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Gesundheit leben und genießen: Interview mit Prof. Dr. Dietrich Grönemeyer

Wer kennt das nicht? Zu lange Stunden im Büro, der Rücken schmerzt. Abhilfe weiß glücklicherweise Prof. Dr. Dietrich Grönemeyer. Zu unserer Wochenwelt „Gesund leben – Gesundheit schenken“ sprachen wir mit dem bekannten Bestsellerautor (und Bruder von…). Prof. Grönemeyers ganzheitlicher  Gesundheitsansatz wurde mehrfach ausgezeichnet. Sein Ziel: In der Therapie modernste High-Tech-Verfahren mit Kenntnissen der Naturheilkunde zu verbinden. Der Schwerpunkt der medizinischen Arbeit des Bestsellerautors ist die Behandlung von Rücken und Gelenksleiden, Sportverletzungen und Schmerzen. Dietrich Grönemeyer lehrt Radiologie und Mikrotherapie an der Universität Witten/Herdecke und ist Leiter des Grönemeyer Instituts für Mikrotherapie. In unserem Interview betont er die Bedeutung von Prävention und Bewegung.

Herr Professor Grönemeyer, Sie plädieren seit Jahren für eine bessere Gesundheitsaufklärung, warum? Im Notfall kann man sich doch behandeln lassen.

Das stimmt. Nur gibt es keine Pille, mit der wir die Gesundheit einnehmen könnten. Das Wesentliche muss jeder selbst tun. Dafür brauchen wir die Gesundheitsaufklärung. Deshalb plädiere ich für die Einführung eines Gesundheitsunterrichts an den Schulen. Unser Auto kennen wir besser als unseren Körper. Wir haben verlernt, auf seine Signale zu hören.

Was heißt das?
Wir wissen zwar, wo unser Herz schlägt, wo der Magen liegt und der Rücken schmerzt, haben aber vergessen, dass das oft an einer falschen Lebensweise oder einseitiger Belastung liegt. Lieber schlucken wir Medikamente, als dass wir uns Gedanken darüber machen, was wir selbst dagegen tun könnten – durch gesunde Ernährung, Stressreduktion oder eine positive Lebenseinstellung und vor allem durch ausreichende Bewegung.

Heute zählen Rückenschmerzen zu den am weitesten verbreiteten Volkskrankheiten, aber auch „Burn out“ gehört dazu. Und auch da soll Bewegung helfen?
Gerade in solchen Fällen ist Bewegung wichtig, zumal beides, Rückenschmerzen und psychische Erschöpfung, oft zusammenhängen. Der Rücken ist ja nicht nur ein Körperteil, sondern auch ein psychosomatisches Organ. Fehlhaltungen bei der Arbeit, zu langes Sitzen, mangelnde Bewegung, Übergewicht oder das Tragen schwerer Lasten machen ihm ebenso zu schaffen wie Stress, psychischer Druck, Mobbing und andere Ängste. In über 80 Prozent der Fälle akuter Rückenschmerzen sind es muskuläre Verspannungen, die die Schmerzen verursachen. Das heißt aber auch, dass wir selbst sehr viel dagegen tun können, durch regelmäßige Bewegung, durch Rücken- und Bauchtraining. Aber auch durch Wärmebehandlungen bei chronischen und Kälte bei akuten Schmerzen.

Wäre es nicht besser, den schmerzenden Rücken zu schonen?
Am besten sollte man es durch ausreichende Bewegung gar nicht erst so weit kommen lassen. Aber auch dann, wenn erste Anzeichen oder leichte Beschwerden zu spüren sind, lockert moderate Bewegung die verspannte Muskulatur und lindert den Schmerz. Zehn Minuten Rückentraining täglich genügen. An modernen Hilfsmitteln, größeren und kleineren Sportgeräten, die das erleichtern und für Spaß an der Bewegung sorgen, fehlt es nicht. Auch gibt es heute gelenkschonende Schuhe zum Laufen, Funktionskleidung, stützende Bandagen, alles, was man zu sportlicher Betätigung braucht, bis hin zum Schrittzähler für das Walking oder den Rücken schonenden Sitzmöbel.

Wie findet man die richtige Bewegungsform?
Man sollte sich aussuchen, was einem am meisten zusagt. Man muss überhaupt nicht perfekt in dieser oder jener Sportart sein. Wandern, Laufen oder Gymnastik sind am einfachsten, denn dazu werden kaum Hilfsmittel bis auf jahreszeitlich bzw. dem Wetter angepasste Kleidung und Schuhe benötigt. Auf die Regelmäßigkeit kommt es an. Es ist besser, kontinuierlich aktiv zu sein, als selten und dann übertrieben Sport zu treiben. Das würde ja nur wieder Stress bedeuten.

Stress in der Gesellschaft nimmt zu.
Stress an sich ist eine ganz normale, individuell verschiedene Reaktion auf äußere Reize. Während der eine in einer herausfordernden Situation völlig entspannt reagiert, bekommt ein anderer dadurch den berühmten „Kick“, während der nächste auf dieselbe Herausforderung mit Angst und Schweißausbrüchen reagiert. Das allein wäre noch nicht gesundheitsbedrohlich. Problematisch wird es erst, wenn der Zustand anhält. Dann entsteht ein chronisch negativer Stress, der wiederum zu verschiedenen Erkrankungen führen kann, nicht zuletzt zu Rückenschmerzen, Diabetes oder Bluthochdruck. Letztere sind wesentliche Hauptursachen von vielen Gefäß- und Herzerkrankungen.

Was kann man dagegen tun?
Wer dem vorbeugen will, muss lernen, Stresssituationen zu erkennen, um sie dann vermeiden zu können. Das ist natürlich nicht immer möglich, wir können dem Arbeitsalltag nicht einfach entfliehen. Umso wichtiger ist es, danach für den nötigen Ausgleich zu sorgen, indem man seine Seele und den Körper verwöhnt. Das sollte zuerst durch Bewegung, aber auch durch Entspannung geschehen. Auch wohltuende Bäder können Stress abbauen, ebenso wie Musik oder sportliche Aktivitäten, die mit wenig Aufwand und kleinen Hilfsmitteln wie elastischen Bändern oder Bällen zu Hause durchgeführt werden können. Unendlich viel ist möglich, wenn wir wieder mehr auf unseren Körper hören, selbst einmal den Blutdruck messen und uns öfter aufraffen, den Kreislauf unseres Körpers mit Bewegung zu stabilisieren. Das Leben positiv mit viel körperlicher und geistiger Bewegung zu gestalten: Das wäre Lebenskunst.

Herr Prof. Grönemeyer, wir danken Ihnen für das Interview.


Grönemeyers neues Hausbuch der Gesundheit: Das Standardwerk für jede Familie

„Krank werden kann jeder von uns – jederzeit. Vieles kann man selbst zu Hause therapieren. Eine gute Hausapotheke und ein aufmerksamer Umgang mit den Signalen unseres Körpers hilft oft, den Gang zum Arzt zu vermeiden.“

In seinem neuen Buch liefert Grönemeyer umfassende Informationen zu den verschiedensten Volkskrankheiten, gibt wichtige Tipps zur Vorsorge und Selbsthilfe und klärt über gängige Behandlungsmethoden auf. Zahlreiche Bilder aus der medizinischen Diagnostik mit Erklärungen geben faszinierende Einblicke in den menschlichen Körper.

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