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Green Fashion: 10 Fragen an FÜR SIE Mode-Experten Jörg Bluhm

Jörg Bluhm, Ressortleiter und Redakteur für den Bereich Mode, Living und Lifestyle der Zeitschrift FÜR SIE kennt die Modebranche in- und auswendig. Kein Trend geht an ihm vorbei! Schon gar kein nachhaltiger. Hat Green Fashion mittlerweile die Öko-Ecke verlassen? Ist fair nun das neue Schwarz?

Jörg Bluhm, Sie haben die Modebranche unmittelbar im Blick: ist es aktuell „in“ fair und umweltfreundlich produzierte Mode zu tragen?

Jörg Bluhm: Auf jeden Fall! Der Nachhaltigkeitsgedanke ist aktueller denn je und wird auch in Zukunft immer bedeutender für den Verbraucher werden. Vor allem der Modemarkt wird sich künftig intensiver darauf einstellen müssen, den Wünschen und Anforderungen der Kunden hinsichtlich nachhaltig produzierter Kleidung gerecht zu werden.

Verliert nachhaltige Mode also den Öko/Nischen-Anstrich?

Jörg Bluhm: Den „Öko-Anstrich“ gibt es nicht mehr. Die neuen nachhaltigen Looks, die übrigens auch von vielen bekannten Modelabels umgesetzt werden, sind modern, tragbar und sehr variantenreich.

 

Ist der Trend – wie so oft – eine Frage des Alters? Sind vor allem junge Frauen und Männer an nachhaltiger Mode und verantwortungsbewusstem Konsum interessiert?

Jörg Bluhm: Das hat eher weniger mit dem Alter zu tun. Der Modeeinkauf wird ja allgemein eher von Frauen getätigt. Daher ist das ökologisch Bewusstsein eher bei Kundinnen anzutreffen – und das in jeder Altersgruppe.

Suchen KundInnen bewusst nach fairer, nachhaltiger Mode oder handelt es sich gerade im Massenmarkt noch eher um einen Mitnahmeeffekt?

Jörg Bluhm: Große Modeketten entwickeln nachhaltige Kollektionen um dem Wunsch der Masse zu entsprechen und um auf diesen Trend aufzuspringen. Trotzdem ist nachhaltige Mode teurer und das Interesse daher eher einer finanzkräftigen Käuferschicht zuzusprechen. Diese hat insgesamt auch ein stärkeres Umweltbewusstsein.

Was ist den Leserinnen wichtiger: Ökologische Stoffe oder die faire Behandlung von Näherinnen und Farmer?

Jörg Bluhm: Diese Aspekte kann man nicht getrennt betrachten. Eines hängt stark mit dem anderen zusammen, also ist der ganze Prozess relevant. Nachhaltigkeit sollte von der Produktion bis zur Lieferung reichen. Um zum Kunden Vertrauen aufzubauen, sind Aufklärung und transparente Informationen sowie die Glaubhaftigkeit des Nachhaltigkeitsgedankens wichtig.

Passt nachhaltiger Konsum und Fashion denn überhaupt zusammen?

Jörg Bluhm: Natürlich passt das! Wichtig ist nur die Einsicht der KundInnen und Kunden, dass nachhaltige Mode auch ihren Preis hat, denn Billigware kann nicht fair und verantwortungsbewusst produziert werden.

Gibt es den Trend, weniger und dafür bewusster und zeitloser zu shoppen?

Jörg Bluhm: Leider gibt es den noch nicht. Aber das Bewusstsein ändert sich gerade Richtung: weniger ist mehr und Klasse statt Masse. Damit die Kundinnen und Kunden überhaupt nachhaltig einkaufen können und auch auf den Gedanken des bewussten Einkaufens aufspringen, müssen sie gut in Sachen nachhaltiger Fashion- und Stylingtrends beraten werden. Wenn mehr Geld für nachhaltige Kleidung ausgegeben wird, muss man allerdings auch wissen, dass das Modeteil zur Garderobe passt.

Bei welchem Kleidungsstück lohnt es sich denn tatsächlich mehr Geld auszugeben und dafür lange etwas davon zu haben?

Jörg Bluhm: Am besten man kauft Basics, in die man mehr investiert. Diese Teile sind dann zeitlos und können zu jedem Anlass getragen und kombiniert werden. Hier ist die modische Beratung besonders wichtig!

Ihr Meinung: ist Nachhaltigkeit eine vorübergehende Modeerscheinung?

Jörg Bluhm: Das Bewusstsein schonender und verantwortungsbewusster mit der Umwelt umzugehen ist kein Trend. Das ist eine gesellschaftliche Entwicklung und ein Umdenkprozess, der hoffentlich auch in Zukunft immer wichtiger werden wird.

Wo wird es künftig noch viel mehr Nachhaltigkeit geben?

Jörg Bluhm: In allen Bereichen des Lebens – Smart Homes, Energie, Mobilität, Mode, Lifestyle und Ernährung. Inzwischen werden ja sogar Kreuzfahrtschiffe entwickelt, die mit Solarenergie betrieben werden – und anstatt zu fliegen, gibt es dann ja vielleicht „beam me up, Scotty“…

Danke für das Gespräch!

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