Alle Artikel

#Time4Green: Green Fashion

Das Blog-Interview: warum die Produktion von Green Fashion gar nicht so einfach ist

Gute Nachrichten für alle, die gleichzeitig nachhaltige Kleidung tragen und Fashion-Bloggerinnen optisch in nichts nachstehen wollen. Für unsere neue Green Fashion Kollektion aus recycelten Materialien haben sich viele Kolleginnen und Kollegen bei uns mächtig in Zeug gelegt: Produktmanagerinnen, Designerinnen, Einkäufer und weitere Lieferketten-Experten. Die Entwicklung der tollen Fashionteile war tatsächlich nicht einfach, die Rede ist von Materialien die auf links gedreht wurden und einem Wollmantel, der ganz schön Kopfschmerzen bereitete. Das erzählten mir Designerin Helene Kaiser, Produktmanagerin Andrea Bitzer und Sabrina Müller aus unserem Nachhaltigkeitsteam.

Erzählt doch mal, was das Besondere an unserer neuen Green Fashion Kollektion ist?

Helene Kaiser: Der Anspruch an die neue Green Fashion Kollektion war auf jeden Fall ein höherer Designanspruch – bei der Appachi Kollektion im vergangenen Jahr haben wir ja mehr auf Basics gesetzt –  und dass sie sich stilistisch von den anderen Kleidungsstücken der Wochenwelt abgrenzt. Außerdem sollte die Kollektion eine Art „Premium-Appeal“ bekommen. Die Herausforderung: den Look mit den zur Verfügung stehenden nachhaltigen Materialien umzusetzen. Die Green Fashion Kollektion bietet nun vor allem richtige „Keypieces“, also Statement-Mode. Eine echt besondere Nachhaltigkeitskapsel.

 

Neu ist bei dieser Kollektion auch, dass wir nicht nur nachhaltige Baumwolle sondern auch Recyclinggarne verwenden?!

Helene Kaiser: Ja genau, das ist neu und auch erst im Zuge der Entwicklung der Kollektion entstanden. Durch den neuen Designanspruch war schnell klar, dass wir weitere Materialien als Baumwolle benötigen. Insbesondere der Plisseerock, die Marlenehose und ganz besonders der Wollmantel haben uns da vor Herausforderungen gestellt. Am Ende haben wir aber einen, für uns neuen, Standard in der Nachhaltigkeitsmaterialität gesetzt.

Wie ist da der Vorgang? Sagt ihr, dass ihr so einen Rock haben wollt und stellt dann fest, dass der aus Biobaumwolle natürlich nicht umsetzbar ist?

Andrea Bitzer: Ja so ungefähr. Wir schauen im Prinzip, welche Materialien wir brauchen und welche Qualitätseigenschaften diese haben sollen. Beim Rock brauchen wir zum Beispiel einen fließenden Fall des Materials, wodurch wir schnell im Bereich der synthetischen und ähnlichen pflanzlichen Fasern gelandet sind. Mit unseren Lieferanten haben wir dann gemeinsam daran gearbeitet, das Produkt mit nachhaltigen Materialien zu realisieren. Das hat uns gezeigt, dass es an der Zeit ist, das Repertoire an nachhaltigen Materialien zu erweitern.

Noch relativ neu – auch am Markt – ist der Einsatz von recycelter Wolle. Was ist das Besondere daran?

Sabrina Müller: Das Schöne an recycelter Wolle ist, dass wir zwei Geschichten erzählen können und damit auf zwei Nachhaltigkeitsziele einzahlen: Einerseits reduzieren wir durch den Einsatz von recycelter Wolle den Einsatz neuer Rohstoffe. Das entspricht der Kreislaufwirtschaft im Sinne unseres Closed Loop Commitments.

Andererseits spielt beim Ursprung von Wolle für uns das Thema Tierschutz und damit die Haltung von Schafen natürlich eine wichtige Rolle.- Wir sind der festen Überzeugung, dass Tiere ethisch und artgemäß behandelt werden sollten und setzen uns hierfür im Dialog mit Stakeholdern ein. Durch den Einsatz von recycelter Wolle verhindern wir zwar nicht direkt, dass Schafe nicht artgemäß gehalten oder geschoren werden aber wir reduzieren den Bedarf an neuer Wolle. Dass wir mit den Wollprodukten durch mehrere Lebenszyklen arbeiten, schätzt den Wert von diesem hochwertigen Material wie ich finde nochmal neu.

Wie funktioniert recycelte Wolle denn überhaupt?

Sabrina Müller: Für unseren Mantel aus recycelter Wolle wurden Stoffreste aus der Produktion genutzt. Diese werden nicht einfach so weggeschmissen, sondern zerkleinert, wiederaufbereitet und zu neuem Garn versponnen. Das aufbereitete Garn kann dann wie neues Material eingesetzt werden.

 

Hat es denn richtig Spaß gemacht, sich Gedanken zu machen, wie man die recycelten Materialien einsetzen kann?

Helene Kaiser: Ja auf jeden Fall! Es waren teilweise auch kreative Lösungen gefragt, wie zum Beispiel bei dem Material, welches wir für das Kleid und den Rock verwendet haben: hier haben wir ein bestehendes Material mit körniger Struktur einfach mit Innenseite nach außen verarbeitet, um die satinierte Oberfläche zu bekommen. Das war alles eine wirkliche Herausforderung, weil wir einen bestimmten Look erzielen wollten und das im Zusammenhang mit nachhaltigen Materialien. Ein kleiner Krimi. Wir haben uns Stück für Stück vorgearbeitet.

 

Welches Kleidungsstück war denn die größte Herausforderung?

Helene Kaiser:  Der Mantel! Der stand eigentlich von Anfang an auf der Kippe und es ist eigentlich unglaublich, dass er schlussendlich funktioniert hat und auch so fantastisch aussieht.

Sabrina Müller: Der Mantel besteht aus zwei Recyclingmaterialien – 50% recycelte Wolle und 50% recyceltes Polyester. Wir wollten unbedingt beide Materialien verwenden, um unseren eigenen Anspruch bestmöglich zu erfüllen. Zusätzlich wollten wir dabei natürlich auch unsere Detox-, Schadstoff- und Qualitäts-Ansprüche nicht außer Acht lassen. Beachtlich, was unsere Kollegen in Qualität und Einkauf da geleistet haben.

Gibt es den einen Lieferanten, der für Tchibo die nachhaltigen Garne produziert?

Andrea Bitzer: Zu uns kommen Lieferanten und stellen uns ihre nachhaltigen Materialien vor. Dann arbeiten wir damit weiter. Aber es geht auch andersrum: wir sagen, dass wir eine bestimmte Qualität und Optik brauchen, um einen bestimmtes Produkt zu entwickeln. Und wenn dies dann mit Synthetikfasern wie Polyester zu erzielen ist, versuchen wir dies aus recycelten Fasern umzusetzen.

Sabrina Müller: Bei der nachhaltigen Baumwolle war der Prozess anfangs ähnlich: Wir hatten die Baumwolle von einem Farmer mit einer bestimmten Qualität. Und daraus haben wir das Produkt erarbeitet.

Andrea Bitzer: Der Anspruch an die Kollektion war ja, zeitlose aber dennoch moderne „Keypieces“ zu entwickeln, die von hoher Qualität und Wertigkeit sind. Trotz der Modernität sollten sie aber universal einsetzbar und flexibel mit dem bereits bestehenden Teilen im Schrank zu kombinieren sein.

Das ist ja auch unser Anspruch: Also dass die Teile nicht jahrelang im Schrank verstauben sondern oft getragen werden – keine Fast Fashion also!

Andrea Bitzer: Ja genau. Also die Teile sind schon alle modern aber auf jeden Fall wesentlich länger als eine Saison tragbar.

Helene Kaiser: Man muss sie als kleine Designerstücke mit Besonderheit sehen.

 

Was wäre euch noch wichtig zu sagen?

Helene Kaiser: Es hat enormen Spaß gemacht mit einem eng verzahnten Team an einer Nachhaltigkeits-Kollektion zu arbeiten – und dann auch dieses sehr schöne Ergebnis zu sehen.

Andrea Bitzer: Wichtig ist mir auch der Ausblick. Ich glaube, dass es total wichtig ist, das Repertoire an nachhaltigen Materialien weiterhin auszubauen. Bei der Kollektion kamen wir ganz stark vom Aspekt welche Materialien wir zur Verfügung haben und welche Styles damit umsetzbar sind, und eigentlich wäre das umgekehrt schöner.

Sabrina Müller: Das wäre aus meiner Perspektive natürlich der allerbeste Ausblick: Wenn es irgendwann nur noch nachhaltige Materialien und Styles gibt.

Danke für das Gespräch!

 

Diesen Artikel weiterempfehlen

Hier kommentieren

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.