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Wie viele Autoren verträgt ein Corporate Blog?

Wie viele Autoren braucht ein Corporate Blog? Einen, zwei, zehn oder 500? Oder anders gefragt: Wie viele Schreiber bereichern, wie viele Köche/Autoren verderben den Brei? Hierzu gibt es unter Blog-Experten ganz verschiedene Strategien und Meinungen. Grund genug für die Deutsche Presseakademie in Berlin Uwe Knaus (Daimler Blog) und mich anlässlich ihrer PR-Summer School zum „Streitgespräch“ zu laden. Am Freitag war es soweit, und natürlich möchte ich hier unsere Argumente für ein überschaubares Team niemandem vorenthalten. Wir halten unser Tchibo Autorenteam (das aus Fachleuten aus den unterschiedlichsten Bereichen rekrutiert ist) relativ klein, um die redaktionelle Hoheit nicht zu verlieren. Denn Themenschwerpunkte setzen wir als Blog-Redaktion. Nichtsdestotrotz freuen wir uns ebenso über Themenanregungen aus dem Haus, die grundsätzlich mit berücksichtigt werden. Wer als Gastautor schreiben möchte, darf dies auch tun! Ganz anders läuft es beim Daimler Blog, hier ist die Autorenanzahl fast unbegrenzt. Wie Uwe Knaus und andere Corporate Blogger verfahren lesen Sie hier. Wir freuen uns über eine rege Diskussion!

Uwe Knaus, Daimler Blog

Bei Social Media stehen nicht nur Botschaften im Vordergrund, sondern Menschen. Sie bauen Beziehungen auf. Können Sie dies frei und ungesteuert – innerhalb definierter Rahmenbedingungen – sind sie bei der Leserschaft maximal glaubwürdig. Je mehr Autoren, desto vielfältiger die Themen im Daimler Blog. Im Idealfall ist Corporate Blogging authentisches Storytelling und kein weiterer Corporate Publishing Kanal.

Michael Hufelschulte, Vodafone

Bei Vodafone haben wir das Autorenteam mit dem Relaunch im Herbst letzten Jahres reduziert. Bis dahin konnte tatsächlich jeder aus dem Unternehmen, der bloggen wollte, über unsere Pressestelle einen Beitrag einreichen. Wir haben diesen dann gemeinsam mit dem Autor zur Blogreife entwickelt und in seinem Namen veröffentlicht. Der Nachteil an dieser Vorgehensweise war, dass wir nach einigen Monaten oder Jahren eine lange Liste von Autoren hatten, von denen viele nur einen oder wenige Beiträge geschrieben hatten. Seit dem Relaunch können die Kollegen der Pressestelle und einige Gastautoren (oberes Management / Geschäftsführung) bloggen. Interessante Menschen oder Themen, die nicht zu diesem Kreis gehören, stellen wir dann im Interview oder in Reportagen vor. Mit diesem Modell haben wir bisher gute Erfahrungen gemacht.

Linda Grohe, Keksblog

Eine spannende Frage! Bei uns schreiben hauptsächlich Frau Freitag-Meyer selbst und ich als Autorinnen. Wir haben zum Blogstart alle Kolleginnen und Kollegen dazu aufgerufen, ihren Beitrag zum Keksblog zu leisten, wenn sie Lust haben oder ihnen ein spannendes Thema einfällt.

In der Praxis ist es so, dass Ideen an uns heran getragen werden oder auch Textentwürfe. Diese werden von uns nach Möglichkeit so übernommen oder bekommen nur einen letzten Feinschliff. Für Unterstützung beim Schreiben sind wir offen. Allerdings kommen Anregungen/ Vorschläge relativ selten – leider.

Einen direkten Zugriff zum Schreiben / Freischalten auf dem Blog haben nur Frau Freitag-Meyer und ich. Wir haben ein internes Gästebuch mit auf unserem Blog, wo JEDER des Unternehmens etwas schreiben kann. Diese Kommentare werden vorab von uns gelesen und dann freigeschaltet.

Wir haben als Blogregel aufgestellt, dass niemand persönlich und namentlich angegriffen werden darf. Sollten doch direkt Namen erwähnt werden,  „x-en“ wir die Namen. Der restliche Text wird so 1:1 übernommen. Sollte aus dem Kontext direkt die Person definierbar sein, sprechen wir mit dieser, ob es OK ist. Dieser Bereich ist ausschließlich für Mitarbeiter/innen des Unternehmens lesbar. Dadurch haben wir die interne und offene Kommunikation sehr fördern können.

Generell denke ich, dass es gut und wichtig ist, dass die Stimmen der Kollegen oder auch Themenvorschläge aufgenommen werden. Ein Corporateblog lebt durch ein ganzes Team. Die Firma besteht aus vielen, unterschiedlichen Menschen- bei uns aus dem Bäcker, der Dame an der Verpackungsmaschine, der Verwaltung dem Lager, der Technik und vielen mehr. Ich denke, je mehr Beteiligung von verschiedenen Stellen aus erfolgt, desto authentischer wirkt ein Blog und somit das Unternehmen nach außen.

Jochen Mai, Yello Bloghaus

Bei Yello gibt es ein festes Redaktionsteam (4 Kollegen), von denen bloggen vor allem die sogenannten Blogpaten  – also jene, die für den Kanal verantwortlich sind. Wir vom SoMe-Team stimmen uns da permanent und per Zuruf ab, sitzen ja im selben Raum (wir haben unser Blog in 1:1 im Büro nachgebildet).

Die Yello Kollegen können natürlich auch schreiben, trauen sich aber meist nicht (aus Sorge, nicht gut genug schreiben zu können). Wir stellen sie in unseren Geschichten dann zumindest vor (z.B. Yellos und ihre Hobbies) und konnten auch schon Gastautoren ermutigen, die wir gezielt angesprochen haben. Das Yello Bloghaus folgt letztlich einer klaren Strategie, sodass nicht unbedingt Ziel ist, dass jeder einfach mal schreiben kann, was er oder sie so interessant findet. Das SoMe-Team setzt die strategischen Themen und Redaktionspläne, freut sich aber auch über Anregungen, die bei uns erfreulicherweise zahlreich sind. Wir haben hier einmal im Monat einen Kommunikationskreis mit Vertretern aller Abteilungen installiert, in dem wir uns austauschen, erzählen, was wir so vorhaben, aber auch hören, welche Themen anstehen oder „blogbar“ wären.

Sven Nitsche, Bausparfuchsblog

Beim Bausparfuchsblog der Bausparkasse Schwäbisch Hall schreibt hauptsächlich der Bausparfuchs (also ich) die Blogbeiträge. Zudem gibt es hin und wieder Gastbeiträge von Menschen aus dem Unternehmen und den Bausparfuchsfreunden – aus unterschiedlichen Unternehmensbereichen. Wir haben uns nicht für ein großes Autorenteam entschieden, um die Qualität hoch zu halten und eine Stil-Stringenz zu haben.

Christina Wolf, Hays Blog

Wir haben bei Hays ein festes Team von acht Personen aus allen Bereichen. Diesen Kollegen schlagen wir auch immer Themen vor, sie können aber auch gerne ein eigenes Thema aussuchen, sofern es sich rund um die „Arbeitswelt“ dreht. Unser Ansatz ist hier ebenfalls, die Qualität hoch zu halten und einen möglichst umfassenden Blick zu gewährleisten. Darüber hinaus können über den „Gastautor“ externe Autoren, aber auch Hays-Kollegen, die nicht zum festen Team gehören, sich zu Wort melden.

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3 Kommentare zu „Wie viele Autoren verträgt ein Corporate Blog?

  1. kreuter

    Liebe Frau Coy,

    ich fürchte, Sie interpretieren den Sinn eines Blog miß. Mit der von Ihnen postulierten „redaktionellen Hoheit“ machen Sie klar, dass sie keinen Corporate Blog wollen, sondern eine digitale Mitarbeiterzeitung. Dann muss man das aber auch so nennen. Daimlers Ansatz ist der richtige. Die fördern die storytelling-Kräfte im Unternehmen und werden nicht ihre Glaubwürdigkeit verlieren, wenns mal kritischer wird. Tschibo schon.

    Nichts für ungut, aber sie sollten den Mut zum Blogging finden.

    Beste Grüsse
    W. Kreuter

  2. Sandra Coy
    Coy, Sandra

    Hallo,
    Sie haben Recht, die Grenzen zwischen einem Corporate Online-Magazin und einem Blog im klassischen Sinn sind fließend. Wir besprechen in der Regel im Team unsere Themen. Umgesetzt werden sie frei von den Autoren. Dennoch, und das habe ich auch geschrieben, darf prinzipiell jeder Mitarbeiter, der Lust hat, auch „seine“ Geschichte schreiben. Hier würden wir nur im Ausnahmefall reingrätschen. Allerdings sind unsere Mitarbeiter diesbezüglich zurückhaltender als bei Daimler. Ob das am unterschiedlichen Geschäftsfeld oder Nord-Süd Gefälle liegt, vermag ich nicht zu sagen. Gegen kritische Berichte legen auch wir sicher kein Veto ein, denn in der Tat, sonst wäre das Ziel verfehlt. Viele Grüße

  3. Urs E. Gattiker - CyTRAP BlogRank

    Interessanter Beitrag.
    Ich finde Hr/Fr Kreuter und Ms. Coy haben recht.
    Man kann einen Blog so oder so betreiben, Wie Sandra sagt, fliessend sind die Uebergänge vom Blog zum Corporate Magazin.

    Wichtig ist doch welche Ziele damit verfolgt werden. Wenn es Leserkommentare sind, dann scheint vielleicht eine Methode besser als die andere (mehr Azubi die schreiben – mehr Resonanz bei jüngeren Lesern, usw).
    Der CyTRAP BlogRank zeigt das der Daimler Blog vielleicht ein wenig mehr Engagement generiert als der Tchibo blog. Aber wie gesagt, die Zielsetzung ist der springende Punkt. Beide Blogs – einer mit weniger Autoren und einiger mit mehr – können erfolgreich sein. Anscheinend sind es auch beide.

    Es gibt mehrere Wege nach Rome.
    Super Blogpost. Danke Sandra.
    Urs @ComMetrics

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