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Mehr Nachhaltigkeit im Versandhandel

Teststart mit Mehrwegversandtaschen bei Tchibo, Otto und Avocadostore

Tchibo Nachhaltigkeitsmanager Daniel Koltermann mit RePack Mehrweg­tasche (links) und herkömm­licher Einweg­tasche, die probe­weise ersetzt werden soll.

Jährlich werden in Deutschland etwa 800.000 Tonnen Versandverpackungen aus Papier, Pappe, Karton oder Kunststoff verbraucht. Eindeutig zu viel Verpackungsmüll! Gemeinsam mit Otto und dem Avocadostore gehen wir deshalb neue Wege. Im Rahmen eines dreijährigen Forschungsprojektes testen wir Mehrwegversandtaschen ab Ende August.

Wie funktioniert das? Rund 7500 Einwegversandtüten werden durch RePack-Mehrwegtaschen ersetzt. Diese bestehen aus recyceltem Kunststoff, können vom Kunden auf Briefgröße zusammengefaltet und über die Post frei zurückgesendet werden. Dadurch sind die Taschen 20 Mal und öfters im Umlauf.

Die Firma RePack übernimmt für uns die Rückführungslogistik, den Reinigungs- und Aufbereitungsservice – außer bei Retouren. Diese gehen direkt an Tchibo zurück.

Tchibo wird bei diesem Versuchsprojekt hauptsächlich Versandaufträge für Textilien innerhalb Deutschlands berücksichtigen. Die Kunden werden dabei nach einem Zufallsprinzip ausgesucht. Eine parallele Kundenbefragung ist geplant, um die Akzeptanz des Systems und Verbesserungen zu erfragen. „In der Testphase sind einige Punkte entscheidend: Wie gut durchläuft die Mehrwegtüte die logistischen Prozesse? Welche Auswirkungen verursacht die Mehrwegtüte am Packplatz? Und nicht zuletzt: Werden die Kunden die Mehrwegtüten auch zurücksenden? Wir sind sehr gespannt auf die Reaktionen und hoffen auf eine gute Mitarbeit unserer umweltbewussten Kunden,“ sagt Alexander Ralfs, Director Supply Chain Management & Logistics bei Tchibo.

Hier wird eine Mehrwegtasche im Logistikzentrum bepackt.

Ökopol koordiniert das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderte Forschungsprojekt praxPACK. Ziel des Projektes ist die Verbreitung von kreislauffähigen Verpackungen. Tchibo, Otto und Avocadostore erarbeiten gemeinsam in einem „Kooperationslabor“ konkrete Lösungen rund um praxisfeste und selbsttragende Mehrwegsysteme für die Branche.

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2 Kommentare zu „Teststart mit Mehrwegversandtaschen bei Tchibo, Otto und Avocadostore

  1. Gunter Hempel

    Was kostet eine normale Versandtasche, was kostet die Repack – Versandschachtel und
    -Beschaffung
    -Verpackungsprozess (Mehraufwand)
    -Versand und
    -Retoure?

    Billiger?
    Wie hoch sind die Umlaufzahlen für die Repack-Verpackungen?

    Wenn die Kosten nicht geringer sind, werden die Mehrkosten auf die Preise der Waren aufgeschlagen, oder trägt Tchibo die Kosten?
    Wenn der Kunde Repack aus Gründen des Grünen Bewusstseins möchte, sollte er auch die Kosten übernehmen. Und zwar nur der, der das möchte. Nicht die Allgemeinheit der Kunden.
    Ist ein Feld im Bestellprozess vorhanden, indem der Wunsch zu Repack geäußert werden kann?
    Wo ist der Mehrwert für ein Wirtschaftsunternehmen?

  2. Sandra Coy
    Sandra Coy

    Lieber Herr Hempel,

    vielen Dank für Ihre Frage zu unserem RePack-Test und dem damit verbundenen Interesse.

    Wie wir aus vielen Anfragen wissen interessieren sich unsere Kunden sehr dafür wie unsere Produkte verpackt sind. Insbesondere bezüglich der Verwendung von Kunststoffen bekommen wir regelmäßig Anregungen sparsamer mit Ressourchen umzugehen. Dort wo wir bereits Verbesserungen umsetzen konnten, zum Beispiel bei der nun fast kunststofffreien Verpackung unserer Textilien, bekommen wir viel Lob und Anerkennung. Bei steigender Beliebtheit des Onlinehandels haben auch die Transportverpackungen eine zunehmende Relevanz, bereits heute sind etwa einviertel aller Haushaltsabfälle auf den Versandhandel zurückzuführen.

    Vor diesem Hintergrund nehmen wir, gemeinsam mit anderen Onlinehändlern, an einem Forschungsvorhaben zu Mehrwegsystemen bei B2C-Transportverpackungen teil. Im Rahmen dieser Kooperation testen wir derzeit die Mehrweglösung RePack. Ziel ist es herauszufinden welche praktischen Herausforderungen sich ergeben und wie ein Mehrwegsystem auch wirtschaftlich tragfähig gestaltet werden kann. Hierbei gibt es noch ein paar Herausforderungen zu meistern. Unter anderem die von Ihnen angesprochen Kosten, insbesondere für den Rücktransport der leeren Verpackungen. Gemeinsam mit anderen Unternehmen können aber Lösungen entwickelt werden die umsetzbar sind, wie bestehende Mehrwegsysteme zeigen. Erste Ergebnisse der laufenden Kundenbefragung zeigen, dass ein Teil der Kunden breit ist höhere Versandkosten hierfür zu akzeptieren. Im Falle einer Einführung würden wir dem Kunden die Wahl lassen ob er sein Produkt in einer Mehrweg- oder in einer konventionellen Verpackung erhalten möchte. Leider konnten wir das im Test nicht abbilden, die Anpassungen im Webshop wären zu umfangreich gewesen.

    Bereits nach dem vierten Wiedereinsatz ist der CO2-Fußabdruck der Mehrwegverpackung besser als beim heutigen Versandbeutel. Die Tüten sollen mindestens zwanzig Mal wiedervewendet werden. Daraus ergibt sich über die großen Mengen ein relevanter ökologischer Nutzen. Um dem Kundenwunsch nach nachhaltigen Produkten nachzukommen und als Unternehmen einen Beitrag zu einer gesunden Umwelt zu leisten, arbeiten wir an einem auch wirtschaftlich tragfähigem Mehrwegmodell. Die Ergebnisse des Piloten sind dabei ein wichtiger Meilenstein, letztlich soll der Kunde aber die Wahl haben welche Verpackung er unter Abwägung seiner persönlichen Präferenzen wählt.

    Wir hoffen damit Ihre Frage beantwortet zu haben.

    Viele Grüße

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