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Tchibo in Corona-Zeiten

Mutmachbericht (3): Wie Constanze und Lotte (Bridge&Tunnel) weiter in Wilhelmsburg produzieren

Ich bin Constanze Klotz und eine der beiden Gründerinnen von Bridge&Tunnel. Unser Label fertigt nachhaltig und fair: in Hamburg-Wilhelmsburg mit gesellschaftlich benachteiligten Menschen und Geflüchteten. Unsere Taschen im Denim Design entstehen aus post- & pre-consumer waste (Alttextilien und Materialüberschüsse), in der Regel aus getragenen Jeans.

 

 

Wie so vielen von uns hat die Corona-Krise uns völlig überrumpelt und den Boden unter den Füßen weggerissen. Wie handwerklich in einer Werkstatt weiterarbeiten, in Zeiten von Social Distancing und Homeoffice? Das funktioniert für das Handwerk natürlich nur sehr bedingt. Wie sollten wir den Auftrag für Tchibo schaffen und die georderten Produkte von Hipbag über Kosmetiktasche, Dreieckstasche und Schlüsselband – übrigens 100% aus Tchibo Restware produziert – bis Mai fertigbekommen? Ein Auftrag, der für ein kleines Unternehmen so viel bedeutet!

Viele Hipbags stehen schon in den Startlöchern: Die Produkte sind ab Mai erhältlich.

Erschwerend kommt hinzu, dass wir, meine Co-Founderin Lotte und ich, unsere Kinder parallel zum Home Working zu Hause irgendwie in Schach halten müssen. Auch wenn wir uns die Betreuung mit unseren Männern teilen, die Crazyness ist da vorprogrammiert.

Das Bridge&Tunnel Team sendet Grüße

Einigermaßen stolz kann ich in Woche 3 „Kontaktsperre“ folgendes berichten: Wir produzieren umschichtig. Drei unserer Leute konnten wir in Heimarbeit organisieren; die schweren Industrienähmaschinen haben wir in ihre Wohnungen liefern lassen. Sayed näht jetzt fleißig an seinem Küchentisch. Vier Näherinnen sind noch in der Werkstatt, abwechselnd betreut von Lotte oder mir. Wir wechseln uns ab, sehen uns nie real. Und unsere Anleiterin Asiye kommt abends, wenn niemand da ist, und lässt die Aufgaben für den nächsten Tag da. Ich fahre 3 Mal in der Woche von Altona mit dem Rad nach Wilhelmsburg, um die Ansteckungsgefahr minimal zu halten. On top: desinfizieren, desinfizieren, desinfizieren…

Was toll ist: Im Augenblick bekommen wir noch etliche Bestellungen, da viele Menschen kleine nachhaltige Firmen wie unsere unterstützen und uns durch die Krise helfen möchten (#supportsmallbusinesses). Aber wie lange noch? Die Zukunft macht mir große Sorgen, denn unsere Mitarbeiter*innen, für deren Jobs wir so schwer gekämpft haben, bekommen nur schwer eine zweite Chance auf dem Arbeitsmarkt. Diese Tatsache war immerhin das Gründungsmotiv für Bridge&Tunnel: zu zeigen, dass jeder etwas losgelöst von verbrieften Qualifikationen kann.

Neu: Produktion von Mundbedeckungen

Aktuell starten wir deshalb zusätzlich mit der Produktion von Mundbedeckungen aus Stoff. Unsere treuen Instagram Follower haben uns vielfach darauf angesprochen, und da wir mit unserer lokalen Werkstatt alle Produktionsmöglichkeiten haben, legen wir nach ein wenig Recherche und Abwägen in der kommenden Woche damit los. Wichtig ist zu wissen, dass die Mund- und Nasenmasken NICHT für medizinisches Personal geeignet oder bestimmt sind, aber für euch zum Einkaufen oder für den Besuch anderer Orte, wo man eben doch mit anderen Menschen in Berührung kommt. Die Maske ist bis 90 Grad waschbar und das sollte auch jeden Abend erfolgen. Warum es sich lohnt, eine nicht-medizinische Maske zu tragen, haben wir auf unserem Blog noch einmal detailliert beschrieben. Wer möchte, kann den Mundschutz* schon jetzt zu Hause selbst nähen, hier geht es zum Tutorial

Ihr Lieben, wir sitzen alle im gleichen Boot. Wir schaffen das!
Eure Constanze

 

*Die Herstellung und Benutzung ist eigenverantwortlich, die Maske reduziert die Verbreitung von Tröpfchen, stellt aber keinen Eigenschutz gegen eine Infektion dar. Häufig waschen und auskochen.

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1 Kommentare zu „Mutmachbericht (3): Wie Constanze und Lotte (Bridge&Tunnel) weiter in Wilhelmsburg produzieren

  1. Michaela

    Ein richtig toller Bericht! Ich wusste gar nichts von der Kooperation und kannte auch Bridge und Tunnel nicht. Jeans ist nicht so mein Style, aber der Schnitt sieht cool aus. :) Ich finde es super, dass so ein kleines Unternehmen von Tchibo beauftragt wird und damit wiederum in der Lage ist, selbst Mitarbeiter zu beschäftigen, die vielleicht sonst keinen Job hätten. Ein richtig runde Sache. Und toll, dass Corona hier nicht alles zum Erliegen gebracht hat. Ich drücke euch die Daumen, auch für die Nach-Corona-Zeit!

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