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Was hat Kaffee mit dem Mond zu tun?

Ich bin Gerhard Bytof und bei Tchibo normalerweise für die Kaffeewissenschaft zuständig. Jetzt fragen Sie sich gewiss, was hat der Mond bitteschön mit Kaffee zu tun? Ich habe mir gedacht, das nehme ich heute mal als Frage des Tages, und zwar aus gutem Anlass. Denn die Kraft des Mondes äußert sich nicht nur in den Gezeiten – dazu später mehr.

Erst einmal: Wie bringt man Mond und Kaffee zusammen?

Bevor jemand googelt – ich habe es schon erledigt: man findet zum Beispiel zwei Gesangsinterpreten. Zum einen, jüngeren Datums: Julian Moon mit ihrem Song „A Cup of Coffee“. Wer Englisch kann – der Text lohnt sich, denn er nimmt die heutige Coffee-Shop-Kultur auf die Schippe.
Dann wäre da noch Moon Mullican (1929-1967), bekannt (oder auch nicht) als „King of Hillbillie Piano Players“, mit seinem „Cajun Coffee Song“. Moon Mullican beeinflusste immerhin Country- und Rock’n Roll Größen wie Hank Williams, Jerry Lee Louis und sogar Elvis. Als Cajun wird die französischsprachige Bevölkerungsgruppe, und die von ihnen bewohnte Region im US-Bundesstaat Louisiana bezeichnet. Sie haben anscheinend tatsächlich einige eigene Kaffeerezepte kreiert, etwa mit Honig oder Melasse (Zuckersirup). Manch ein Cajun wird außerdem womöglich einen guten Schluck Moonshine in seinen Kaffee kippen, aber das hat nur entfernt mit dem Himmelskörper zu tun. Gemeint wäre hier ein schwarzgebrannter Rum (legal erworbener geht prinzipiell aber auch). Unvergesslich ist außerdem J.J. Cale mit seinem Song „Cajun Moon“ – leider kommt kein Kaffee darin vor.

Junge Kaffeepflanzen – lassen sie sich vom Mond beeinflussen?

Nicht unterschlagen möchte ich, dass es in Kassel ein Café MooN gibt (es gibt auch anderswo in Deutschland tolle Cafés; ich erwähne es hier aus rein sentimentalen Gründen, weil ich vor Urzeiten in Kassel meinen Zivildienst abgeleistet habe und viel zu lange nicht mehr dort war).
Okay, jetzt wissen Sie, dass ich ein Musik-Liebhaber bin und Mitte der Achtziger in ASB-Montur mit und ohne Blaulicht durch Kassel gedüst bin und dabei oft dem Tulsa Sound von J.J. Cale gelauscht habe. Und das schwarze Gebräu, das wir damals im Nachtdienst in uns reingeschüttet haben, war vor allem stark und koffeinhaltig – trotzdem würde ich so etwas heute nicht mehr als Kaffee bezeichnen. Normalerweise bin ich aber hier für die Kaffeewissenschaft zuständig – kommen wir also zurück zur Eingangsfrage:

Schlafwandler oder schlaflos – welchen Einfluss hat der Mond auf uns?

Die Kraft des Mondes äußert sich nicht nur in den Gezeiten, sondern beeinflusst angeblich auch uns Menschen in unserem Leben – den einen mehr, den anderen weniger. Dass Frauen besonders „mondfühlig“ seien, ist übrigens ein wissenschaftlich widerlegter Mythos: Es besteht weder ein Zusammenhang zwischen Mondphase und Zahl der Geburten noch lässt sich der weibliche Zyklus vom Mond beeindrucken.

Kaffee und Mondphasen – beides kann unseren Schlaf auf verschiedene Weise beeinflussen. Schlafwandeln gehört nicht dazu

Ein paar Daten immerhin gibt es zu vollmondbedingter Schlaflosigkeit: Obwohl in einer Schweizer Studie die Testpersonen (m/w) wirksam vom Mondlicht abgeschirmt waren, führte der Vollmond durchschnittlich je Kandidat*in zu einem verspäteten Einschlafen von 5 min und einer um 20 min reduzierten Schlafdauer. Jetzt könnte man sagen: 5 bzw. 20 Minuten – das ist wirklich Jammern auf „niedrigem Niveau“! Allerdings fanden sich im Blut gleichzeitig Mond-abhängige Konzentrationen des Schlafhormons Melatonin (das Thema Melatonin hatten wir schon hier und da im Blog). Es gibt aber auch Studien, die beim menschlichen Schlaf nicht wirklich einen Mondeinfluss fanden. Dann ist es wohl doch eher der Kaffee gewesen? Übrigens: Auch Schlafwandeln, früher oft als „Mondsucht“ bezeichnet, hat erwiesenermaßen nichts mit dem Mond zu tun.

Kleinstlebewesen scheinen mondsensibel zu sein

Kleinstlebewesen scheinen dagegen wesentlich mondsensibler zu sein: So folgen Bewegungen des Planktons – und das bis in die Tiefsee! – einem mondabhängigen Rhythmus. Forscher haben längst auch für viele Pflanzen Einflüsse nachgewiesen, die auf das Schwerkraftfeld des Mondes zurückzuführen sind, sozusagen eine Art Tide-Einfluss auf zellulärer Ebene. Man muss es sich einmal vorstellen: diese Effekte bestehen, obwohl das Erdschwerkraftfeld ungefähr 10 Millionen Mal stärker z.B. auf die Pflanzenwurzeln wirkt als die Mondschwerkraft!

Jetzt zu Mond und Kaffee

Vor kurzem wurden solche Effekte auch für junge Kaffeepflanzen nachgewiesen: Wachstums-Muster der Kaffeekeimlinge folgten den Schwerkraft- und Lichteinflüssen des Mondes, vor allem in den ersten vier Wochen. Was Kaffeepflanzen möglicherweisen besonders unter Mondeinfluss stehen lässt, ist die Tatsache, dass Kaffeekeimlinge relativ lange brauchen, bis sich richtige Wurzeln entwickelt und grüne Blätter entfalten, nämlich mehr als zwei Monate oder anders ausgedrückt: zwei Mondphasen.

Ganz neu aus 2020 sind außerdem bestätigende Ergebnisse französischer Forscher. Demnach reichten bereits geringe Lichtmengen des Mondes aus, um eine ganze Bandbreite von Genaktivitäten in den Pflanzen auszulösen, die interessanterweise auf Stress hinwiesen, den die vom Mondlicht beschienen Pflanzen erfuhren, so das Forscherteam aus Montpellier. Unklar ist dabei, warum Mondlicht die Pflanzen stresst. Man könnte annehmen, weil sie nicht schlafen konnten? Das könnte wiederum am Coffein liegen, denn die Pflanzen sind ja voll davon. Das ist natürlich nicht ernst gemeint, denn wohl keine dieser Erklärungsansätze würde wissenschaftlicher Überprüfung standhalten.

Leider ist die Tagung der Kaffeewissenschaftler (ASIC, die dieses Jahr im Juni in Montpellier stattfinden sollte) Covid-19-bedingt auf 2021 verschoben. Nur zu gerne hätte ich die Forscherkollegen dort danach gefragt – und:  ob der Mond von Montpellier womöglich gar nicht die volle Power hatte, und ob man nicht vielmehr den berüchtigten und viel besungenen Cajun Moon von Louisiana ausprobieren sollte? Und schon käme doch noch Kaffee im Lied von J.J. Cale vor!

Cajun Moon, where does your power lie,
As you move across the southern sky” – J.J. Cale

Kaffee und Mond: der magische Cajun Moon von Louisiana wurde schon von J.J. Cale besungen. Dazu passt ein Kaffee (schön schwarz geröstet) mit Molasse oder Honig gesüßt und – warum nicht? – ein Schuss Hochprozentiger: Whiskey, Rum oder Cachaça.

Fachartikel:
1. Gallep et al. (2018) Peter Barlow’s insights and contributions to the study of tidal gravity variations and ultra-weak light emissions in plants. Annals of Botany 122.
2. Breitler et al.2020) Full moonlight-induced circadian clock entrainment in Coffea arabica. BMC Plant Biology 20 (1):24.

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1 Kommentare zu „Was hat Kaffee mit dem Mond zu tun?

  1. Hardy

    Einige Auszüge aus dem Netz beschäftigen sich ebenfalls mit den Kräften & Auswirkungen des Mondes auf Natur, Mensch & Tier….

    Zwar gibt es keine wissenschaftlichen Belege, doch es gibt durchaus Indizien, die dafür sprechen, dass der Mond einen erheblichen Einfluss auf unser irdisches Leben nimmt. So ist es ein Fakt, dass der Mondrhythmus die Gezeiten der Meere steuert. Ebbe und Flut würde es ohne Lunas Hilfe nicht geben. Außerdem spüren manche den Mond während des Schlafens; vor allem bei Vollmond nächtigen viele Menschen deutlich unruhiger.

    Und schenkt man alten Überlieferungen Glauben, wirken Heilkräuter besser, wenn sie zu Vollmond geerntet wurden. Sogar die Qualität von Hölzern soll durch den Mond bestimmt werden. In ähnlicher Weise soll auch der Mondkalender auf Haut und Haare wirken. Die Schwingungen des Mondes – so heißt es – nehmen Einfluss auf sich ständig reproduzierende Materie, wie Haut und Haar, und sind somit fähig, deren Zustand zu beeinflussen. Die Wissenschaft belegt diese These nicht; sie widerspricht aber auch nicht.
    Und von Hunden – geschweige denn Wölfen, die den Vollmond anheulen und anbellen, hat wohl auch jeder schon gehört.
    Bei Nutzpflanzen konnten solche Mond- Abhängigkeiten nachgewiesen werden. So weisen zumindest einige Sorten des Roggen, die vor Vollmond ausgesät werden, eine höhere Keimungsrate auf als vergleichbare Aussaaten vor Neumond. Auch bei Gartengemüse wie Möhren, Radieschen und Bohnen gibt es klare Nachweise – allerdings bei jeder Art individuell abhängig entweder von der Mondphase oder der Position des Mondes bzw. der Erdnähe.
    Beobachtungen zeigen, dass der Wassergehalt bei bestimmten Bäumen im Gezeitenrhythmus ab- und zunimmt. Und ebenso konnte gezeigt werden, dass bei Vollmond geschlagenes Holz schneller fault oder von holzfressenden Lebewesen befallen wird als bei anderen Mondphasen.
    Der Mond ist zweifellos ein wichtiger Taktgeber für viele Lebewesen. Rund 600 Tiere sind bekannt, deren Verhalten oder Fortpflanzung sich nach dem Mondrhythmus richtet.

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