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„5 Tassen täglich“: Corona als Chance – Frauen im NewWork Modus

Hat Corona die Frauen wirklich zurück in die 50er Jahre geworfen? Ein klares Nein! Auch wenn speziell für Mütter die vergangenen COVID-19-Monate sehr herausfordernd waren, könnten genau sie jetzt ihre Chance bekommen – zusammen mit den Vätern. Denn Karriere und Kinder sind möglich. Die Arbeitswelt dreht sich zwar rasant, aber nicht unbedingt zum Nachteil von Familien.

Darüber reden wir in einer neuen
„5 Tassen täglich“-Folge, live und in Farbe aus der Tchibo Zentrale. Im Gespräch sind Prof. Manuela Rousseau und Anika Herrmann mit unserem Host Ralf Podszus.

Aufsichtsrätin, Buchautorin und Professorin Manuela Rousseau – „Legt Eure Selbstzweifel ab!“

Schon früh musste sich die Aufsichtsrätin der maxingvest ag und Beiersdorf AG Manuela Rousseau behaupten: Ihre Mutter hat sie stets provoziert, sich durchzusetzen. Eine gute Schule für ihre Zukunft, denn der Werdegang der Professorin ist voller Brüche. Mit Ende 20 erlebte sie einen ersten herben Rückschlag: der Konkurs ihres eigenen Geschäfts. Den Aufsichtsratsposten hat die Powerfrau ebenfalls nicht kampflos erlangt. 1994 hat sie sich erstmals beworben – und das ohne Abitur und Studium. Erst im zweiten Anlauf 1999 war sie erfolgreich und zog in das Kontrollgremium von Beiersdorf. Ihr Motto: Machen ist mutiger als Wollen. Die Buchautorin von „Wir brauchen Frauen, die sich trauen“ fordert von Frauen, endlich ihre Selbstzweifel abzulegen. „Männer denken in Potenzialen, Frauen in Defiziten“, so Rousseau und das muss sich ändern.

Eine Frau, die sich traut – Personalchefin und zweifache Mutter Anika Herrmann

Ein gutes Beispiel für die „Frauen, die sich trauen“ ist die junge Tchibo Personalchefin und zweifache Mutter
Anika Herrmann. Aus der zweiten Elternzeit ist sie als Personalchefin zurückgekommen. Ob sie den verantwortungsvollen Job mit zwei Kindern übernehmen kann, war ein langer Entscheidungsprozess. „Insbesondere mein Mann musste einiges aushalten und viele Gespräche mit mir führen“, beschreibt Anika Hermann ihren Weg zur Direktorin Human Ressources. Mit der Unterstützung ihres Mannes entschied sie sich dann für die Stelle – inmitten der Corona-Krise.

Back to the 50`s? – Corona und die Karriere der Frauen

„Rückschritt durch Corona“ betitelt die Hans-Böckler-Stiftung ihre Studie aus dem Corona-Monat April. Demnach haben in Familien mit Kindern unter 14 Jahren 27 Prozent der Mütter die Arbeitszeit in der Corona-Krise reduziert, aber nur 16 Prozent der Väter. Frauen übernehmen oft zusätzlich anfallende Sorgearbeit, auch in Familien mit einer vormals gleichberechtigten Verteilung. Nur 60 Prozent derjenigen Paare mit Kindern unter 14 Jahren, die sich die Sorgearbeit vor der Pandemie fair geteilt haben, tun dies auch während der Krise. Doch wie war die Zeit für unsere Personalchefin Anika Herrmann?

„Es war eine große Herausforderung und am Ende ging es mir so wie vielen Millionen Müttern in Deutschland und auf der ganzen Welt. Mein Betreuungsnetzwerk ist komplett zusammengebrochen und das war eigentlich die Voraussetzung, dass ich diesen Job überhaupt antreten konnte“, so die zweifache Mutter. Nur durch die Unterstützung ihrer Eltern und ihres Mannes war es möglich, ihre Aufgabe als Direktorin zu übernehmen und im Krisenstab den Lockdown zu händeln. Die Wochenplanung war dabei essenziell. „Wir haben Pingpong in der Betreuung gespielt. Es war ein stundenweises Hin-und-Her-Organisieren, was funktionierte, aber dazu geführt hat, dass wir abends wieder vorm Rechner saßen.“ Doch nicht nur persönlich ist die Personalchefin an der Krise gewachsen, auch das Unternehmen hat profitiert: „Durch den ersten Lockdown haben wir gelernt, dass man wunderbar im Homeoffice arbeiten kann.“ Die Bereitschaft sei gestiegen, sich diese Flexibilität auch nach vorn zu wahren.

Bei Beiersdorf wurde ebenfalls im Homeoffice gearbeitet. In der Ramp-up-Phase ist der Betriebskindergarten bei Beiersdorf eingesprungen und die Eltern hatten absolut flexible Arbeitszeiten. Außerdem wurden Elterntrainings zum Umgang mit den Kindern und den Veränderungen in der Pandemie angeboten.

An eine Rückkehr in die 50er-Jahre und eine Re-Traditionalisierung glauben die beiden Frauen nicht. Sie sehen eine Chance in der Pandemie. „Je flexibler ich meinen Arbeitsalltag gestalten kann, desto besser können wir Familie und Beruf verbinden. Da sehe ich eine unglaublich große Chance nach vorne“, so die Personalchefin von Tchibo. Damit Gleichberechtigung möglich ist, braucht es auch männliche Vorbilder. „Ich bin überzeugt, dass die HR-Abteilungen flexible Modelle anbieten müssen – und das auch für Männer“, unterstreicht Manuela Rousseau und fordert: „Wir brauchen jetzt ein Rollenverständnis, das wir entrümpeln und erneuern, damit Männer und Frauen wirklich gleichberechtigt ihren Unterhalt verdienen können.“

New Work – Corona als Game Changer

Der Politikwissenschaftler und Leiter des Berliner Zukunftsinstitus Daniel Dettling ist sich sicher: Corona wird auch in der Geschlechterfrage zum Game Changer. Die Arbeitswelt werde sich radikal ändern. In der ´neuen Normalität´ werde Homeoffice die Regel und stundenlange Präsenzsitzungen sowie Veranstaltungen zur Ausnahme. Frauen würden die Fähigkeit zur Selbstdisziplin und Selbstorganisation sowie den selbstbewussten Umgang mit Unsicherheit und Komplexität besser als Männer beherrschen. Daher hat der Experte keine Zweifel, die Frauen werden die Männer auch ökonomisch in den nächsten 20 Jahren überholen.

Manuela Rousseau sieht drei Fähigkeiten als Vorteile für Frauen – auch in der Corona-Krise:

„Wir brauchen Frauen, die sich trauen“ von Manuela Rousseau

Kooperations-, Kommunikations-, und Konsensfähigkeit. „Diese Fähigkeiten sind elementar, um die Zukunft zu gestalten und die Transformation zu bewerkstelligen.“ Anika Herrmann sieht die Stärke der Frauen in der eigenen Reflexion. „Selbstzweifel führen dazu, dass Frauen tendenziell eine größere Bereitschaft haben, an sich zu arbeiten und sich permanent weiterzuentwickeln“, meint die Direktorin für Human Ressources bei Tchibo. Doch gerade in der Krise ist es wichtig, dass Frauen ihre Komfortzone verlassen, Risikobereitschaft zeigen und keine Angst vorm Scheitern haben. Frauen müssen sichtbar sein und sich auch in der Videokonferenz zu Wort melden, finden die beiden Powerfrauen. „Wer nichts sagt, wird nicht wahrgenommen. In ein Meeting zu gehen, um nichts zu sagen, kann also nicht die Haltung sein“, resultiert die Aufsichtsrätin Manuela Rousseau.

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