#Time4Green: Ocean Plastic

Erfolgsgeschichte ECONYL®: Mode aus Meeresmüll

Was denken Sie beim Wort Ozean? Türkisblaue Wassermassen, schaumige Wellen und bunte Korallenriffe? Oder: hunderttausende Teile Plastikmüll, auch als Ocean Plastic bekannt?

Unter dem Motto  #Time4Green wollen wir in den nächsten sechs Wochen mit verschiedenen nachhaltigen Themenwelten zum nachhaltigen Konsum inspirieren. Von Sportmode aus recycelten Materialien über umweltfreundlich imprägnierte Regenkleidung, Sockenwelten mit Bio-Baumwolle bis hin zu einer ganzen Green Fashion Kollektion. .

Dabei spielt auch das Thema Ocean Plastic eine Rolle. Denn Teile unserer Sport-Kollektion bestehen aus ECONYL®-Garn, einer innovativen und nachhaltigen Nylonfaser, die aus regenerierten Abfällen wie zum Beispiel Fischernetzen gewonnen wird. Warum Fischernetze? Tatsächlich verursachen sogenannte Geisternetze, also im Meer weggeworfene Netze, einen Großteil des Meeresmülls. Damit nicht genug: viele Meeresbewohner verenden in den Maschen der alten Fischernetze. Umso wichtiger, diese Netze einzusammeln – und bestenfalls etwas sinnvolles aus ihnen zu machen. Zum Beispiel ein Sport-Bustier, für das wir umgerechnet 12,2 Gramm Fischernetze verarbeitet haben.

Die Firma Aquafil stellt das nachhaltige und innovative Bekleidungsgarn ECONYL® her.

Giulio Bonazzi hat den Prozess zur Herstellung des Garns in jahrelanger Arbeit entwickelt, er ist Vorsitzender der Unternehmensgruppe Aquafil. Ich freue mich sehr, dass er die Zeit fand, mir brennende Fragen zu beantworten.

 

Herr Bonazzi, gab es denn einen bestimmten Auslöser, der Sie angeregt hat dieses „Ozean-Garn“ zu erfinden?

GB: Ich war immer der Überzeugung, dass die Umwandlung eines traditionellen Geschäftsmodells in ein Geschäft mit geschlossenem Stoffkreislauf der einzige Weg ist, die Herausforderungen eines Marktes zu meistern, der sich schnell verändert. Und so war es für Aquafil eine Selbstverständlichkeit, zu studieren, wie man nachhaltige Stoffe herstellen kann, die geringere negative Auswirkungen auf die Umwelt haben. Das hieß, ECONYL® Garn aus einer ganz anderen Quelle zu produzieren.

 

Wie lange haben Sie für die Entwicklung des ECONYL® Garns gebraucht?

GB: Unser ECONYL®-Garn wurde 2011 nach vier Jahren und 25 Mio. € Investition in die Forschung entwickelt. Und das war nur die Anfangsinvestition. Wir investieren kontinuierlich  weiter in Forschung und Entwicklung, um Fabrik und Lieferkette weiter zu optimieren.

 

Wo kommt der Müll her, den Sie verwenden? Wer sammelt ihn ein?

GB: ECONYL® regeneriertes Nylon verwandelt Abfallprobleme zu außergewöhnlichen Mode- und Einrichtungs-Lösungen. Es wird hergestellt, indem Nylonabfälle aus der ganzen Welt – wie Fischernetze aus den Ozeanen und der Aquakultur, Stoffreste von Teppichen, die für die Mülldeponie bestimmt sind – wiedergewonnen und zu Nylongarnen für die Modeindustrie verarbeitet werden. Aquafil entwickelte im Laufe der Jahre eine sehr spezielle Lieferkette, die es ermöglicht, den Nylonabfall auf der ganzen Welt zu sammeln. Nichts Ähnliches existierte vorher.

 

Warum sind alte Fischernetze so ein Problem für die Umwelt?

GB: Sogenannte Geister-Netze machen 10% des globalen Meeresmülls aus und sind eine Bedrohung für alle Arten von Meerestieren. Durch die Initiative „Healthy Seas“ sammeln freiwillige Taucher diese verlassenen Netze in Europas Meeren ein. Und wir produzieren daraus brandneuen Nylon-Garne.

 

Wie kommt der Meeres-Müll zu Aquafil?

GB: Der Abfall wird durch verschiedene Initiativen und Projekte gesammelt:
Das ECONYL® Reclaiming Program – Unsere für Rückgewinnung zuständigen Manager erweitern ständig die weltweite Müllsammlung mit Sammelpunkten in den USA, Ägypten, Griechenland, Pakistan, Thailand, Norwegen und der Türkei – für alle Arten von Nylonabfällen.

  • Die Healthy Seas-Initiative – freiwillige Taucher sammeln verlassene oder verlorene Geisternetze vom Meeresboden in Belgien, den Niederlanden, Italien, Griechenland und Kroatien.
  • Net-Works ™ – gegründet durch Interface und die Zoological Society London, ist eine soziale Initiative. Sie ermächtigt Küsten-Bewohner auf den Philippinen und in Kamerun weggeworfene Fischernetze zu sammeln und zu verkaufen.
  • Aquafil Teppich Recycling: Wir haben in den USA eine Anlage gegründet, die es uns ermöglicht Nylonabfälle von alten Teppichen zurückzugewinnen. Die erste Fabrik befindet sich in Phoenix, wir wollen aber viele dieser Recycling-Anlagen an anderen Standorten eröffnen

Gibt es regionale Beschränkungen? Wie funktioniert die Verarbeitung?

GB: Nein, Nylonabfälle werden weltweit gesammelt und in unser ECONYL® Werk zur Müllbehandlung in Ajdovščina, Slowenien, geschickt. Dort werden die Abfälle vorbereitet, die dann zu unserer Fabrik in Ljubljana gefahren werden. Hier werden die Abfälle zu ECONYL®-Garn regeneriert, dieses Garn funktioniert genauso gut wie neues Nylongarn. Aber es hat eine ganz andere Geschichte – in Bezug auf Herkunft und Zukunft: mit unserem ECONYL ® Garn ist der Abfall nicht das Ende, sondern der Anfang.

 

Was sind Ihre größten Herausforderungen im Herstellungsprozess?

GB: Die Abfallwirtschaftsgesetze in der EU sind sehr anspruchsvoll, und das trifft auch auf Slowenien zu. Das ECONYL® Regenerationssystem erfordert die Sammlung von Abfällen aus der ganzen Welt, die nach Slowenien transportiert und importiert werden müssen, um dort behandelt zu werden. Eine weitere tägliche Herausforderung ist die Tatsache, dass Abfälle im Allgemeinen nicht nur aus reinem Nylon bestehen, sondern mit anderen Materialien vermischt sind. Daher müssen wir Nylon von allen Nicht-Nylon-Stoffen trennen und andere Lieferketten identifizieren, die die Nicht-Nylon-Stoffe verwenden können.

 

Wie sieht es mit der Nachfrage aus, steigt diese?

GB: Die Nachfrage nach ECONYL® ist bisher überwiegend positiv. Der Markt wird immer interessanter und die Nachfrage nach nachhaltigen Produkten ist höher als je zuvor. ECONYL® ist der einzige im Handel erhältliche Stoff, der zu 100 Prozent aus regeneriertem „Nylon 6-Material“ hergestellt wird, wovon mindestens 50 Prozent aus Verbraucher-Abfällen stammen. Viele Modedesigner und Textilhersteller sind begeistert von der Idee, nachhaltige Stoffe in ihren Kollektionen zu verwenden. Sie entscheiden sich für ECONYL® aufgrund seiner hervorragenden Umwelteigenschaften – und wegen der überzeugenden Geschichte, die dahinter steckt.

 

Wie lange braucht es, ein Fischernetz produktionsfertig zu machen?

GB: Das hängt von verschiedenen Faktoren ab. Es gibt viele Schritte, um Fischernetze für die Regeneration vorzubereiten: Als Teil des Reinigungsprozesses werden andere Fremdmaterialien als Nylon 6 – organische, plastische oder metallische Materialien – entfernt und in andere Lieferketten gesteckt. Dann wird der gereinigte Nylonabfall zerkleinert und für die Regenerierung vorbereitet.

 

Haben Sie ein langfristiges Ziel, eine Vision?

GB: Nachhaltigkeit ist kein Ziel, sondern ein Prinzip, dem man folgen muss. Heute macht ECONYL® Nylon 35% der gesamten Produktion von Aquafil aus. Unser Ziel ist daher, 100% nachhaltiges ECONYL® Garn und eine 100% Kreislaufwirtschaft zu erreichen.

 

Testen Sie weitere Nylon Abfälle, ob diese für das ECONYL® Garn tauglich sind?

GB: Aquafil regeneriert sogenannten „Nylon 6“ Abfall. Die Produkte, die einen hohen Prozentsatz an diesem Nylon enthalten, können zu Rohmaterial für neues Garn regeneriert werden. Neben Fischernetzen und Teppichen testen wir auch andere Abfälle aus Nylon 6. Die meisten von ihnen sind aber mit anderen Materialien durchmischt. Um sie in unserem Regenerationssystem zu verwenden, müssen wir zuerst verstehen, wie man Nylon 6 aus den anderen Materialien separiert. Und das ist Teil unserer Reise.

 

Lieber Herr Bonazzi, auf dieser Reise viel Glück und Danke für das aufschlussreiche Interview!

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1 Kommentare zu „Erfolgsgeschichte ECONYL®: Mode aus Meeresmüll

  1. Friederike Lechtermann

    …und ich habe mich schon geärgert, dass Tchibo sagt, die neue Kollektion sei nachhaltig, aber die meisten Artikel sind zumindest mit Kunststoffbeimischung hergestellt…!
    Asche auf mein Haupt!
    Trotzdem fände ich es zum Einen sinnvoller mehr reine Baumwolle zu verwenden und zum Anderen die nachhaltig produzierten Kunststoffbeimischungen aktiver zu bewerben bzw. auf deren besondere Herkunft hinzuweisen. Fischernetze stellen ja nur einen minimalen Teil des Ocean Plastic…da sollten wir mehr auf Vermeidung setzen.

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