denn nur da wird Kaffee angebaut, im Norden fühlt sich der Tee wohler. Ich will in den Bundesstaat Kamataka. Und das heißt vor allem: immer schön die Nilgiris-Berge hoch. Hier herrscht das perfekte Klima für den besonderen indischen Kaffee: Monsunregen auf der einen Seite und perfekte Wärme auf der anderen … In keinem Land hat mich das Wetter bisher derart begeistert – zwölf Stunden angenehme Hitze von rund 30 Grad und abends kühlt es genau richtig ab. Kaffee hat halt einen guten Geschmack …

Endlich sind wir auf der ersten Plantage angekommen. Wir schaffen es gerade noch einmal um die Plantage herum, dann wird es auch schon wieder dunkel. Und wir haben unser Tagesziel noch nicht erreicht … Nach noch einmal 1,5 Stunden sind wir auf der Kaffeefarm – und bekommen auf 1.400 Metern Höhe erstmal wenig zu sehen: Die Kaffeeplantage liegt im dichtem Nebel und ansonsten ist es stockfinster. Die perfekte Entschädigung ist ein romantisches Lagerfeuer mit leckerem Barbecue mit der gesamten Crew eines Kaffeeaufkäufers – und ein „Kollege“ ist auch schon da: die Chefeinkäuferin von Lavazza … In gemütlicher Runde tauschen wir uns über die Unwägbarkeiten des Kaffeelebens aus.

Das Farmhaus ist sehr einfach, das Duschwasser kalt, aber das ist an solchen Orten eben normal – und ich bin es mittlerweile gewohnt. Morgens um acht, die anderen schlafen noch, mache ich mir ein Bild von der Plantage – und sehe immer noch keine Kaffeepflücker. Dafür aber Bethelnuss-Sammlerinnen. Wie Kaffee auch, werden die guten Nüsse zum Trocknen gelegt, die schlechten werden ausgekocht: Aus ihnen wird dann die rote Farbe für den berühmten indischen roten Punkt, den Bindi, hergestellt! Als sich dann die Sonne raustraut, wird auch der Kaffee aufbereitet und zum Trocknen in die Sonne gelegt. Und ich habe endlich Gelegenheit, die Schönheit der Plantage zu bewundern! In Indien gibt es für mich einfach die schönsten Kaffeeplantagen der Welt, oft umrahmt von sehr altem Baumbestand. Indien ist eben ein sehr altes Traditionskaffeeland – dadurch ist hier alles sehr gepflegt und professionell. Auch eine Besonderheit: In Indien ist die Qualität des Kaffees so gut, dass kaum Tassenproben gemacht werden – kontrolliert wird eher die Rohware.

48 Stunden, vier Plantagen und zwei Exporteure später, sitze ich wieder am Flughafen. Und warte darauf, dass nachts um drei mein Flieger nach Frankfurt startet. Undankbarerweise hab ich mir auch noch einen Schnupfen eingefangen. Und erlebe, dass die Inder nicht nur klasse Kaffee anbauen, sondern auch ein super Rezept gegen Erkältung auf Lager haben: Brandy, Pfefferkörner, Honig und richtig heißes Wasser – und am nächsten Morgen zuhause von der Erkältung keine Spur!

Ihr Andreas Christmann

 

  • Ab heute präsentiert Tchibo eine neue Privat Kaffee Rarität: Die Kaffeebohnen für „Nullore Estate“ stammen von der gleichnamigen Farm im indischen Westghat-Gebirge. Weitere Informationen zur Rarität finden Sie hier.

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2 Kommentare zu „Indien: 48 Stunden, 4 Plantagen, 2 Exporteure

  1. Ray

    Die FAIR-Produkte werben immer mit ihren fairen Bedingungen für die Produzenten. Können Sie etwas zu den Preisen bzw. Löhnen für die Arbeiter dort sagen?

  2. Sandra Coy
    Sandra Coy

    Hallo Ray,
    eine genaue Aussage darüber, wie viel die einzelnen Kaffeebauern verdienen, können wir an dieser Stelle aufgrund diverser Unterschiede im Anbau auf der ganzen Welt leider nicht treffen. Neben der Tatsache, dass es Lohnunterschiede in den einzelnen Ländern und Regionen gibt, sind viele Kaffeebauern, wie z.B. in Kenia selbständig und arbeiten für „die eigene Tasche“ oder z.B. haben nur temporäre Erntemitarbeiter. Tchibo strebt aber ein 100% nachhaltiges Geschäftsmodell an. Für Kaffee bedeutet dies, mittelfristig ausschließlich nachhaltig angebaute Kaffees anzubieten. Neben dem Barista Espresso, der Fairtrade zertifiziert ist, tragen alle Privat Kaffees das Siegel der Rainforest Alliance CertifiedTM und das Bio-Siegel. Insgesamt über 50% der zertifizierten, nachhaltigen Filterkaffees, die private Haushalte in Deutschland gekauft haben, stammen von Tchibo. Zusammen mit unseren Partnern wie Fairtrade, Utz Certified, der Rainforest Alliance und Organisationen, die hinter dem Bio-Siegel stehen, setzen wir uns für einen sozial- und umweltverträglichen Kaffeeanbau ein. Wenn Sie mehr über unser Engagement in diesem Bereich erfahren möchtest, schauen Sie doch die folgenden zwei Links an: https://bit.ly/Ka0e30 und https://bit.ly/ovY27u.

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