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Studenten übers Sharing (3)

„Seid mutig: esst krumme Gurken, der Sharing-Trend ist wie ein Ferrero Küsschen: teilen (nur) mit guten Freunden, Bohrmaschine gesucht und Sharing is caring“

„Was teilt ihr denn so im Alltag?“ Die Frage hat Annika Schach, Dozentin für Public Relations an der Hochschule Hannover, ihre Studenten gefragt. In einer dreiteiligen Serie erzählen sie uns was ihre Erfahrungen mit Sharing sind. Teil 3 – Amelie, Tara-Luise, Willy und Karoline über: Food-Sharing, die Sharing Grenzen, die Heimwerkerkarriere und Sharing is caring.

 

Seid mutig: esst krumme Gurken!

Mein Name ist Amelie Schneider. Ich studiere Public Relations in Hannover. Göttingen ist in den Semesterferien ausgestorben. Als ich im Hochsommer durch die Straßen wanderte, rollte höchstens ein filmreifer Steppenläufer an mir vorbei. Demnach verließ auch ich während der zweimonatigen Pause die Studentenstadt. Mein Kühlschrank war jedoch noch gut gefüllt. Mehrere Nektarinen, ein Salatkopf, viele Tomaten, eine Zucchini, sowie eine halbe Packung Kaffee suchten einen neuen Besitzer.

 

Ich stieß während meiner Suche nach einer Herberge für meine Lebensmittel, auf das „Weltladen Café“ in der Innenstadt. Die Betreiber haben ein Regal in den Eingang des Cafés gestellt, in das jeder Lebensmittel reinlegen oder rausnehmen kann. Ein Regal, das für jeden zugänglich ist – so einfach kann „Sharing“ sein. Als ich die Nahrungsmittel in den FairTeiler legte, fühlte ich mich gut! Ich muss zugeben, dass ich bis dato kein Paradebeispiel für nachhaltigen Umgang mit Lebensmitteln war. An das Thema hat mich meine Mitbewohnerin geführt, die im Supermarkt die eingedellten den straffen und wohlgeformten Paprikas vorzieht. „Die werden ja eh weggeschmissen und schmecken tun sie genauso!“ Diesen Gedanken hatte auch das „Weltladen Café“ und ging Kooperationen mit kleinen Lebensmittelläden der Stadt ein. Die Händler haben Probleme eine runzlige Tomate oder eine krumme Gurke an den Endkonsumenten zu verkaufen. Anstatt in den Müllcontainer zu wandern, findet das Gemüse erst einen Platz im FairTeiler und dann auf einem Teller. Find ich klasse! In Anbetracht einer Studie des WWFs ist dieser „Sharing-Trend“ nicht einfach nur ein Trend, sondern eine Maßnahme, die dabei helfen kann unsere Umwelt zu schützen. Durchschnittlich schmeißen die Deutschen pro Sekunde 313 Kilogramm an genießbaren Lebensmitteln weg. Bei Klimawandel und Hungersnot, ein ziemlich egoistisches Verhalten. Das Jahr ist noch jung – mein guter Vorsatz lautet (neben mehr Sport zu treiben): nachhaltig konsumieren!

 

Der Sharing-Trend ist wie ein Ferrero Küsschen: teilen (nur) mit guten Freunden

Ich heiße Tara-Luise Winkelmann und studiere Public Relations an der Hochschule Hannover im 2. Semester. Ich wohne in der Nähe von Minden. Nach dem Abitur habe ich eine Ausbildung zur Bürokauffrau gemacht und bereits anderhalb Jahre gearbeitet. Wolfgang Petry sang einst: „…teil mit dir mein letztes Hemd.“ Allerdings meinte er damit auch nicht irgendjemanden. Mit Freunden und Familie zu teilen ist für viele selbstverständlich. Früh übt es sich ja auch! Bei mir fing das damals in der Grundschule an, als ich mit einer Freundin meine Jeans gegen ihre tauschte.

 

Einmal angefangen packt einen wohl das Fieber. Jedenfalls sind die Schuhe meiner Mutter seitdem nicht mehr vor mir sicher. Warum trägt sie auch die gleiche Schuhgröße und hat so einen guten Geschmack? Zugegeben in diesem Falle ist das Sharing-Phänomen eher einseitig. Ich leihe mir Ihre Schuhe und meistens bekommt sie diese auch zurück. Wie häufig wir in unserem Alltag teilen ist uns oft gar nicht bewusst. Die Wohnung, das Essen, das Bett oder die Decke. (Immer wieder beliebter Streitpunkt von Paaren.)

Doch irgendwo hat das Teilen für mich auch Grenzen. Wenn mein Bruder sich vor Jahren meine erstes Auto geliehen hat, war ich jedesmal versucht ihn im GTA-Stil aus dem Wagen zu ziehen. Natürlich habe ich das bei meinem Bruder nicht getan. Dabei ist mir allerdings klar geworden: Ich könnte mir nicht vorstellen mit jemand Fremdes zu teilen. Dazu gehört eine große Portion Vertrauen und das baut sich nun mal bekanntlich erst auf. Dass der Sharing Trend den Geldbeutel schont möchte ich nicht abstreiten. Allerdings klingt Autosuche mit dem Smartphone, Fristen einhalten und verlängern für mich nicht gerade entspannend. Ich bin aber auch kein Kind der Großstadt. Aufgrund der Vielzahl an Möglichkeiten, über die Großstadtkinder von klein auf verfügen, haben diese vielleicht auch einen anderen Blickwinkel darauf.

 

Bohrmaschine gesucht

Ich bin Willy Schmidt, Student an der HS Hannover und belege den Studiengang Public Relations. Privat bin ich nicht gerade Heimwerker, viel Werkzeug gibt es bei mir also nicht. Das hat mich zu meinem ersten Mal „sharen“ veranlasst.

 

Mitte September 2017. Sperrige Versandkartons stapeln sich in meinem unmöblierten Zimmer. Darin verpackt: mein Kleiderschrank. Ich sitze auf dem Boden, lese die Montageanleitung. Sieht machbar aus, denke ich mir, bis ich die benötigten Werkzeuge sehe. Hammer, Zange und: Bohrmaschine. Verdammt. Meine Augen weiten sich. Im Werkzeugschrank meiner neuen WG werde ich nicht fündig und der Neupreis des Geräts übersteigt mein Budget. War es das jetzt also mit meiner Heimwerkerkarriere? Mittlerweile weiß ich, dass es im Internet eine Reihe von Portalen gibt, auf denen man sich Dinge wie Werkzeug, Kochutensilien und Sportgeräte von Menschen aus der Umgebung leihen kann. Einfach so. Manchmal mit, meistens aber ohne Leihgebühr. Und tatsächlich liefert der Suchbegriff „Bohrmaschine“ in Kombination mit meiner Postleitzahl in allen Portalen eine ansehnliche Trefferliste.  Ich frage mich, wer hinter diesen Anzeigen steckt. Sind es junge Menschen, die gerne mit anderen teilen? Und wie läuft das eigentlich ab, wenn ich mir die Bohrmaschine von einer fremden Person aus der Nachbarschaft leihe? Bekomme ich noch ein paar Tipps mit auf den Weg, was Wandstärke und geeignete Bohrer angeht? Machen wir am Ende Nägel mit Köpfen, und ich bekomme sogar noch Hilfe beim Aufbau?

Bisher habe ich keine Antworten auf diese Fragen gefunden. Denn damals, im September, half mir der Freund meiner Mitbewohnerin weiter: Im Kofferraum seines Autos fuhr er eine ansehnliche Werkzeugsammlung spazieren, und ein paar Stunden später war mein Schrank fertig aufgebaut.

 

Sharing is caring

Mein Name ist Karoline Czychon, bin 20 Jahre alt und studiere in Hannover Public Relations. Sharen? Tu’ ich bisher nicht. Auseinandersetzen tu’ ich mich aber schon lange mit dem Thema.

Bisher kannte ich es allerdings nur aus dem Privatbereich – von Bürger zu Bürger sozusagen. Start-Ups, die sich nur auf’s Sharing konzentrieren, gibt es ja immer häufiger. Dass aber ein bekanntes Unternehmen wie Tchibo mitmischt, ist neu für mich. Überraschend. Aber auch irgendwie cool. „Nachhaltigkeit“ ist ja sowieso ein inflationärer Trend, aber in diesem Zusammenhang macht es wirklich Sinn. Babys und Kleinkinder wachsen so schnell aus ihrer Kleidung raus, die aber noch in einem top Zustand ist. Manches tragen sie dann wirklich nur ein paar Wochen oder wenige Monate. Warum also Kleidung immer kaufen, wenn man sie auch mieten und wiederverwenden kann?

Für mich ist das Thema Babykleidung momentan noch nicht so relevant. Mit 20 habe ich noch nicht an Familienplanung gedacht. Also brauch’ ich auch keine Kinderkleidung. Am Besten wäre ein zusätzliches Angebot für alle Altersgruppen, wie z.B. ein Miet-Service für technische Geräte.  Eine Kamera für schönere Urlaubsfotos, ein Beamer für einen Heimkino-Abend mit Freunden. Dinge, die teuer sind und nicht täglich, sondern nur ab und zu gebraucht werden. Ich bin mir sicher, dass viele Leute so ein Angebot nutzen würden. Denn es ist egal, ob man 20, 35 oder 60 Jahre alt ist – technische Geräte nutzt und braucht quasi jede Generation. Vielleicht werde ich dann ja doch noch zum Sharer.

 

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