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Mode, Mädchen, Maßbänder: Anprobemodel bei Tchibo

Ob Socke oder Bluse – bevor wir ein Kleidungsstück in Serie produzieren, wird ein Produktmuster erstellt. Und vor allem: es wird anprobiert. Denn die richtige Passform entsteht nicht am Reißbrett, sondern muss gerade bei Kindermode aufwendig ermittelt werden. Dabei helfen uns Kinder-Anprobemodels. Da die aber mit den Jahren den Kindergrößen entwachsen, sucht Tchibo immer wieder Nachwuchs.

Acht Mädchen probieren Matschhosen, Tuniken und Blusen

Rachel krabbelt in ihrer Matschhose durch den Raum, Elisabeth kämpft mit den Knöpfen an ihrer Muster-Bluse, Lina und Emma fachsimpeln über die Passform ihrer Muster-Jacke – es ist Montagnachmittag, halb vier in Hamburg. Draußen 30 Grad, im zum Ankleidezimmer umgebauten Büro sind es angenehme 20. Der nüchterne Raum mit seinen Umkleidekabinen, ein paar Schränken und Stühlen hat nun so gar nichts mit einem glamourösen Modelleben zu tun. Aber sie sind da: Acht Mädchen im Alter von knapp zwei bis 15 Jahren – acht von 20, die in der Kartei als Anprobemodels geführt werden. Und die alle Kindergrößen von 50/56 bis 164 abdecken.

Die meisten sind Kinder von Mitarbeitern und schon jahrelang dabei. So wie der Oldie in der Runde, die 15-jährige Lina: „Ich mache das schon neun Jahre, meine Brüder auch.“ Eine lange Karriere haben auch Elisabeth und ihr Bruder Louis schon hinter sich: Sie sind dabei, seit sie Babys sind, jetzt also schon zehn bzw. fünf Jahre. Eigentlich hatte sich ihre Mutter Birte als Ankleidemodel beworben – und wurde nicht genommen, da sie zu klein ist. Ihre Kinder dagegen passen genau in das Wunschraster: „Wir nehmen gerne die Normalgewichtigen, um die Passform anzuprobieren“, erklärt Sylvia Eppel, Leiterin des Qualitätsmanagements Kinder.

Frühjahrskollektion 2012

Erst knapp zwei Jahre dabei, das aber mit wachsender Begeisterung ist die 13-jährige Emma, Tochter unseres Chef Kaffee Einkäufers Andreas Christmann. „Ich finde es toll, dass wir nicht nur die Sachen anziehen, damit geschaut werden kann, ob die Muster in den Größen passen und wo noch nachgebessert werden muss, sondern, dass wir auch nach unserer Meinung gefragt werden, ob uns die Sachen gefallen.“ Wie Lina auch bessert sich Emma mit diesen Gelegenheitsjobs ihr Taschengeld auf: „Mal werden wir drei Mal im Monat angefragt, jetzt fünf Monate gar nicht. Meist dauern die Anproben rund eine Stunde, mal aber auch nur 15 Minuten,“ erklärt sie routiniert das Geschehen als Anprobemodel. Im Schnitt fünf verschieden Muster probieren sie dabei an. Und das geht – zumindest heute bei der  Mädchenanprobe – erstaunlich schnell, leise, diszipliniert und entspannt vor sich. Beruhigend für alle Mütter zu wissen: „Das ist nicht immer so – vor allem nicht bei den Jungs!“ weiß Sylvia Eppel.

Gemeinsam mit ihrer Assistentin und zwei Produktmanagerinnen begutachtet sie die vorgeführten Muster für die nächste Frühjahrskollektion. Da wird beratschlagt, diskutiert, gezupft – und vor allem nachgemessen. „Wir gehen auf Nummer sicher. Auch wenn wir immer Buddelhosen und Socken im Angebot haben. Einfach deshalb, weil unterschiedliche Garne und unterschiedliche Hersteller durchaus Einfluss auf die Passform haben.“ Bei der von den Anprobemodels geduldig präsentierten Tunika kommt noch eine weitere Facette zum Tragen: „Die Längen der Tunika stimmen bei den verschiedenen Größen nicht – was bei Größe 122 noch in der Proportion stimmt, ist bei Größe 164 eindeutig zu kurz geraten.“ Das gleiche gilt für den Kragen („muss viel weiter“), die Taschen („größer, damit es die Hände gemütlich haben“), die Teilungsnähte („müssen weiter runter, eher auf die Hüfte“) und die Knopfleiste („muss in den kleinen Größen länger, damit die Kinder einfacher rein und raus kommen“).

Anzieh-Models gesucht

Eine Tunika, eine Hose, eine Jacke und ein Oberteil später ist die Anprobe für heute vorbei. 16.45 Uhr – Mädchen und Mütter verlassen die Zentrale wieder. Bis zum nächsten Mal – mit kleinen Einschränkungen: „Kinder wachsen ja leider nicht nur aus Hosen, sondern auch aus der Anprobe raus – bei Größe 164 ist Schluss,“ erklärt Eppel. Nachwuchs wird daher immer gebraucht! Wer Lust, Zeit und Geduld hat, kann sich gerne bewerben. Wer genommen wird, muss noch eine Bestätigung der Schule, des Kinderarztes und des Amts für Arbeitsschutz mitbringen, dann steht der Anprobemodel-Karriere nichts im Weg. Momentan werden übrigens siebenjährige Jungs gesucht! Interesse? Dann schreiben Sie bitte ein E-Mail an: simone.eiglsperger@tchibo.de

Mehr zum Thema Kindermode und Kinderschuhe gibt es hier:

  • Der Zwergen Blog beschäftigt sich unter anderem mit den Größen bei Kinderschuhen
  • Auf der Tauschplattform im Kindheitsblog können zu klein gewordene Kleidungsstücke bequem gegen größere getauscht werden

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5 Kommentare zu „Mode, Mädchen, Maßbänder: Anprobemodel bei Tchibo

  1. Qualitätsplanerin

    Netter Artikel, jedoch muss hier ein Punkt richtig gestellt werden. Assistentinnen gibt es im Qualitätsbereich nicht. Die Damen, die die Anproben durchführen sowie die Passform beurteilen und verbessern sind studierte Ingenieure für Bekleidungstechnik und nicht als Assistentinnen angestellt, sondern als Qualitätsplanerinnen.

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