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Praxpack

Mehrwegversandtaschen – wie geht es weiter?

Jährlich werden in Deutschland etwa 800.000 Tonnen Versandverpackungen aus Papier, Pappe, Karton oder Kunststoff verbraucht. Und diese Zahl stammt aus Vor-Pandemiezeiten! Gemeinsam mit OTTO und dem Avocadostore sagen wir deshalb dem stetig wachsenden Verpackungsmüll den Kampf an. Im Rahmen des dreijährigen praxPACK-Forschungsprojektes testen wir seit einiger Zeit Mehrwegversandtaschen in der Praxis.

Im August und September 2020 haben wir erstmals nachhaltige Versandtaschen verschickt. 7.500 RePack-Versandtaschen landeten bei unseren Kund*innen, die vorher nichts davon wussten. In dieser ersten Phase haben wir das RePack-System getestet.

Herkömmliche Versandtasche aus recyceltem Material rechts – RePack Tüte links.

Die RePack-Mehrwegversandtasche besteht aus recyceltem Kunststoff, kann vom Kunden auf Briefgröße zusammengefaltet und über die Post frei zurückgesendet werden. Dadurch ist sie 20 Mal und öfters im Umlauf. RePack übernahm für uns die Rückführungslogistik, den Reinigungs- und Aufbereitungsservice – außer bei Retouren. Diese gingen direkt an Tchibo zurück.

Bei dem Test ging es uns um folgende Fragen: Wie können wieder verwendbare Versandtaschen in die eigene Logistik eingeführt werden? Sind sie praktikabel? Wie ist die Akzeptanz bei unseren Kund*innen? Schicken sie die Tasche zurück? Und wären die Empfänger*innen sogar bereit, dafür einen Aufpreis zu zahlen?

Wir haben vergangenen Sommer hauptsächlich Versandaufträge für Textilien innerhalb Deutschlands mit RePack-Mehrwegtaschen verschickt. Unsere Kund*innen wurden dabei nach einem Zufallsprinzip ausgesucht. Eine parallele Kundenbefragung fand zeitgleich statt.

Hier eine Auswertung: Von den 7500 verschickten Mehrwegtaschen kamen 6.073 zurück. Die meisten über den Briefkasten, einige über die Warenretoure. 1.427 Tüten sind demnach „verschwunden“. Dennoch: 81% aller Tüten sind zurückgekommen – das ist ein sehr positives Ergebnis!

Eine Mitarbeiterin verpackt die Ware in eine RePack Tüte.

 
Jeder Versandtasche fügten wir eine Information zum Pilotversuch und zum Rückversand (sowie der Zugang zu einem Online-Fragebogen) bei.

 
555 unserer Kund*innen beantworteten die Fragebögen. Demnach empfanden 99% der Befragten Mehrwegverpackungen generell als sinnvoll. Spannend: der Faktor Nachhaltigkeit war den Kund*innen so wichtig wie der Schutz des Produkts bei Transportverpackung. Auch Handhabung und Qualität der Versandtasche wurde als wichtig bewertet, weniger bedeutend das Design.

Als Rückgabeort ist der Briefkasten mit 90 Prozent bei den Kund*innen am beliebtesten, gefolgt von den Tchibo Shops mit 63 Prozent. Paketshop und Kiosk bevorzugten 56 Prozent als Rückgabeoption. 51 Prozent der Kund*innen würden die Versandtaschen am liebsten bei Paketbot*innen zurückgeben – sowie 42 Prozent bei einem Supermarkt.

Um die Mehrweglösung langfristig einzusetzen, wären für uns allerdings ein Tütenpfand und/oder eine Kostenbeteiligung der Kund*innen vielversprechende Möglichkeiten, um alle Tüten zurückzubekommen und die Mehrkosten zu decken. Die Kund*innen wurden deshalb nach ihrer Bereitschaft dazu befragt:

Tütenpfand: 86% der Befragten wären dazu bereit, ein Pfand von drei bis fünf Euro zu hinterlegen. Die Kund*innen würden ihr Geld bei der Tütenrückgabe zurückerhalten.

Mehrkosten: 63% der Kund*innen würden sich an den Mehrkosten beteiligen. Hierbei wären die Kund*innen am ehesten bereit, zwischen 50 Cent und einem Euro zu bezahlen.

Der Test im vergangenen Jahr zeigte also das hohe Interesse am Thema Mehrwegverpackung. Und wie viel Potenzial eine Mehrweglösung für den Versandhandel hat, den Verpackungsmüll zu reduzieren und Ressourcen zu schonen. Allerdings wurden auch einige Hindernisse deutlich, an denen wir seitdem arbeiten. Besonders herausfordernd ist die Rückführlogistik der Tüten, die derzeit noch nicht effizient genug ist. Diese und weitere Themen werden wir ab Mai in einem von der GS1 begleiteten Projekt mit weiteren Händler*innen erarbeiten. Dabei verfolgen wir das Ziel eines Branchenstandards für den Mehrwegversand im Onlinehandel, um so den Einsatz einer Mehrwegtüte aufgrund breiterer Anwendung wirtschaftlich möglich zu machen.

 

 

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