Studenten übers Sharing (2)

„Warum Sharing in unserer Gesellschaft bereits verankert ist, express yourself – don’t wreck yourself und wir teilen uns ‘ne Insel!“

„Was teilt ihr denn so im Alltag?“ Die Frage hat Annika Schach, Dozentin für Public Relations an der Hochschule Hannover, ihren Studenten gestellt. In einer dreiteiligen Serie erzählen sie uns was ihre Erfahrungen mit Sharing sind. Teil 2 – Janina, Jolien und Fiona über: Sharing in unserem Leben, nachhaltiges denken und eine Insel teilen wäre mein Ding.

 

Warum Sharing in unserer Gesellschaft bereits verankert ist

Ich bin Janina Klose, Studentin des Studiengangs Public Relations an der Hochschule Hannover. Zu Tchibo gehe ich erst freiwillig, seit ich meinen eigenen Haushalt habe, dafür jetzt umso lieber. Ich vermiete mein Wohnzimmer über Airbnb und tausche Kleidungsstücke mit Freundinnen, ich weiß aber nicht, wie weit ich mit dem Trend des Sharings mitgehen würde.

 

Sharing – einer dieser Begriffe die in Deutschland einfach „eingedeutscht“ werden. Warum sagen wir nicht einfach teilen? Sharing klingt auch einfach ein bisschen innovativer, ein bisschen neuer und moderner. Aber das Prinzip des Teilens ist doch gar nicht so neu, oder? Wenn ich mich an meine Grundschulzeit in einer evangelischen Einrichtung erinnere, kommt mir der Gedanke an ein Gleichnis von Jesus. Hat der nicht Brot und Fisch geteilt, um andere Menschen satt zu machen? Oder der heilige St. Martin? Hat der nicht seinen Mantel geteilt um einen anderen Menschen vor dem erfrieren zu retten? Ob nun real oder ausgedacht – die Geschichten bestehen seit langer Zeit. Wenn ich an die heutige Zeit denke, ist Sharing ein großer Bestand unseres Lebens. Viele von uns Studenten leben in WGs, ein Arrangement bei dem man sich den Lebensraum und Kosten  (und manchmal vielleicht auch unfreiwillig andere Dinge) teilt. Andere vermieten ihre Wohnung über Airbnb, eine Möglichkeit Fremden eine günstige Unterkunft in der eigenen Stadt zu vermitteln und nebenbei etwas Geld zu verdienen. Wieder andere bieten Couchsurfing an und lassen Reisende kostenfrei bei sich auf dem Sofa übernachten. Bei jedem Beispiel ist der Nutzen für die Akteure ein anderer, aber alle teilen. Ganz zu schweigen von den unzähligen anderen Möglichkeiten wie mit der besten Freundin die Klamotten teilen, Spenden oder Carsharing.

Was soll also dieser „neue“ Trend des Sharings?
Wie bei der Mode, Trends kommen immer wieder. So auch das Sharing. Es ist in den letzten Jahren etwas in Vergessenheit geraten und wird nun wieder ausgegraben und zum Trend gemacht. So wie wir Erwachsenen unsere noch gut erhaltenen Klamotten auf diversen Onlineplattformen verkaufen, sollte es das erst Recht für Kleinkinder geben, die sehr viel schneller aus den gerade neu erstandenen Artikeln raus wachsen. Wenn die Kleidungsstücke dann auch noch nachhaltig produziert wurden, umso besser. Tchibo hat also einen Secondhandladen für nachhaltige Baby- und Kinderkleidung im Internet ins Leben gerufen. Warum nicht?

 

Express yourself, don’t wreck yourself

Ich bin Jolien Hasemann, 22 Jahre alt und studiere Public Relations an der Hochschule Hannover. Nach meinem Bachelor in American Studies bin ich in meine alte Heimat Hannover zurückgekehrt und lebe mit meiner Mitbewohnerin und unserem (imaginären) Hausschwein zusammen in der Südstadt. Mit 18 bin ich von zu Hause ausgezogen. Und seitdem liegt mir meine Mutter in den Ohren – ich solle doch endlich mal meine ganzen Klamotten aussortieren, mein Kinderzimmer soll renoviert und zu einem total praktischen dritten Fernsehzimmer umfunktioniert werden.

 

Ich bin heute 22 Jahre halt und habe bestimmt schon fünf, sechs Mal „Stück für Stück“, wie ich es meiner Mutter verkaufe, meinen Kleiderschrank eher aufgeräumt als entleert. Er ist natürlich immer noch voll. Von so vielen Kleidungsstücken kann ich mich einfach nicht trennen, auch wenn ich in meine Diddl-Shirts aus der Grundschule längst nicht mehr reinpasse. Noch weniger passen diese Sachen aber in mein elf m2 großes WG-Zimmer – was tun? Einzelne Sachen kann ich sicher unterbringen, aber der Rest muss weg.

Der Wohnraum in den Städten und die Ressourcen der Erde werden immer knapper, während Trends schnelllebiger denn je sind. Es ist also nicht nur nachhaltig, sondern sehr sinnvoll, Kleider zu teilen. Dazu gibt es neben minimalistischen Sharing-Angeboten und traditionellen Flohmärkten schon lange Plattformen wie Kleiderkreisel. Aber ganz ehrlich, wenn es sich bei den angebotenen Sachen nicht um Markenartikel oder Merchandise handelt, wird man die Sachen schlecht los.
Nach all den semi-erfolgreichen Verkauf- und Spendenaktionen habe ich schließlich das geändert, worauf ich wirklich Einfluss habe: meine Einstellung. Brauche ich diese Jacke wirklich? Welchen Mehrwert hat diese Jeans für mich in drei Jahren? Langfristig denken heißt nachhaltig denken. Obwohl ich mir ab und zu Trendprodukte gönne, investiere ich in Teile, die lange halten und klassisch sind. Dann kann ich mit meiner Mutter auch endlich wieder über was Anderes reden.

 

Komm, wir teilen uns ‘ne Insel!

Meine Name ist Fiona Ebcinoglu und wenn ich nicht von dem Leben auf meiner eigenen Insel träume, studiere ich im 2. Semester Public Relations an der Hochschule Hannover.

 

Wir alle wissen: Edeka? Ist ein Supermarkt! Zara? Ist zum Kleidung shoppen! Und Tchibo? Nun ja, da wird’s jetzt schon schwieriger. Tchibo ist natürlich bekannt für seinen Kaffee. Und seine Skikleidung. Und Handys. Und Schmuck. Und Meditierfrösche. Und zeitweise auch Inseln. Richtig gelesen: im Tchibo Onlinestore konnte man für eine begrenzte Zeit eine Insel zwischen 60.000 und 999.000 Euro shoppen. Und jetzt will Tchibo dem Sharing Trend folgen? Find ich gut und das hat wirklich nichts mit schleimen zu tun. Als ich einmal etwas von den Süßigkeiten meiner kleinen Schwester mit dem belehrenden Satz „Sharing is caring!“ einfordern wollte, kam von ihr nur ein trockenes „But I don’t care!“ zurück. Teilen hat aber nicht nur mit guter Erziehung zu tun, sondern ist auch einfach praktisch. Vor allem für mich als bettelarme Studentin. Ich bekomme leider nicht alles von Mami und Papi zugesteckt, so schön wie das manchmal wäre. Deshalb sind Sharing-Portale einfach perfekt. Praktisch und unkompliziert. Besonders für Sachen, die man nicht tagtäglich braucht. Für ein Geschäft wie Tchibo, in dem es ja wirklich so ziemlich jedes Zeugs dieser Erde gibt, würde sich das auf jeden Fall anbieten. Bevor ich’s vergesse: Weiß jemand zufällig, wer eine Insel ersteigert hat? Und würde Sie dieser Jemand mit mir teilen?

 

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