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Vom nachhaltigen Arbeiten mit Holz, Kaffee & Logistik

Das Wort Nachhaltigkeit ist in Mode – keine Frage. Doch das Wort alleine reicht natürlich nicht, um allen Aufgaben gewachsen zu sein, die nachhaltiges Wirtschaften erfordern. Schließlich sollten wir nicht an dem Ast sägen, auf dem wir sitzen. Ohne eine intakte Natur können wir langfristig keine Qualitätsprodukte wie Kaffee und Baumwoll-Artikel anbieten. Deshalb hat Tchibo ein Programm entwickelt, mit dem Schritt für Schritt 100% Nachhaltigkeit erreicht werden soll. Vor allem in den Bereichen Kaffee, Baumwolle, und CO2-Emissionen hat sich schon viel getan. Was meine Kollegen dafür Tag für Tag tun, erfahren Sie hier!

„Tropenhölzer ohne Zertifikat sind nicht mehr salonfähig”

Der eine, Thorsten Dolling, definiert in seiner Funktion als Senior Quality Developer Qualitätsstandards und überprüft deren Einhaltung in den Tchibo Lieferketten. Der andere, Marc Weber, betreut als Senior Buyer alle FSC-zertifizierten Produkte bei Tchibo und vergibt die Verträge an die geeigneten Lieferanten. Gemeinsam sind sie alles andere als auf dem Holzweg:

Wie nachhaltig ist Tchibo im Bereich Holz?

Thorsten Dolling: Unsere Gartenmöbel aus Tropenholz oder Holz borealer (kaltgemäßigter) Zonen sind FSC-zertifiziert, der Rest nach unserem eigenem Forest Tracing Standard (FTS) nachverfolgbar: Damit können wir ausschließen, dass wir Holz aus illegalen Quellen, zum Beispiel aus Raubbau, beziehen. Laut der WWF Unternehmensbefragung Holz & Papier 2011 sind wir die Nr. 1 im deutschen Handelsbereich. Nur Gartenmöbelfachhändler können uns noch toppen.

Wie haben Sie das erreicht?
Thorsten Dolling: Wir haben schon vor über 10 Jahren damit begonnen, FSC-zertifizierte Gartenmöbel zu verkaufen. Damals waren wir Vorreiter im Bereich FSC-Zertifizierung von Vollholz-/Tropenholz- Gartenmöbeln. Seitdem haben wir unsere FSC Sortimente kontinuierlich ausgeweitet. Ein gutes Beispiel dafür, dass der Weg richtig war und auch heute funktioniert.

Marc Weber: 2008 haben wir zudem unseren eigenen FTS-Standard gemeinsam mit dem WWF entwickelt und wenden ihn für alle anderen, nicht FSC-zertifizierten,  Holzprodukte an. Dieser Standard schreibt vor, dass unsere Lieferanten die Herkunft des Holzes nachweisen müssen. So erfüllen wir im Übrigen schon heute eine Rechtsvorschrift, die EU-weit 2013 in Kraft treten wird.

Gibt es dann überhaupt noch etwas zu verbessern?
Marc Weber: Auch unsere Vollholz-Indoormöbel sollen zukünftig FSC-zertifiziert sein. Das ist für 2012/2013 erstmalig im Sortiment geplant.

Daten, Fakten, Zahlen:

  • Seit über zehn Jahren sind alle Gartenmöbel aus Tropenholz oder aus Holz borealer (kaltgemäßigter) Zonen nach den Anforderungen des FSC® (Forest Stewardship Council) zertifiziert. Das Siegel garantiert: Das Produkt stammt aus umwelt- und sozialverträglich bewirtschafteten Wäldern.

„Kaffee-Strategien umsetzen“

Philip von der Goltz  ist Sourcing & Quality Manager Coffee. In dieser Funktion ist er für die Umsetzung der Sourcing-Strategie verantwortlich – und damit für den Einkauf nachhaltig angebauter Kaffees.

Wie nachhaltig ist Tchibo im Bereich Kaffee?
Philip von der Goltz: Wir sind Marktführer: Über die Hälfte der zertifiziert nachhaltigen Kaffees, die private Haushalte in Deutschland 2011 gekauft haben, kommen von Tchibo. Dennoch gibt es noch viel zu tun.

Was ist die größte Herausforderung für Sie?
Philip von der Goltz: Wir haben uns auf den Weg gemacht, vollständig vom konventionellen zum nachhaltigen Rohkaffeeanbau zu wechseln. Das heißt für uns, genau zu wissen, wo der Rohkaffee herkommt! Hierfür sollen die Rohkaffees mindestens einem Basisstandard für Umwelt- und Sozialverträglichkeit, wie zum Beispiel 4C (Common Code for the Coffee Community) und/oder den Anforderungen der Standardorganisationen Fairtrade, Rainforest Alliance, Bio bzw. UTZ CERTIFIED entsprechen. Um das zu erreichen, haben wir eine Strategie entwickelt, die wir konsequent umsetzen.

Eine Strategie, um genug nachhaltigen Rohkaffee kaufen zu können?
Philip von der Goltz: Die Nachfrage übersteigt das Angebot bei Weitem – nur etwa neun % der Weltexporte stammen heute aus zertifiziert nachhaltigen Quellen. Entsprechend müssen wir mit unseren Partnern vor Ort nachhaltigen Kaffee häufig erst entwickeln. Deshalb schulen wir die Kaffeefarmer und helfen ihnen dabei, die Anforderungen für eine Zertifizierung zu erfüllen. Langfristige Verträge und Partnerschaften mit unseren Lieferanten sind hierfür eine Grundvoraussetzung.

Daten, Fakten, Zahlen:

  • 13 % betrug 2011 der Anteil von nachhaltigem Kaffee (Fairtrade, Rainforest Alliance, Bio, UTZ CERTIFIED und 4C) am Gesamtsortiment.
  • 54 % der zertifiziert nachhaltigen Kaffees, die private Haushalte in Deutschland 2011 gekauft haben, kamen von Tchibo.
  • Seit 2009 sind alle Kaffees im Ausschank der Tchibo Coffee Bars zu 100 % von Fairtrade und Rainforest-Alliance zertifiziert.
  • 2012 werden alle Privat Kaffee-Premiumröstkaffees und das gesamte Sortiment des Kapselsystems Cafissimo zu 100 % zertifiziert nachhaltig sein.

Fabian Flügge  ist als Leiter der Abteilung Netzwerksteuerung auch für das Klimaschutzprojekt LOTOS (Logistics towards Sustainability) zuständig. In dieser Funktion konzipiert er die Transportprozesse und erstellt die jährliche  CO2-Bilanz für Transporte.

Wie nachhaltig ist Tchibo im Bereich transportbedingte CO 2-Emissionen?
Fabian Flügge: Seit 2006 bilanzieren wir unsere CO2-Emissionen und haben schon sehr viel erreicht. Alle Logistikprozesse sind ressourcenschonend angelegt: Wir beliefern unsere Outlets durch Sammelguttransporte und nutzen die Bahn. Wir fliegen wenig und nutzen stattdessen Seetransporte. Online-Kunden bekommen ihre Pakete mit der klimaschonenden Versandoption Go Green unseres Logistikpartners DHL zugesandt; die Kosten übernimmt Tchibo. Aber es geht nicht nur um die richtige Auswahl der Transportmittel, sondern um den gesamten Prozess, der dahinter steht: Ein gut ausgelasteter Seefrachtcontainer hat einen positiven Effekt für die Umwelt und spart Frachtkosten.

Was halten Sie von CO 2-Kompensation?
Fabian Flügge: CO2-Kompensation durch glaubwürdige Klimaschutzprojekte ist eine Option, keine Frage. Diese Möglichkeit sollte aber nur für unvermeidbare CO2-Emissionen gelten. Und hier gilt natürlich auch: Effiziente Transportprozesse reduzieren unsere Emissionen und Kosten gleichermaßen.

Daten, Fakten, Zahlen:

  • Um knapp 30 % hat Tchibo bis heute seine transportbedingten CO2-Emissionen gegenüber dem Referenzjahr 2006 reduziert.
  • Ein wesentliches Ergebnis des von Tchibo mit dem Bundesumweltministerium (BMU) und der Technischen Universität Hamburg-Harburg durchgeführten Projekts LOTOS ist ein Leitfaden „Nachhaltige Logistik“, der von allen interessierten Unternehmen genutzt werden kann.

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1 Kommentare zu „Vom nachhaltigen Arbeiten mit Holz, Kaffee & Logistik

  1. Klaus Balken

    Es stimmt! Nachhaltigkeit ist nur ein Wort. In der Konsequenz muss man aber viel weiter gehen. Das Interview ist allein schon wegen der vielen Zahlen und Fakten interessant. Danke

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