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Witz komm‘ raus, kriegst auch ‘nen Kaffee! – Wissenschaftliches über Kaffee und Humor

Eines meiner Lieblingsmottos lautet: Humor ist die Medizin, die am wenigsten kostet und am sichersten hilft.

Humor ist ein Phänomen, das zahlreiche Facetten aufweist und dabei viel mit der Kultur, dem Charakter, aber auch mit den Lebensumständen und der Situationen zu tun hat, in denen man Humorvolles erlebt (und es dann hoffentlich auch bemerkt!). Manchmal glaube ich, dass ich mich der Erforschung des Kaffees und seiner Inhaltsstoffe verschrieben habe, weil man oft gerade hier – trockene Wissenschaft hin oder her – immer wieder auf Kurioses und (unfreiwillig) Komisches stößt, wie ich in einem zurückliegenden Blogbeitrag schon einmal ausgeführt habe: http://blog.tchibo.com/aktuell/kaffee/kurioses-aus-der-wissenschaft-coffein-und-seine-auswirkungen/.

Kinder haben ja einen eigenen Humor. Als meine Töchter noch im Grundschulalter waren, durchliefen sie verschiedene Phasen des Witze-Erzählens, oft mit anschließendem LOL (laughing out loud = „lautes Lachen“) und ROFL (rolling on the floor laughing = „sich vor Lachen auf dem Boden wälzen“). Da gab es Witze mit Popeln und Klein-Fritzchen, Anekdoten, in denen mindestens ein Franzose, ein Engländer und ein Chinese vorkamen, und natürlich die unvermeidlichen Häschen-Witze. Meistens sollte ich dann auch einen Witz erzählen, und dann foppte ich sie gerne mit dem folgenden (zugegebenermaßen nicht gerade neuen) Witz, dessen Pointe sich meinen Töchtern damals nicht erschloss („Häh? Der ist ja gar nicht witzig!“):

Frage: Was ist der Unterschied zwischen einer Eule?
Antwort: Es gibt keinen; denn beide Flügel sind gleich lang, besonders der rechte.

Und? Wie finden Sie den? Nicht so prall? Vielleicht liegt es nicht an meinem Klassiker (ich finde den nämlich immer noch super), sondern daran, dass Sie nicht ausgeschlafen sind? Wieso ich frage? Und da würde es auch nichts nützen, wenn Sie mir hoch und heilig versicherten, dass Sie zwar noch völlig verpennt sind, dafür aber Ihr übliches Pensum an Kaffee intus hätten. Muntermacher Kaffee zum Trotz muss ich dann davon ausgehen, dass Sie aufgrund akuten Schlafmangels meinen feinen Humor wahrscheinlich nicht wirklich zu schätzen wissen.

Der Zusammenhang lässt sich natürlich wissenschaftlich begründen: Dass man nämlich bei starker Übermüdung oder längerem Schlafentzug deutlich weniger in der Lage ist, Witze zu verstehen, haben amerikanische Neurowissenschaftler bereits vor einiger Zeit herausgefunden. Um das auch wirklich objektiv bewerten zu können, wurde dafür der PHAT herangezogen, der Penn’s Humor Appreciation Test (= ein Humor-Wertschätzungstest, der University of Pennsylvania, wofür Penn’s die Abkürzung ist).

Welcher ist witzig?

Ein Beispiel aus dem PHAT: Ein Marienkäfer muss so sehr niesen (Ah-choo! = Hat-schiee!), dass ihm ein Malheur geschieht. Welcher Cartoon ist witzig?    I)    oder II)     oder III)  keiner von beiden.

Wie muss man sich so einen Test vorstellen? Der PHAT arbeitet mit Hilfe einer Computer-gestützten Befragung von Probanden, die mit einer Reihe von a) Bilderwitzen/Cartoons sowie b) Textwitzen konfrontiert werden. Hierbei wird jedem Originalwitz ein Double beiseite gestellt, dessen Pointe durch eine kleine, aber entscheidende Veränderung verloren gegangen ist. Die Probanden sollen sich jedes Mal rasch und in schneller Abfolge durch Anklicken dafür entscheiden, ob sie eher die eine oder doch die andere Variante für lustiger halten (oder eben keine von beiden). (Mein Eulenwitz ist übrigens keine wissenschaftlich verstümmelte Variante aus dem PHAT, der ist wirklich witzig).

Das (Nicht-)Verstehen von Witzen ist eine anspruchsvolle kognitive Leistung, die unserem Gehirn nur dann gelingt, wenn die damit befassten informationsverarbeitenden Prozesse problemlos ablaufen können. In Stresssituationen, bei körperlicher oder mentaler Erschöpfung oder nach Drogenkonsum ist diese spezielle Hirnleistung stark beeinträchtigt. Probanden, die mehr als 48 Stunden nicht geschlafen hatten, erwiesen sich in der wissenschaftlichen Untersuchung nach PHAT entsprechend als ziemlich unfähig in Sachen Humor *.

Wie veränderte sich nun die Leistung der Probanden, wenn sie gegen Müdigkeit wirkende Mittel (z.B. Coffein) verabreicht bekamen? In der Untersuchung wurde nicht nur die Humorkompetenz abgefragt. So konnte in einem Test parallel zum Witzeverstehen durch Coffeingabe (600 mg, als Kapsel) das Abschneiden der übermüdeten Probanden im Psychomotor Vigilance Task (PVT, siehe Schema) gegenüber der Placebo-Gruppe verbessert werden **. Aber der Sinn für Humor bei gleichzeitiger Übermüdung ließ sich auch durch die Einnahme von Coffein nicht wirklich schärfen.

Psychomotor Vigilance Task (PVT): das ist ein spezieller und recht eintöniger Aufmerksamkeitstest mit meist schwarzem Bildschirm, auf dem in unregelmäßigen Abständen kurzfristig ein roter Punkt erscheint, woraufhin man dann so schnell wie möglich drücken soll.

Fazit:

Sollten Sie einmal einen Witz nicht verstehen, könnte eine Ursache dafür sein, dass Sie nicht ausgeschlafen sind. Es kann aber auch daran liegen, dass der Witz schlecht erzählt war, dass es einfach nicht Ihre bevorzugte Art von Humor war – ja der Witz könnte ja sogar komplett humorfrei gewesen sein (anwesende Eulenwitze sind hierbei ausdrücklich ausgenommen!). Was auch immer die Ursache oder Situation sein mag – eine Tasse Kaffee wird Ihr abwesendes Humorverständnis wahrscheinlich nicht wiederherstellen. Andererseits: verschlechtert wird es auch nicht, weshalb es immer noch so ungefähr tausend andere gute Gründe gibt, einen Kaffee zu genießen.

Zum Schluss gibt es noch einen Kaffee-Witz von meiner Seite:

Kommt ein Mann zum Arzt und sagt: “Herr Doktor, immer wenn ich Kaffee trinke, kann ich nicht schlafen!“

Darauf der Arzt: „Interessant, bei mir ist es nämlich genau umgekehrt: Immer wenn ich schlafe, kann ich keinen Kaffee trinken.“

 

Kennen Sie vielleicht einen Kaffee-Witz? Gerne bitte posten!

 

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* Killgore, W.D.S., S. McBride, D.B. Killgore, and T.J. Balkin. 2006. The Effects of Caffeine, Dextroamphetamine, and Modafinil on Humor Appreciation During Sleep Deprivation.  Sleep 29 (6):841-847.

** Hinweis: Die europäische Lebensmittelbehörde EFSA vertritt in einer offiziellen Stellungnahme den Standpunkt, dass Coffein helfen kann, die mentale Leistungsfähigkeit, insbesondere Aufmerksamkeit und Konzentration, zu verbessern, allerdings mit mindestens 75 mg je eingenommener Portion (EFSA Panel on Dietetic Products Nutrition and Allergies. 2011. EFSA Journal 9 (4):2054.). Außerdem hält die EFSA Coffeinkonsum von bis zu 200 mg per Einzeldosis und über den Tag insgesamt bis zu 400 mg für gesundheitlich unbedenklich (EFSA NDA Panel (EFSA Panel on Dietetic Products Nutrition and Allergies. 2015. EFSA Journal 13 (5):4102.). Im obigen Test zu Humor, Schlafmangel und Coffein wurden beide Marken überschritten.

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1 Kommentare zu „Witz komm‘ raus, kriegst auch ‘nen Kaffee! – Wissenschaftliches über Kaffee und Humor

  1. Gwen

    Vielen Dank für den schönen Beitrag…zumindest musste ich beim Lesen mehrmals lachen oder zumindest lächeln! Tag gerettet!

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