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Kundenfragen (1)

Können wir Kaffee noch mit gutem Gewissen trinken?

Wo kommt der Kaffee her, den wir trinken? Wie sind die Umwelt-, Lebens- und Arbeitsbedingungen in den Ernteländern? Kann man überhaupt noch guten Gewissens Kaffee trinken? Fragen, die nicht nur uns bei Tchibo beschäftigen, sondern auch immer mehr Kaffeetrinker. Das begrüßen wir – denn nur, wer etwas hinterfragt, kann auch etwas ändern. Daher werden wir uns in Zukunft regelmäßig mit diesen Fragen auseinandersetzen. Auf geht’s:

Schlechtes Gewissen? Gutes Gewissen?

Klimawandel, Brandrodung, Tiefstpreise für Kaffee an den Börsen. Bei diesen   Negativmeldungen kann man sich schon fragen, ob wir unser liebstes Heißgetränk guten Gewissen genießen können. Oder, anders gefragt: Was jeder einzelne von uns mit bewusstem Konsum dazu beitragen kann, dass auch der Farmer oder die Farmerin vom Kaffeeanbau leben kann – und das ohne Ausbeutung der Natur.

Die Faktenlage

Um diese Frage zu beantworten, muss man die Ausgangslage kennen.
Und da geht es schon los: Denn „den“ Kaffeefarmer gibt es nicht. Zu unterschiedlich sind die Produktionsländer. Was man aber sagen kann: Kaffee wird überwiegend von Kleinbauern angebaut, die über eine Fläche von maximal fünf Hektar verfügen. Eine Anbaufläche in dieser Größenordnung wird in der Regel selbst bearbeitet. Nur zur Ernte werden zusätzlich Pflücker angestellt. Die meisten Kleinbauern leben nicht vom Kaffee allein: Sie bauen zusätzlich – abhängig von der Region – Vanille, Pfeffer aber auch Bananen oder Maniok auf derselben Fläche an. Dieser Mischanbau ist gut: Durch die unterschiedlichen Bedürfnisse der Pflanzen, werden Nährstoffe im Boden besser und gleichmäßiger genutzt. Zudem wird der Massenausbreitung von Schädlingen entgegengewirkt, die besonders in Monokulturen ein Problem darstellt. Größere Pflanzen, wie Bananenbäume, spenden Schatten und verbessern die Qualität der Kaffeebohnen, denn die Kaffeekirschen reifen dann langsamer und können dadurch ein feineres Aroma entwickeln. Insgesamt sorgt der Mischanbau also neben einer weiteren Einkommensquelle für einen gesünderen Boden. All das hilft dem Kaffeebauern sein Einkommen zu sichern.

Aber: Was auch wir nicht immer wissen ist, ob der Kaffeefarmer beim Verkauf seiner Bohnen eine gute Verhandlungsbasis hat. Ist er Teil einer starken Genossenschaft? Ist diese transparent aufgestellt und zahlt die gemeinsam erwirtschaftete Prämie an die Familie? Oder weiß er gar nichts davon? Ist der Kaffeefarmer über die Börsenpreise informiert? Aber auch dann könnte es sein, dass er seine Kaffeebohnen aufgrund von Abhängigkeiten nur über Mittelsmänner verkaufen kann.

Was kann Tchibo tun?

Viele Produkte unseres Alltags kommen wie Kaffee aus tropischen Gegenden. Von der Politik, über die Infrastruktur, dem Preisgefüge und dem Aufbau der Wertschöpfungskette gibt es dort eine komplexe Interessenlage.

Daher machen wir die Gegenprobe: Würde es etwas ändern auf Kaffee zu verzichten? Klares Nein. Schon deshalb nicht, weil es dem Kleinbauern seine Lebensgrundlage entziehen würde.

Aber was ist dann eine Lösung?

Für Tchibo liegt sie im nachhaltigeren Kaffeeanbau. Daran arbeiten wir seit Jahrzehnten. Mittlerweile sind z.B. rund 50 Produkte aus unserem Kaffee-Sortiment Fairtrade-zertifiziert. Rund ein Fünftel aller Kaffees, die wir verkaufen, sind entweder Fairtrade- oder Rainforest Alliance-zertifiziert, stammen aus Bio-Anbau oder tragen eine Kombination aus mehreren dieser Siegel.

Und ja: Diese Zertifikate erlauben eine größere Transparenz in der Wertschöpfungskette. Ein Allheilmittel sind sie aber nicht! Trotz Siegel kann es vorkommen, dass die versprochenen Prämien nicht beim Kaffeefarmer ankommen. Da uns diese Defizite bewusst sind, suchen wir nach neuen innovativen Lösungen, wie wir langfristig und umweltschonend ein faires Einkommen für die Menschen ermöglichen können, die unseren Kaffee anbauen.

Dazu engagieren wir uns mit unterschiedlichen Maßnahmen:

Zum einen entwickeln wir unsere eigenen Lieferketten-Projekte im Rahmen unseres Tchibo Joint Forces!® Programms in unseren Kaffeeursprungsländern weiter.

Zum anderen arbeiten wir mit anderen Unternehmen und Nicht-Regierungsorganisationen zusammen, um nachhaltigere Anbaumethoden in Kaffeeanbauregionen, zum Beispiel im Süd-Osten Brasiliens, zu verbreiten.

Wir setzen auf langfristige Beziehungen zu unseren Kaffee-Händlern und arbeiten eng mit Farmer-Kooperativen zusammen. Wir suchen nach Lösungen, um unsere Kaffee-Lieferketten noch transparenter zu machen.

Außerdem beteiligen wir uns an globalen und politischen Diskussionen und Austauschformaten, um das Thema Nachhaltigkeit stärker im gesamten Kaffeesektor zu verankern und proaktiv weiterzuentwickeln.

Für uns steht fest: Es gibt noch eine Menge zu tun und wir möchten unseren Beitrag leisten. Was kann jeder Kaffeetrinker tun? Sich für bewussten Konsum entscheiden – und eine nachhaltigere Kaufentscheidung treffen. Unser Anspruch ist es, nachhaltigeren Kaffee bekannter zu machen und ein Bewusstsein für die Notwendigkeit für mehr Nachhaltigkeit zu schaffen.

Fakt ist: Nur gemeinsam können wir etwas ändern und verbessern. Daher: Bleibt kritisch!

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1 Kommentare zu „Können wir Kaffee noch mit gutem Gewissen trinken?

  1. Marvin

    Die Bedingungen in den Anbauländern sind immer noch katastrophal. Medienberichten zu folge, herrscht sogar noch auf UTZ zertifizierten Farmen Kinderarbeit. Zudem können Bohnen von UTZ zertifizierten Farmen mit Bohnen von nicht zertifizierten Farmen vermischt werden und am Ende erhält die Verpackung trotzdem das Siegel. So wird dem Verbraucher vorgegaukelt er würde ein fair angebautes Produkt kaufen, obwohl dem bei Weitem nicht so ist. Wirklich schade.

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