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Miniserie Kind und Job: working mom in der Schweiz

Job und Kind – wie regeln das Mütter in andern Ländern? In den vergangenen Wochen waren wir zu Besuch in Istanbul, Warschau, Budapest und Hongkong. Heute bleiben wir im Westen – es geht zu meiner Kollegin Valérie Garcia in die Schweiz. Kaum zu glauben: Auch hier ist die Betreuungssituation für Kinder alles andere als ideal. Wie sich Valérie hilft und wo sie Verbesserungsbedarf sieht schreibt sie hier.

Hallo, mein Name ist Valérie Garcia, ich bin 47 Jahre jung und arbeite ganztags bei Tchibo als Gebietsverkaufsleiterin Depot. Außerdem bin ich Mutter von zwei Töchtern: Sophie ist zehn Jahre alt, Wesley schon 20 Jahre, sie macht gerade Abitur.

In meiner Funktion bin ich viel unterwegs. Da ist es manchmal schon schwierig, die Termine meiner Töchter zu koordinieren. Wir haben das Problem mit Hilfe eines Au-pair und einer zusätzlichen Tagesmutter gelöst, die einspringt, wenn das Au-pair krank oder im Urlaub ist. Generell finde ich, dass die Kinderbetreuung in der Schweiz zu wünschen übrig lässt: Es gibt viel zu wenig Betreuungsplätze, entsprechend lang sind die Wartelisten. In kleinen Gemeinden sucht man gleich vergeblich. Auch eine Tagesmutter ist nicht leicht zu finden.

Wer kann, nutzt den Dienst der Großmütter. Daran könnte es auch liegen, dass viele Mütter in der Schweiz nach der Geburt ihrer Kinder gar nicht mehr arbeiten oder wenn, dann nur noch in Teilzeit (20 bis 50 Prozent). Das ist zumindest meine Einschätzung. Viele gehen erst wieder arbeiten, wenn die Kinder ab dem fünften Lebensjahr in den obligatorischen Kindergarten kommen. Und auch dann bleibt es meist bei Teilzeit. Ich war da schon eine Ausnahme: Ich habe meine drei Monate Mutterschaftspause voll genossen und bin dann wieder Vollzeit arbeiten gegangen. Was den Vorteil hat, dass ich meinen alten Arbeitsplatz wieder bekommen habe.

Kinderzulagen bekommen wir auch: Der Staat zahlt je nach Kanton zwischen 200 und 300  Schweizer Franken pro Monat – bis das Kind eine Ausbildung anfängt. Während der Ausbildung erhält das Kind dann Ausbildungszulagen in Höhe von 240 bis 400 Schweizer Franken. Die werden entweder gezahlt bis die Ausbildung abgeschlossen ist – oder aber bis zu einem maximalen Alter von 25 Jahren.

Ein typischer Tag sieht bei mir so aus: Gegen 7.30 Uhr fahre ich los und besuche die vielen Kunden in meinem Verkaufsgebiet. Ich versuche gegen 17 Uhr zuhause zu sein – was leider nicht immer gelingt. Wenn ich dann angekommen bin, kümmere ich mich um meine kleine Tochter. Nach dem gemeinsamen Abendessen sind dann Büro und Haushalt dran. Da mein Mann im Schichtdienst arbeitet, ist er wochenweise auch tagsüber zuhause und kann sich dann um unsere Tochter und den Haushalt kümmern. Wir teilen uns da ganz pragmatisch die Arbeit.

Mein Fazit: Eine bessere staatliche Kinderbetreuung würde die Arbeit sehr erleichtern. Es ist alles eine Frage der Organisation – und wir kommen ganz gut klar.

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