#Sharing Economy

Minimode einfach mieten: Podiumsdiskussion mit Greenpeace und Joschka Fischer

Kann das Vermieten von Kinderkleidung funktionieren? Im Hamburger Mindspace sprach Mitte Januar ein hochkarätiges Podium mit rund 25 Journalisten und Bloggern über unser neues „Baby“: das Geschäftsmodell Tchibo Share. Es diskutierten Tchibo CEO Thomas Linemayr, Ex-Außenminister und Grünen-Mythos Joschka Fischer, Greenpeace Deutschland Chefin Sweelin Heuss, Nanda Bergstein, Tchibo Direktorin Unternehmensverantwortung, sowie Hendrik Scheuschner, Geschäftsführer unseres Tchibo Share Partnerunternehmens kilenda.

 

Worum ging es? Seit Dienstag bietet Tchibo als erstes großes Handelsunternehmen nachhaltig produzierte Baby- und Kinderkleidung zur Miete an. Partner für die Umsetzung ist das Magdeburger Unternehmen kilenda.

 

Nanda Bergstein/Direktorin Unternehmensverantwortung:

Warum Tchibo Share? Tchibo hat das Ziel einer 100% nachhaltigen Geschäftstätigkeit. Ein nächster Schritt ist folgerichtig, neben nachhaltigen Produkten auch nachhaltige Konsumformen anzubieten. Jetzt ist ein guter Zeitpunkt, da das Thema auch für Verbraucher immer relevanter wird.

 

Hendrik Scheuschner/ Geschäftsführer kilenda:

Vermietete Kleidung lebt wirklich lange. Wir sortieren erst aus, wenn ein Loch im Kleidungsstück oder die Farbe verblasst ist, oder sich Verfärbungen nicht mehr entfernen lassen. Das Produkt soll „wie neu“ sein.

Nanda Bergstein:

Unser Mietangebot Tchibo Share ist so nachhaltig, da alle Produkte ökologisch produziert wurden und sich durchschnittlich vier Kinder ein Kleidungsstück teilen, eine lange Nutzung ist also gewährleistet.

 

Thomas Linemayr/CEO Tchibo:

Ob wir ein Risiko eingehen? Tchibo ist eine Volksmarke und wir sind unternehmungslustig. Wir wollen mehr Freude ins Leben unserer Kunden bringen. Und nachhaltige Freude ist ein Mehrwert für alle.

 

Joschka Fischer:

Ich wäre damals, als unsere Kinder klein waren, froh gewesen, wenn es so ein Miet-Angebot gegeben hätte. Im Share Modell liegt die Zukunft, da ist Tchibo glaubhaft. Denken Sie mal, es gibt heute 7 Milliarden Menschen auf der Welt, alle wollen ein gewisses Wohlstandsniveau erreichen, wie soll das gehen? Darum meinen allerhöchsten Respekt und meine Unterstützung! Dennoch: Die Sharing Economy steht am Anfang, wir werden noch effizienter werden müssen, Wegwerfökonomie geht nicht mehr.

 

Sweelin Heuss/ Geschäftsführerin Greenpeace Deutschland:

Es ist erwiesen, dass Kaufen nur einen kurzen Kick verschafft, nach 24 Stunden ist der Kick vorbei und man ist wieder auf Cold Turkey. Wir hoffen deshalb, dass die Sharing Economy insgesamt ein Erfolg wird. Die Modeindustrie ist völlig überhitzt. Jährlich 100 Milliarden neue Kleidungsstücke sind zu viel! Bis 2030 wird die Industrie um weitere 60 Prozent wachsen. Es braucht deshalb eine Revolution, wo kommt sie her? Das ist die Frage, viel hängt jetzt davon ab, wie erfolgreich unter anderem der Tchibo-Pilotversuch ist.

 

Hendrik Scheuschner:

Ein Unternehmen alleine kann nicht die Share Economy in den Massenmarkt bringen. Das Geschäftsmodell „Vermietung von Alltagsgegenständen“ ist wichtig für die Gesellschaft, darum unsere Kooperation mit Tchibo.

 

Thomas Linemayr:

Das ist ein Experiment. Natürlich müssen solche Projekte mittelfristig Gewinn machen. Ein erster Gewinn ist, dass wir damit unsere nachhaltigen Produkte schon jetzt noch bekannter machen. Jetzt starten wir mit Kindermode und testen das ausführlich. Langfristig sind weitere Produktgruppen zum Mieten denkbar.

 

Joschka Fischer:

Sharing ist keine Glaubensfrage, man muss es ausprobieren. Der Massenmarkt ist das eigentlich Faszinierende. In der Nische gibt es ja schon viele Initiativen. Die Mühsal liegt im Massenmarkt. Die großen globalen Fragen von wirtschaftlicher Entwicklung, Armutsbekämpfung und Schonung unserer begrenzten Ressourcen wie Luft, Wasser und Boden sind direkt mit der Produktion von Textilfasern und der Verarbeitung selbiger verbunden. Insofern ist neben einer nachhaltigen Herstellung auch eine nachhaltige Nutzung wichtig, um die knapper werdenden Ressourcen zu schonen.

 

Sweelin Heuss:

Wir müssen weniger kaufen. Slow the Flow ist unsere Devise. Wir haben deshalb den Wunsch, dass Tchibo das Maximale aus Tchibo Share macht. Die Kernfrage ist doch: Können Unternehmen mit solchen Angeboten dafür sorgen, dass insgesamt weniger neue Sachen verkauft werden? Ich würde mir auch den Verleih von Erwachsenenmode wünschen, denn sie hat den größten Anteil am Gesamtvolumen der gekauften Mode. 

 

Fazit: Podiumsteilnehmer und Pressevertreter waren sich selten so einig: Dieser Pilotversuch ist überfällig und ein großes gesellschaftliches Experiment. Denn nicht nur Unternehmen müssen Sharing-Geschäftsmodelle neu lernen, auch Konsumenten müssen sich umstellen, wenn sie Kleidung mieten statt kaufen. Mal sehen, was wir in ein paar Monaten hier berichten können.

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1 Kommentare zu „Minimode einfach mieten: Podiumsdiskussion mit Greenpeace und Joschka Fischer

  1. Miriam

    Wow, also ich persönlich finde es super, dass sich Tchibo für Nachhaltigkeit stark macht, obwohl es als Unternehmen, das selbst Kinderkleidung vertreibt, aus unternehmerischer Sicht ein Interesse daran haben müsste, dass jeder seine Kinderkleidung neu kauft.
    Ich habe selbst 2 Kinder und einen kleinen Kreis von Mamis, unter dem wir die Kinderkleidung immer wieder hin- und hertauschen. Für uns als Familie ist ein gesunder Mix zwischen Alt und Neu (nicht nur bei Kinderkleidung) ein gangbarer Mittelweg.
    Liebe Grüße,
    Miriam

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