Alle Artikel

Ocean Plastic

Sportmode aus Ozeanmüll – keine gute Lösung?

Karen May, Head of Active Wear, Tchibo

Gegen Sportmode aus angeschwemmten Plastikmüll kann doch niemand etwas haben? Immerhin erhält dieser Abfall, der meist aus alten PET-Flaschen oder Fischernetzen besteht, ein zweites Leben! Vielleicht ist es nicht ganz so einfach: Kritiker meinen, dass durch das Recycling das Plastikproblem sich nicht lösen lässt. Auch gäbe es nicht genug alte PET-Flaschen in Asien (wo wir produzieren). Ich sprach dazu mit meiner Kollegin Karen May, sie verantwortet unsere Sport- und Outdoor-Kleidung.

Sportmode von Tchibo aus recycelten Materialien

Karen, gibt es tatsächlich nicht genug alte PET-Flaschen?

Karen May: Wir produzieren hauptsächlich in Fernost und bedienen uns aus den dort anfallenden bestehenden Abfallquellen und machen daraus Neues. Dort fallen aktuell noch sehr viele gebrauchte PET-Flaschen als Abfall an. Zu beachten ist, dass nicht in allen Ländern eine Trinkwasserqualität beim Leitungswasser vorhanden ist. Damit wirklich keine neuen PET-Flaschen für unsere Produkte verwendet werden, wirken wir mit der Lieferkettentransparenz entgegen. Wir tracken jedes Produkt bis zum Garnhersteller. Und setzen für unsere Produkte überwiegend nach dem GRS Standard zertifizierte Garne ein, dadurch wird sichergestellt dass keine neuen PET Flaschen verwendet werden. Zusätzlich lassen wir uns die Materialeinsätze durch unsere Lieferanten bestätigen.

Eine absolut transparente Lieferkette ist aber schon eine Herausforderung?

Karen May: Klar, das Thema steht und fällt mit einer transparenten Lieferkette, deshalb tracken wir, wie gesagt, jedes recycelte Produkt bis zum Garnhersteller und halten nach, woher das Garn kommt und mit welchem Verfahren entweder textiler oder nicht textiler Abfall recycelt wurde, um auf der Basis die eingesparten CO2 Emissionen zu ermitteln. Reicht das? Nein. Wir müssen unsere Transparenz noch weiter erhöhen: Woher kommt der Abfall genau. Das ist gewiss herausfordernd.

Viel Ozean Müll ist angeblich sehr verschmutzt?

Karen May: Hier entwickelt sich die Recyclingtechnologie sehr stark weiter. Aquafil ist beispielsweise mit seinem innovativen Regenerationssystem in der Lage, alte Fischernetze zu richtig hochwertigem Garn zu verarbeiten. Damit kann natürlich nur ein kleiner Teil des Ozean Mülls verarbeitet werden. Aber es ist ein wichtiger Schritt und Anfang für uns.

 

Könnten PET-Flaschen in Fleece Jacken für noch mehr Mikroplastikabrieb sorgen?

Karen May: Egal ob Frisch- oder recycelte Fasern: Aufgeraute Fasern wie Fleece haben den höchsten Mikroplastikabrieb. Der Abrieb findet also genauso bei einer Fleecejacke aus konventioneller Synthetik statt. Der Abrieb von Mikrofasern ist eine große Herausforderung für uns, der wir uns stellen müssen. Wir möchten einerseits Produkte mit einer hohen Funktionalität und Qualität für unsere Kunden anbieten – und gleichzeitig die Umwelt schonen. Aktuell gibt es dafür noch keine einfache Lösung.

Ist Plastik aus dem Ozean eine „Blackbox“ in Bezug auf Schadstoffe?

Karen May: Natürlich haben wir es hier ein erhöhtes Risiko einer zusätzlichen Kontamination über die Umwelt. Unabhängig von Quelle und Technologie müssen aber alle unsere Produkte unsere Qualitäts- und Schadstoffanforderungen erfüllen und unterliegen daher strengen Tests.

Dennoch: Enthalten die Fasern wirklich krebserregendes Antimontrioxid?

Karen May: In den meisten Ländern wird Antimontrioxid als Katalysator bei der PET-Herstellung verwendet. Das lässt sich in der Regel bereits in geringen Spuren in abgefüllten Getränken nachweisen. Allerdings: Der Antimon-Gehalt in den getesteten Getränken liegt deutlich unter den Trinkwasserverordnungen der (von verschiedenen Ländern) empfohlenen Grenzwerten.

Und unabhängig davon, ob ein Produkt recycelte Materialien – oder Fasern aus neuen Quellen – enthält, durchläuft es bei uns in der Qualitätsentwicklung und -sicherung einen umfangreichen Prozess. Zusätzlich muss für jedes Endprodukt die Hautverträglichkeit durch chemisch-analytische Prüfungen und die Gebrauchstauglichkeit durch physikalische Prüfungen von unabhängigen, akkreditierten Prüfinstituten bestätigt werden. Die Basis für die chemisch-analytischen Prüfungen ist unsere Restricted Substances List (RSL), deren Anforderungen über die gesetzlichen Richtlinien hinausgehen. Deswegen: Entwarnung, unsere Textilien aus recycelten Materialien beeinträchtigen die Gesundheit der Träger in keiner Weise.  

Wie sieht es mit dem Recycling von Alttextilien aus?

Karen May: Das Recycling von Alttextilien ist aktuell meist ein „Downcycling“. Das heißt, die Textlien werden zu weniger wertvollen Produkten, wie Putzlappen oder Isoliermaterial recycelt. Das Recycling zu neuen Textilien hängt stark von der technologischen Entwicklung im Sortier- und Recyclingprozess – und vom Produktdesign – ab. Mischfasern sind zum Beispiel nicht leicht zu recyceln. Die Recylingfähigkeit unserer Produkte möchten wir in Zukunft noch weiter verbessern.

 

Danke Karen für das Gespräch!

 

 

 

Diesen Artikel weiterempfehlen

Hier kommentieren

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.