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Warum steigt der Kaffeepreis so rasant?

Ein großes Thema bei Tchibo sind die rasant steigenden Kaffeepreise. An den Börsen in New York und London hat sich der Preis für Rohkaffee innerhalb eines halben Jahres verdoppelt. Kaffee ist zu einer der Top-Wetten in der Finanzwelt geworden. Keine gute Zeit für Kaffee Einkäufer also, wie etwa Jan Wagenfeld. Wie sich der Kaffeepreis grundsätzlich zusammensetzt, ist allerdings auch vielen Mitarbeitern im Haus nicht ganz klar. Das gleiche gilt sicher auch für Kunden. Ich bat meinen Kollegen Jan deshalb um Aufklärung.

Das Chart der Kaffeepreisesentwicklung seit Sommer vergangenen Jahres, recht gut sichtbar im Büro unserer Kaffee Einkäufer, zeigt zackig ansteigende Linien. Der Preis hält sich in sehr luftiger Höhenlage, dort eben, wo auch guter Arabica wächst. Nun steht Rohkaffee auf 267 US-Cent pro Pfund, was das das 2,5 fache des durchschnittlichen Werts der letzten 30 Jahre ist.


Ganz grundsätzlich: Wie entsteht denn der Kaffeepreis?

Jan Wagenfeld: Den Kaffeemarkt bestimmen klassischerweise Angebot und Nachfrage, die der Börenpreis wiederspiegelt. Allerdings sprechen wir von einem Futures Markt im Kaffee. Das heißt, die Börsennotierungen reflektieren auch die erwarteten Entwicklungen der Teilnehmer im Kaffeemarkt. Dies können Wettermeldungen oder Berichte über zukünftige Ernteerwartungen einzelner Länder sein. Auch Gerüchte spielen oft eine Rolle!

Warum ist denn der Börsenpreis jetzt so hoch?

Jan Wagenfeld: Das ist zu einem Teil auch eine Folge der Immobilien- und Weltwirtschaftskrise. Bekanntermaßen wurden infolge der Krise – vor allem in den USA – die Zinsen massiv gesenkt, zuviel billiges Geld kommt seitdem auf dem Markt. Das Geld muss aber irgendwo angelegt werden. Immobilien kommen ja erstmal nicht mehr in Frage, also haben sich die Fonds und Spekulanten auf Rohstoffe verlegt. Alle Rohstoffpreise sind nach oben geschossen, da stecken Milliarden Dollar drin. Unser Kaffeepreis ist also in erster Linie institutionellen Anlegern geschuldet. Wie gesagt: Seit Juli ist der Preis von 135 US Cent pro 453 Gramm Arabica auf derzeit 267 Cent gestiegen. Zusätzlich zum Börsenpreis kommt übrigens für gute Arabicas noch ein Qualitätsaufschlag, je nach Ursprungsland.

Das ist aber noch nicht alles, oder?

Jan Wagenfeld: Die Nachfrage steigt auch, immer mehr Menschen in Brasilien, Indien und China trinken Kaffee, letztere sind eigentlich traditionelle Teetrinker-Nationen. Zusätzlich wird eine weitere Rohstoffverknappung erwartet, da Brasilien eine kleine Ernte einfahren wird. Und die Welt hängt am Tropf von Brasilien, nur hier können weitere große Mengen Arabica angebaut werden.  Um ein paar Zahlen zu nennen: 2020 werden auf der Welt ca.160 Millionen Sack Kaffee benötigt, aktuell sind es 138 Millionen. Das wird großer Anstrengungen bedürfen.

Die Börse ist wie erwähnt ein Futures Markt, die Händler gucken in die Zukunft, und diese sieht wie eben beschrieben aus.

Kommen die Preiserhöhungen auch beim Farmer an?

Jan Wagenfeld: Die Preise werden ja wie gesagt an der Börse gemacht. Aktuell verkauft der Bauer deshalb gegen diesen hohen Börsenwert. Gehen die Preise hoch und ein Börsen-Händler hat darauf gewettet, macht der Händler natürlich Geld. Der Farmer aber hat die Ware und erzielt durch den hohen Preis  ebenfalls mehr Gewinn.

Der Preisanstieg hat also auch Gutes?

Jan Wagenfeld: Ja, man kann wirklich sagen: Gute Preise sind der Garant dafür, dass auch in der Zukunft genug guter Kaffee angebaut wird.

Welche Fragen haben Sie zu den aktuellen Preiserhöhungen?

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3 Kommentare zu „Warum steigt der Kaffeepreis so rasant?

  1. malinaw

    Das ist doch mal ein sehr Interessanter Einblick in die Welt der Kaffeehändler. Das sich die Finanzkrise sogar auf die Kaffeepreise direkt auswirkt, hätte ich jetzt nicht gedacht.

    Zwei neue Stammleser habt ihr schon gewonnen. ;-)

  2. Simon

    Das sich der Kaffeepreis an der Börse ungefähr verdoppelt hat, ist für mich als Endverbraucher im Supermarkt kaum zu spüren. Woran liegt das?

  3. Jan Wagenfeld
    Jan Wagenfeld

    Der Verkaufspreis im Einzelhandel setzt sich aus mehreren Faktoren zusammen. Knapp 30 % beträgt die Kaffeesteuer (bei einem Pfund Röstkaffee derzeit 1,10 €), etwa 20 % sind Transport, Logistik, Produktion und Verpackung. Der Anteil des Rohkaffees beim Preis beträgt derzeit am Markt zwischen 40 und 50%.

    Tatsächlich ist der Kaffee-Nettopreis (ohne Steuern) im Einzelhandel in den vergangenen Monaten um etwa 23 % gestiegen, Tendenz weiter aufwärts. Besonders zu spüren bekommen das Röster wie Tchibo, die bei der Rezeptur bei 100 % Arabica Bohnen bleiben.

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