Alle Artikel

Tee oder Kaffee: Koffein ist nicht gleich Koffein!

Guten Morgen! Womit werden Sie wach? Mit einer Tasse Kaffee – oder gar mit einer Kanne Tee? Denn der Wachmacher Koffein ist bekanntlich auch im Tee, allerdings heißt er dort Thein. Macht der Morgen-Tee also genauso munter? Mich persönlich nicht, ich trinke Tee allerdings auch nur wenn ich erkältet bin.

Mein Kollege Dr. Gerhard Bytof (Tchibo Forschung & Entwicklung Kaffee) hat sich lange mit Koffein beschäftigt. Diese Fakten hat er mir berichtet: Dass es sich bei Thein und Koffein um ein und dieselbe Substanz handelt, hat der Chemiker Carl Jobst aus Stuttgart bereit 1838 nachgewiesen. Koffein gibt es außerdem auch in Kakao, Mate und Cola. Robusta-Kaffee enthält übrigens etwa doppelt soviel Koffein (zwei Prozent) wie Arabica-Kaffee.

Doch zurück zum Thein. Obgleich es sich bei Koffein und Thein um dieselbe Substanz handelt, wirken sie dennoch unterschiedlich. Warum? Das Koffein-Molekül ist im Kaffee an andere Stoffe gebunden als im Tee. Entscheidend hierbei sind die natürlichen Begleitstoffe des Koffeins, die mit ihm in der Pflanze einen Sandwich-artigen Komplex eingehen – und nach dem Verzehr die Koffein-Verfügbarkeit und somit auch dessen Wirksamkeit mit beeinflussen. Dieses „Sandwich“ ist bei Kaffee weniger ausgeprägt, so dass das Koffein im Kaffeegetränk zu über 90 Prozent unbeeinflusst und frei verfügbar vorliegt.

Bei Tee bilden Bitterstoffe, so genannte Polyphenole, zusammen mit dem Koffein einen stabileren Komplex. Folglich ist das Koffein im Teegetränk oft nur eingeschränkt verfügbar, vor allem wenn man den Tee länger ziehen lässt. Anders als Koffein benötigen die weniger gut löslichen Tee-Polyphenole länger, um nach und nach ins Getränk überzugehen, wo sie dann wieder das Koffein festhalten könnten.

Fazit: Kurz gezogener Tee macht also wach, weil ein Teil des Koffeins quasi ohne Partner dasteht und somit – ähnlich wie beim Kaffee – seine volle Wirkung entfalten kann.

Können Sie diese wissenschaftliche Erkenntnis bestätigen? Was ist Ihr persönlicher Wachmacher?

Diesen Artikel weiterempfehlen

10 Kommentare zu „Tee oder Kaffee: Koffein ist nicht gleich Koffein!

  1. Mel

    Mir ist Tee lieber, zum einenweil ich Kaffee nicht mag, zum anderen aber, weil Tee viel einfacher zu variieren ist, ohne das man Zucker oder milch braucht.

  2. Kerstin

    Ich liebe Kaffee und ich wusste zwar, dass Tee wach machen kann, habe aber das Gefühl, dass das bei mir nicht hilft zum Wachwerden.

    Mein persönlicher Wachmacher ist und bleibt deshalb der Kaffee! :)

  3. Carsten

    Hey,

    ich kann nur von mir sprechen…ich starte meist mit Tee in den Tag – und dabei wird es selten ein Schwarzer, manchmal ein Grüner, oftmals aber ein Kamillentee oder Pfeffermint, Fenchel und co.
    Erst um 10 Uhr gibt es dann den ersten Kaffee (Ausnahmen bestätigen die Regel ;)). Von da an gibt es noch 1-2 Kaffee über den Tag verteilt. Wenn es noch mehr Heißgetränke geben soll, dann am liebsten Schwarztee.

    Grüße

  4. camille 3.9

    mir gelüstet es morgens vorwiegend nach kafee, aber der herrliche Dust eines Camillen-Tees stiemuliert alle meine Sinne, sodass ich keine Sekunde noch zu wiederstehen vermag, die himmlische Gebreu einzunehmen.
    Mein ganz persönlicher Tipp: tut Krokantzucker in den Tee

  5. Jan

    Mir schmeckt inzwischen der Tee viel besser als Kaffee. Ich war immer ein leidenschaftlicher Kaffetrinker und habe Tee verschmäht. Inzwischen ändert sich das Verhältnis zugunsten des Tees. Es muss halt ein guter sein.
    Und seid mal ehrlich, Koffein hin oder her…. wenn man nicht Herzkrank ist, machts doch nichts aus oder?

  6. Thomas W Baumann

    „Obgleich es sich bei Koffein und Thein um dieselbe Substanz handelt, wirken sie dennoch unterschiedlich.“ Diese Aussage stimmt nicht, denn wir können diese ‚Substanzen‘ isolieren und zeigen, dass ihre Wirkung identisch ist. Es ist das Milieu, das den pharmakologischen Effekt moduliert, wie es der Beitrag erklärt. In der Logik der Sprache verbirgt sich die Logik der Dinge!

  7. Jan Wagenfeld
    Wagenfeld, Jan

    Mein Kollege Gerhard Bytof antwortet: Die sehr unterschiedlichen Erfahrungsberichte mit Tee und Kaffee, die hier gepostet worden sind, bestätigen, dass Menschen individuell sehr verschieden reagieren, was die Wirkung von Kaffee bzw. Tee angeht. Ich selbst trinke viel Kaffee, mag aber auch Tee, den ich dann sehr dunkel und wie die Iren und Briten mit Milch und Zucker trinke.
    Und dann hat da mich jemand bei einer unsauberen Formulierung ertappt – ausgerechnet mein sehr geschätzter früherer Lehrer und ausgewiesener Koffeinfachmann Thomas Baumann! Unbestreitbar: Wenn man vorausschickt, dass zwei Substanzen identisch sind, kann man nicht behaupten, dass sie als solche unterschiedlich wirken. Es muss exakt heißen: „Obgleich es sich bei Koffein und Thein um dieselbe Substanz handelt, wirken Tee- und Kaffeegetränke meist unterschiedlich.”
    Einen lieben Gruß in die Schweiz, lieber Thomas! Und an alle tiefer Interessierten posten wir gerne den Hinweis auf Deine Website: https://www.villacoffea.com/

  8. Norbert Klinkers

    Hey, Ich finde den Vergleich zwischen Kaffee und Tee sehr interessant. Was häufig in diesen Darstellungen vergessen wird ist das Guarana Pulver, welche auch eine sinnvolle Ergänzung zu Kaffee darstellt. Auf der Website https://www.wachmacher-test.de (habe ich auch über meinen Namen verlinkt) berichtet ein Student über seine Erfahrungen mit Guarana, das ist eigentlich ziemlich spannend. Viel Spass

    Beste Grüße
    Norbert

  9. Charles

    Was ich in dem Beitrag noch etwas vermisse (ok, es ging ja schließlich auch nur um die Gegenüberstellung von Kaffee und Tee) ist „Guarana“ (wie hier auch schon von Norbert in seinem Kommentar angesprochen).

    Guarana verbindet für mich die positiven Wirkungen von Tee + Kaffee ohne so aggressiv auf den Magen zu wirken, dennoch (durch das an Gerbstoffe gebundene Koffein, siehe https://guarana-wach.info/wirkung/ ) wirkt es sanft und langanhaltend.

    Am liebsten mag ich es in Verbindung mit Kakao – mhh einfach köstlich :-)

    Grüße aus Berlin,
    Charles

Hier kommentieren

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.